GM-Projekt "Bare Necessities" Simplify your car

Mobiltelefone, mit denen man ausschließlich telefonieren kann. Taschenmesser, die einfach nur schneiden. Autos, die nichts können außer fahren - Produkte könnten so einfach sein. General Motors, von der Krise zurechtgestutzter Autogigant, denkt plötzlich radikal einfach und präsentiert zwei spektakuläre Designentwürfe.

Hamburg - "Bare Necessities" heißt das Projekt, übersetzt etwa: nur das Nötigste. Nach diesem Prinzip, Autos auf ihre Essenz zu reduzieren, hat nun eine Gruppe von Designern und Entwicklern beim amerikanischen Autokonzern General Motors (GM)  zwei Fahrzeuge entwickelt, die klipp und klar "Bare Necessities Truck" und "Bare Necessities Car" heißen.

Die Reduktion des Hightech-Apparats Automobil auf ein möglichst simples und rudimentäres Gerät ist fast schon wieder spektakulär. "Ich glaube, die Menschen wollen wirklich, dass wir ein solches Auto auf die Straße bringen", sagt Wade Bryant aus dem GM-Designlabor.

Der konsequente "Weniger ist mehr"-Ansatz entstand bei der Entwicklung des kommenden Elektroautos Chevrolet Volt. Dabei stellten die Marktforscher von GM nämlich fest, dass das gängige Stereotyp vom Ökoautokäufer als eines optisch und technisch eher uninteressierten, dafür aber stark umweltbewegten Menschen eine Schimäre ist. "Es gibt nicht den grünen Kunden", sagt Bryant, "und deshalb gibt es auch nicht das Ökoauto, das allen Ansprüchen gerecht wird."

Diese Erkenntnis war für die GM-Entwickler offenbar so unerwartet, dass sie mehr wissen wollten. Und so betrieb der Konzern, der in den vergangenen Jahren eine fast schon autistische Autoentwicklung betrieb und die Neuwagen immer öfter an den Bedürfnissen der Kundschaft vorbei konstruierte, eine breit angelegte Konsumentenforschung. "Dieser direkte Dialog mit den Kunden war neu für uns", sagt Bryant.

Weniger Bauteile, schlichtere Technik, simple Bedienung

Offenkundig aber ergab sich daraus ein frischer Ansatz, um Fahrzeuge zu bauen. Es sei nämlich durchaus so, erklärt ein Beteiligter am "Bare Necessities"-Projekt, dass viele Menschen bereit seien auf viele Details eines Autos zu verzichten, wenn die wesentlichen Eigenschaften unverändert bleiben und zugleich die Wirtschaftlichkeit des Wagens deutlich zunimmt. So entstand zum Beispiel ein Pickup.

"Dass ausgerechnet auch ein Pickup als grünes Auto gewünscht wurde, hätte ich nie für möglich gehalten", sagt Bryant. Jetzt aber ist er auf diesen Prototypen besonders stolz. Der kompakte Minilaster hat nämlich ein variables Mittelteil, so dass die Kabine entweder um eine zweite Sitzreihe erweitert oder durch Umklappen dieses Parts die Ladefläche erweitert werden kann.

"Pure Größe zählt nicht mehr", hat auch Designerin Therese Tant erkannt. "Die Leute möchten effiziente Autos, die trotzdem ihren Job erfüllen." Neben dem Pickup wurde auch ein Kompaktwagen nach dem "Bare Necessities"-Prinzip gebaut. Weil die Kundengespräche ergeben haben, dass zahlreiche Autofahrer wohl tatsächlich bereit sind, auf einige Annehmlichkeiten zu verzichten, wenn nur der Verbrauch und damit die Betriebskosten sinken, wurde auch dieser Prototyp vehement abgespeckt und entschlackt.

Zugleich wurde die Zahl der Bauteile drastisch reduziert, um auch die Anschaffungskosten im grünen Bereich zu halten. Denn - auch dies ein Ergebnis der zahlreichen Befragungen: Nicht für alle ökologisch Interessierten ist ein effizientes Auto ein Prestigeprodukt zur Imagepolitur. Manche wollen tatsächlich einfach Sprit sparen, ohne dafür gleich beim Kauf drauflegen zu müssen.

Noch sind die "Bare Necessities"-Modelle im Projektstadium, doch es könnte sein, dass GM mit diesen Typen die Wende schafft zu einem Hersteller, der sich wieder neu darauf besinnt, worauf es wirklich ankommt im Automobilgeschäft.

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