Montag, 27. Mai 2019

Fisker Karma Flüsterleise Sparflunder

Schnell fahren mit gutem Gewissen - für Henrik Fisker ist das kein Widerspruch. Mitten in der Krise baut der Däne einen elektrisch angetriebenen Luxusliner und kann sich vor Bestellungen angeblich kaum retten. Auch auf deutschen Straßen soll der Stromer bald zu sehen sein.

Frankfurt am Main - Henrik Fisker ist es leid: "Früher wurde man noch bewundert, wenn man in einem Sportwagen durch die Innenstadt fuhr. Doch jetzt recken dir im Porsche oder Ferrari immer weniger den Daumen entgegen", hat der dänische Designer beobachtet. "Damit fällt ein wesentliches Kaufkriterium für Luxusfahrzeuge weg." Schließlich bestellt die Hautevolee ihre Boliden nicht nur aus Freude am Fahrspaß, sondern auch weil sie bewundert werden will.

Bald können passionierte Schnellfahrer statt Kritik wieder gutes Karma einfahren. Denn in wenigen Monaten bringt Fisker seinen gleichnamigen Luxussportwagen an den Start: 4,99 Meter lang, 403 PS stark und so scharf gestaltet wie eine Mischung aus Lamborghini Gallardo und Maserati Quattroporte. Und sauber ist das Auto auch. Möglich macht das ein sogenannter Plug-in-Hybrid, bei dem die Räder ausschließlich von zwei Elektromotoren angetrieben werden. Sie haben zusammen 403 PS und werden gespeist aus einem Lithium-Ionen-Akku, der im besten Fall für 80 Kilometer reicht. Im so genannten Stealth-Mode als flüsterleiser Tarnkappenbomber beschleunigt der Karma damit in etwa 7,2 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 153 km/h.

Wem das zu langsam ist, der wechselt in den Sport-Mode und startet damit einen 260 PS starken Vierzylinder-Turbo, den Fisker aus dem Opel GT entliehen hat. Der dient allerdings nicht dem Vortrieb, sondern treibt allein einen Generator, der zusätzlichen Strom erzeugt und damit wie ein Booster wirkt. Den Sprint schafft Fisker so eine Sekunde schneller, und die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 200 km/h. Somit dient der Benziner - ähnlich wie beim Opel Ampera - als sogenannter Range Extender: Konstant im effizientesten Betriebspunkt aktiv, macht er aus dem Sprit im Tank Strom für 483 Kilometer und kommt so auf einen CO2-Ausstoß, bei dem die konventionellen Sparer fast schon wieder zu Stinkern werden: nur 83 g/km stößt die Flunder aus und ist mit 3,5 Litern sparsamer als ein Polo Blue Motion oder ein Honda Insight.

Erfahrung ist nötig

Visionen wie diese hört man oft in den vergangenen Monaten. Nur entpuppen sich viele der Saubermänner leider oft als Eintagsfliegen, die über den Prototypen kaum hinauskommen. Egal ob Hotzenblitz, Mindset oder Loremo - auf dem Weg in die Serie geht vielen Erneuerern irgendwann das Geld aus. Das wundert Fisker nicht: "Da haben sich schon viele verschätzt", warnt der Designer. "Einen Prototypen hat man schnell zusammen. Doch man bringt leichter eine Rakete ins All als ein neues Auto auf die Straße", sagt er mit Blick auf Zulassungshürden, Dauererprobung oder Crashtests. "Ohne Erfahrung in der Autobranche geht das einfach nicht", ist er überzeugt.

Für die Weiterentwicklung des Karma und ein zweites Projekt, das unter dem Arbeitstitel Nina ein günstigeres Hybridauto entwickeln soll, hat Fisker nun in Amerika Staatskredite in Höhe von 528 Millionen US-Dollar erhalten.

An Erfahrung mangelt es Fisker nicht. Schließlich hat er schon bei BMW oder Aston Martin gearbeitet und dort Autos wie den Z8 und den DB9 entworfen. Und kompetente Partner hat er auch: Die Komponenten kommen von namhaften Zulieferern, und gebaut wird der Karma bei Valmet in Finnland, wo Porsche auch den Cayman fertigen lässt.

Die Rechnung scheint aufzugehen: Immerhin hat Fisker schon rund 1500 Vorbestellungen samt einer Anzahlung auf seinem Schreibtisch liegen, von denen rund zehn Prozent auch aus Deutschland kommen. Bevor im Sommer die Auslieferung des rund 92.000 Euro teuren Autos beginnt, baut er deshalb jetzt ein Vertriebsnetz auf, das in Europa rund 50 Stützpunkte haben soll. "Später können es aber auch doppelt so viel werden", stellt er in Aussicht. Denn beim Karma soll es nicht bleiben: Schon auf dieser Plattform zeigt Fisker bereits den Entwurf für ein Cabrio und hat noch eine weitere Modellvariante im Kopf. Und parallel dazu entsteht eine zweite Baugruppe, für die ebenfalls drei Varianten vorgesehen sind. Statt 15.000 Autos im Jahr will Fisker damit dann 100.000 Fahrzeuge bauen, die jeweils um 40.000 US-Dollar kosten sollen.

Mit dieser Erfolgsgeschichte ist der Däne nicht allein. Schon vor ihm ist das auch den Kollegen von Tesla gelungen. Das Start-up-Unternehmen hat mit dem zum Stromsportler Tesla Roadster umgerüsteten Lotus Elise den Elektro-Boom erst losgetreten und ist ebenfalls auf Wachstum programmiert. Die ersten paar hundert Autos sind verkauft, und vor ein paar Tagen wurde in München ein erster Tesla-Shop auf dem Kontinent eröffnet. Wie Fisker will auch Tesla expandieren und plant deshalb eine große Limousine. Dieses Modell S mit Reichweiten von 160, 230 oder 300 Meilen soll Ende 2011 in Serie gehen. Je weiter das Unternehmen wächst, desto mehr verliert es allerdings seine Eigenständigkeit und die Rolle des Querdenkers. Nicht umsonst hat sich mittlerweile sogar Daimler an Tesla beteiligt.

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