Wasserstoff-Mazdas Röchelnde Hoffnungsträger

In Norwegen hat die Zukunft schon begonnen. Auf dem 600 Kilometer langen Hydrogen-Highway finden wasserstoffbetriebene Autos ausreichend Gelegenheit zum Nachtanken. Vorn dabei bei dem Feldversuch ist der Hersteller Mazda, unter anderem mit einer sauberen Version seines Wankel-Sportwagens RX8.

Oslo - Thor Henning Olsen kann die Zurückhaltung nicht verstehen. "Auch Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb sind doch ganz normale Autos", sagt der norwegische Ingenieur.

Er muss es wissen, schließlich ist er einer der wenigen Menschen, die einen Wasserstoff-Pkw bereits mehrere Monate im Alltag genutzt haben. Sein Arbeitgeber ist eine von rund 50 Firmen, die am norwegischen Wasserstoff-Projekt HyNor beteiligt sind. Einige von Olsons Kollegen fahren ebenfalls extrem saubere Dienstwagen. Denn während Otto- oder Dieselmotoren CO2 ausstoßen, kommt aus dem Auspuff von Wasserstoffautos nur Wasserdampf.

Fünf Tankstellen für eine Handvoll Autos

Wasserstoff gilt als idealer Kraftstoff der Zukunft, weil Wasser als Rohstoff auf der Erde nahezu unbegrenzt verfügbar ist, der Energieträger mit grünem Strom produziert werden kann und schadstofffrei verbrennt. Nur leider gibt es die umweltfreundlichen Kraftstofffabriken mit der erforderlichen Kapazität erst in der Theorie. Und die Infrastruktur für den hochexplosiven Stoff steckt noch in den Kinderschuhen.

Immerhin, es gibt Anfänge. Ingenieur Olson beispielsweise ist, obwohl die Reichweite seines Wasserstoff-Prototypen sehr gering ist, bei Autofahrten jetzt nicht mehr auf den Großraum Oslo beschränkt. Denn vor wenigen Tagen wurde in Norwegen der Hydrogen-Highway eröffnet, eine der weltweit ersten Langstrecken mit durchgehender Wasserstoffversorgung. Fünf Tankstellen garantieren, dass Fahrzeuge, die den Zukunftskraftstoff benötigen, die 600 Kilometer von Oslo nach Stavanger problemlos überwinden.

Noch ist der Verkehr auf der sauberen Straße in die Zukunft dünn. Kaum zwei Dutzend Fahrzeuge gehören bislang zum Projekt, Ende 2010 sollen es 50, bis zum Jahr 2015 dann 350 Autos sein, die mit Wasserstoff durch Norwegen kurven. Gerade erst sind wieder zwei neue dazugekommen: Denn als bislang einziger Autohersteller setzt Mazda in Norwegen zwei Sportwagen vom Typ RX8 mit Wasserstoff-Wankelmotor ein.

Während die meisten anderen Hersteller das Gas in einer Brennstoffzelle in Strom umwandeln und mit dem dann einen Elektromotor speisen, wird der Wasserstoff im Mazda-Wankelmotor direkt verfeuert. Angeblich ist der Kreiskolbenmotor dafür besser geeignet als ein Aggregat mit Hubkolben. "Eine Brennstoffzelle ist zu teuer und zu anfällig, insbesondere bei tiefen Temperaturen", sagt Mazda-Projektleiter Akihiro Kashiwagi. "Außerdem kann man einer Brennstoffzelle nicht per Reservekanister einen anderen Kraftstoff zuführen." Dem Mazda-Prototypen aber durchaus, denn falls der saubere Sprit zur Neige geht, fährt das Auto auf Knopfdruck mit Benzin weiter. Bei derzeit noch weniger als 200 Wasserstoff-Tankstellen weltweit ist das kein unwichtiges Argument.

Im Wasserstoffbetrieb röchelt der Motor auffällig

So sehr Olsen die Alltagstauglichkeit seines Zukunftsautos auch lobt - an Bord des Prototypen muss man durchaus ein paar zu verkraftende Abstriche hinnehmen. Die Leistung des Wankelmotors sinkt von serienmäßig 192 auf 109 PS im Wasserstoffbetrieb. Außerdem klingt der sonst so sonore RX8 mit dem sauberen Kraftstoff ziemlich rachitisch. Und der 105 Liter Wasserstoff fassende Hochdrucktank ist so groß, dass kaum noch Platz im Kofferraum bleibt.

In Europa sind die beiden weißen Autos aus Oslo die einzigen Wasserstofffahrzeuge von Mazda. In Japan jedoch hat das Unternehmen vor wenigen Tagen eine Testflotte lanciert, die noch einen Schritt weiter geht. Im Mazda 5 etwa wird der Wasserstoff-Wankel mit einem Elektromotor samt Lithium-Ionen-Akku kombiniert - so dass ein serielles Hybridfahrzeug entsteht. Das bedeutet: Der Verbrenner hat mit dem Vortrieb nichts zu tun. "Den Antrieb übernimmt stets der Elektromotor", sagt Projektleiter Kashiwagi, "der Wankelmotor hingegen erzeugt den zum Fahren nötigen Strom".

Ein Auto voller Hightech-Komponenten

Das Fahrgefühl im Mazda 5 mit diese Technik ist dem eines reinen Elektroautos sehr ähnlich. Der Wagen startet flüsterleise und mit dem typisch hohen Drehmoment eines Elektroautos. Erst nach ein paar Kilometern oder einem beherzten Tritt aufs Gaspedal schaltet sich mit einem ähnlich ungewöhnlichen Geräusch wie im RX8 der Wasserstoff-Verbrenner zu und treibt den Generator an. Mit den 105 Litern Wasserstoff im Tank schafft das Auto rund 200 elektrisch gefahrene Kilometer. Und weil zudem 25 Liter konventioneller Sprit an Bord sind, liegt die Gesamtreichweite bei circa 600 Kilometern.

"Das Auto eröffnet uns ein Blick auf die Zukunftstechnologien", sagt Mazda-Forschungschef Seita Kanai. Auf dieser Basis könne man mit größeren Akkus auch ein Plug-In-Hybridfahrzeug oder ein Elektroauto darstellen. Oder man tauscht den Wankelmotor gegen eine Brennstoffzelle. "So sind wir offen für alle Möglichkeiten." Die Offenheit kann Mazda vielleicht bald brauchen. Denn mit der direkten Verbrennung von Wasserstoff ist die Marke mittlerweile allein auf weiter Flur. Selbst der bislang eifrigste Mitstreiter BMW drosselte das Engagement merklich. Kein Wunder: Seit dem Generationswechsel des BMW 7ers wirkt der Wasserstoffwagen Hydrogen 7 auf Basis des alten BMW 7ers buchstäblich veraltet. Von einer Neuauflage des Modells ist jedenfalls keine Rede.

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