Sonntag, 18. August 2019

Elektroauto E3 Vorsprung durch Strom

Prototyp auf Probefahrt: Der insolvente Autozulieferer Karmann und der Energiekonzern EWE stellen ein gemeinsam entwickeltes Elektroauto vor. Der E3 soll 2012 in Serie gehen.

Bremen - Der insolvente Osnabrücker Autozulieferer Karmann und der Oldenburger Energiekonzern EWE haben am Dienstag das gemeinsam entwickelte Elektroauto E3 offiziell vorgestellt. Das Fahrzeug komme angesichts des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen genau zum richtigen Zeitpunkt, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) in Bremen, wo ein Prototyp für eine Probefahrt bereit stand. "Wir brauchen wie bei der Windenergie und der Biomasse den Technologievorsprung." Der E3 soll Strecken von rund 170 Kilometern zurücklegen können und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde erreichen.

Karmann soll für EWE zunächst acht bis zehn Elektroautos produzieren, mit denen der Energieversorger vor allem deren Einbindung in das Stromnetz erforschen will. Karmann hofft dagegen, ein neues Geschäftsfeld erschließen zu können. In den nächsten zwei Jahren müssten Grundsatzfragen geklärt werden, sagte Sprecher Christian Eick. "Es reicht nicht, ein bestehendes Auto zu nehmen und den Motor einfach durch eine Batterie zu ersetzen." 2012 könnte die Serienproduktion beginnen.

Der traditionsreiche Autozulieferer Karmann hatte in diesem Jahr Insolvenz angemeldet. Für den E3 bestehe jedoch keine Gefahr, versicherte Eick. Die neu gegründete Tochter Karmann E-Mobil GmbH sei unabhängig vom desolaten Mutterunternehmen. Nach Angaben des EWE-Vorstandsvorsitzenden Werner Brinker denkt der Konzern zurzeit darüber nach, bei Karmann eine Flotte von 100 bis 200 Elektroautos zu bestellen. Einige Firmen hätten bereits Interesse angemeldet. Der Verkaufspreis des E3 solle langfristig bei 35.000 bis 40.000 Euro liegen. "Die ersten Prototypen sind aber noch teurer."

Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen bringen. Die Autobranche geht trotz finanzieller Anreize aber davon aus, dass der Verbrennungsmotor in den nächsten 15 bis 20 Jahren weiter eine dominante Rolle spielen wird. Nach einer VW-Prognose erreichen reine Elektroautos im Jahr 2020 einen Marktanteil von nur 1,5 Prozent.

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