Tokio Motor Show Japaner unter sich

Das wäre ihre Chance gewesen: Nachdem fast alle europäischen Marken die Tokio Motor Show abgesagt haben, hätten die Japaner in der Heimat groß auffahren können. Doch stattdessen zeigen auch sie sich verschreckt - der Gang durch die Makuhari-Hallen enttäuscht.

Tokio - Viel mehr als der Blick auf eine glorreiche Vergangenheit bleibt zur Eröffnung der 41. Motorshow in Tokio diesmal nicht. Denn die bis dato wichtigste Automesse in Asien, die in den letzten Jahren stets ein Brennpunkt von Inspiration und Innovation war, ist in Zeiten der Krise offenbar auf dem absteigenden Ast und droht zum Detroit des Osten zu werden.

Schlimm genug, dass bis auf ganz wenige eher nebensächliche Ausnahmen alle ausländischen Hersteller abgesagt haben. Aber statt die Schwäche der Gegner für einen fulminanten Heimsieg zu nutzen und den zaghaften Aufschwung am danieder liegenden Binnenmarkt voranzutreiben, üben sich auch die Gastgeber in fast schon verschreckter Zurückhaltung. Wo früher noch dutzende Studien und Showcars standen, muss es nun mit weniger oder gar keinen Visionen gehen, die Hundertschaften der Hostessen wurden ausgedünnt, die Stände sind geschrumpft und die Trutzburgen der Messebauer fallen durchweg eine Nummer kleiner aus.

Die Ausrichter der Motorshow viel Mühe gegeben, um die Leere zu kaschieren. So wurden die Motorräder nun endlich in die Haupthalle geholt, die Zulieferer durften sich etwas weiter ausbreiten, und zwischen den einzelnen Ständen ist jetzt sogar Platz für ein Mal- und Bastelstudio, eine Ausstellung von Kinderbildern zur automobilen Zukunft, eine Spiellandschaft für Modellautos und drei, vier museale Sonderschauen mit jeweils mehr Autos als auf jedem Markenstand. Doch selbst das kann die Tristesse in Tokio kaum verbergen. So viel leeren Teppich gab es auf einer Autoschau nur selten zu sehen - regionale Messen wie die AMI in Leipzig, die Messen in Bologna und Barcelona eingeschlossen.

Trotzdem werden natürlich eine Handvoll neuer Autos gezeigt, von denen einige sogar durchaus europäische Perspektiven haben. Und wie überall geht es selbstredend auch in Tokio vor allem um Elektro- oder zumindest Hybridantriebe, mit denen die Straßen künftig sauberer werden sollen. Das größte Rad dreht dabei nicht Marktführer Toyota, sondern Herausforderer Nissan, der fast doppelt so viel Standfläche gebucht hat. Dort enthüllt Carlos Ghosn jetzt zum ersten Mal vor großem Publikum das Elektroauto Leaf, das vom kommenden Jahr an als erster alltagstauglicher Stromer in Serie gehen und auch nach Europa kommen soll.

Sportler im Smoking

Der etwas verquollene Fünftürer ist zwar mit Abstand das wichtigste aber nicht das einzige Öko-Auto, dessen Weg bald zu uns führt. Eine halbe Halle weiter dreht sich bei Honda der Hybridsportler CR-Z im Rampenlicht, der zwei Jahre nach dem Debüt der Studie nun fast fertig ist und im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Bis dahin soll sich an dem Zweisitzer nicht mehr viel ändern, verspricht Pressesprecher Alexander Heintzel. "Nur Spiegel und Räder werden noch ausgewechselt."

Dritter im grünen Bunde ist der Toyota Sai, den die Europäer vorschnell als Prius mit Kofferraum abtun. Jedoch hat das Stufenheck nicht nur mehr Platz, sondern auch ein wenig mehr Leistung und würde deshalb gut auf die deutsche Autobahn passen. Doch die Chancen für die Limousine sind bei uns so gering, dass wohl vorher der Auris mit Hybridantrieb hierzulande angeboten wird.

Ebenfalls vergebens warten die Europäer wohl auf Tokio-Premieren wie den seriennahen Daihatsu-Kleinwagen e:S, der es zum Sparwunder unter den Kei-Cars bringen könnte, das neue Suzuki-Flaggschiff Kizashi, das mit rund 4,60 Metern Länge in einer Liga mit dem VW Passat fährt oder den witzigen in Kleinserie gebauten Sportwagen Suzusho. Dagegen ist der neue Lexus LFA fest versprochen - wenngleich sich die Toyota-Schwester nach elf Jahren Entwicklung jetzt noch einmal 18 Monate Zeit für die Produktion lässt. Und auch den Nissan Fuga wird man nicht nur in Hiroshima, sondern in Hildesheim sehen können. Dann allerdings trägt das Fünf-Meter-Flaggschiff das Logo der noblen Schwester Infiniti und das Typkürzel M37.

Sieht man einmal vom 560 PS starken V10-Motor des LFA ab, ist vom klassischen Verbrenner in Tokio kaum mehr etwas zu sehen und erst recht nichts zu hören. Eine der wenigen Ausnahmen macht da Mazda. Weil die Ingeniere den Fortschritt nicht auf die lange Bank schieben und auf ebenso massentaugliche wie bezahlbare Stromer oder Hybriden warten wollen, haben sie noch einmal Hand an Benziner und Diesel gelegt und auf der Messe ihre neuen "Sky"-Motoren präsentiert. Mit Turbo, Direkteinspritzung und optimiertem Brennverfahren sollen sie ab 2011 einen Verbrauchsvorteil von bis zu 20 Prozent ermöglichen.

Zwar sind die Japaner auf der Motorshow in Tokio diesmal beinahe unter sich, und Autos wie den Mercedes SLR oder die S-Klasse sieht man nur als Prüfung für die geschmackliche Toleranz wild verbastelt und schrill lackiert bei ein paar einheimischen Tunern. Doch einsam in der Fremde hat Alpina sogar eine kleine Weltpremiere mitgebracht. Denn nachdem der Allgäuer BMW-Veredler auf der IAA nur den kurzen Siebener dabei hatte, steht hier zum ersten Mal auch die Langversion des Sportlers im Smoking.

"Das waren wir unseren Kunden einfach schuldig", sagt Verkaufsleiter Günther Schuster. "Wir sind jetzt 30 Jahre auf dem Markt, haben gerade das 30.000. Auto verkauft und hier so viele Erfolge gehabt, dass wir die japanischen Kunden nicht verprellen wollen", sagt der deutsche Manager und freut sich auf die vielen Interessenten, die er zur Messe eingeladen hat. "Wenn wir unseren Stand storniert hätten, wären die sicherlich enttäuscht", ist Schuster überzeugt. Was die Kunden von BMW, Mercedes, Audi oder Porsche denken dürften, das will er mit Rücksicht auf die Kollegen lieber nicht sagen.

Tokio Motor Show: Fröhliche Autozwerge Tokio Motor Show: Kleinstwagen und Freiflächen

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.