Frankreich auf der IAA Alles auf Zukunft

Die großen japanischen Hersteller fehlen, aus Italien gibt es keine Überraschungen, und die angeschlagenen schwedischen Marken sind kaum der Rede wert. Neben deutschen Herstellern punkten auf der IAA deshalb vor allem Citroën, Peugeot und Renault - mit völlig unterschiedlichen Autos.

Frankfurt am Main - Charmante Familienautos und pfiffige Kleinwagen - dafür sind die französischen Hersteller bekannt. Doch auf der IAA geben sie sich dieses Mal ausgesprochen innovativ. Kein anderes europäisches Unternehmen macht etwa derart konkrete Ansagen zum Elektroauto wie Renault: In zwei Jahren soll die Serienfertigung beginnen, bereits 2012 soll eine ganze Palette von Strommodellen am Start stehen. Die Gegenwart blendet Renault auf der IAA - bis auf eine 250 PS starke Sportversion des Mégane und das spießige Stufenheckauto Fluence - fast vollständig aus.

Am dichtesten an der Serienfertigung ist der elektrische Fluence im Format des VW Jetta, mit dem ab 2011 die Flottenprojekte mit dem Elektro-Mobilitätsunternehmen Better Place in Israel und Dänemark beginnen sollen. Und auch für den Kangoo ZE gibt es bereits grünes Licht. Beide Fahrzeuge haben einen Elektromotor mit 95 PS, schaffen 140 km/h und verfügen über einen Lithium-Ionen-Akku mit Saft für bis zu 160 Kilometer Reichweite.

Den gleichen Antrieb installiert Renault auch in der Studie Zoe, die allerdings weiter in die Zukunft weist. Gezeichnet wie ein Clio für das Jahr 2020, steckt das sportliche Coupé voller schlauer Ideen, etwa einer mit Solarstrom gespeisten Klimaanlage. Die reinigt und temperiert nicht nur die Innenraumluft, sondern befeuchtet sie auch.

Futuristische Konzepte für den Stadtverkehr

Noch mehr Futurismus gibt es bei dem Konzeptmodell Twizy. Der Zweisitzer - im Grunde ein vierrädriger Roller mit Dach, soll nach dem Willen von Konzernchef Carlos Ghosn den urbanen Verkehr revolutionieren und knatternde Roller und Mopeds aus den Innenstädten verdrängen. Natürlich fährt auch der Twizy elektrisch, allerdings reichen dem Motor des Kleingefährts 20 PS, und eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h ist ebenfalls genug. Die Reichweite beträgt 100 Kilometer.

Nach ähnlichem Muster wie der Twizy ist der Peugeot BB1 konzipiert. Lediglich 2,50 Meter lang, aber dafür so breit wie ein konventioneller Kleinwagen, bietet diese Studie sogar vier Sitzplätze. Das gelingt, weil die Peugeot-Techniker die Batterie in den Unterboden und die beiden Elektromotoren in die Radnaben gesteckt haben. Mit 20 PS sei der Wagen im Stadtverkehr flott unterwegs, beschleunige binnen 2,8 Sekunden auf Tempo 30 und danach in weiteren vier Sekunden auf 60 km/h, heißt es bei der Löwenmarke.

Zur Höchstgeschwindigkeit gibt es keine Angabe, die Reichweite soll 120 Kilometer betragen und bis zu 855 Liter Stauraum (bei umgeklappten Rücksitzen) gibt es auch noch. Obwohl der BB1 mit der negativ geneigten Frontscheibe und dem schrägen Dach aussieht wie ein Smart nach dem Sturz vom obersten Parkdeck, dürfe man sich von der unkonventionellen Form nicht über die Ernsthaftigkeit der Idee hinweg täuschen lassen, sagt Peugeot-Sprecher Bernhard Voss. "Eine Serienfertigung wird intensiv diskutiert."

Französische Offensive gegen Audi und VW

Das könnte ein gutes Omen sein. Denn diese Formulierung wählten Peugeot-Offizielle auch vor einiger Zeit bei der Studie des Sportcoupés RCZ, dass auf dieser IAA zwei Drehteller weiter als Serienmodell rotiert. Im kommenden Jahr kommt das Auto auf die Straße als französische Alternative zum Audi TT. Auch an anderer Stelle möchte Peugeot den VW-Konzern bedrängen, nämlich mit dem nagelneuen, siebensitzigen Kompaktvan 5008, der als Rivale des VW Touran antritt. Zudem verkündet Peugeot selbstbewusst die Premiere des ersten Diesel-Hybrid-Modells, das Anfang 2011 in Serie gehen soll.

Citroën zeigt allem im Kleinwagensegment reichlich frisches Blech. Im Umfeld von VW Polo & Co. mischt die Marke künftig mit einer Doppelspitze mit: Der neue Kleinwagen C3 tritt als eher klassisches Auto auf, die von diesem Modell abgeleitete Variante DS3 gibt dagegen den Charmeur für die Lifestyle-Kundschaft. Mini und Alfa Mito werden von Citroën als Konkurrenten genannt.

Was noch fehlt zum kleinen Glück, wäre ein neues Cabrio im Stil der legendären Ente - und voilà: als Überraschung enthüllte Citroën in Frankfurt die Designstudie Revolte, die genau das werden könnte. Der keck gestylte Flachmann mit weißem Lederfaltdach, Portaltüren und Loungeausstattung gehört zu den tollsten Ideengebern dieser IAA.

Die Franzosen ernten mit diesem prallen Programm Anerkennung und Respekt - allerdings sind ihre Zukunftsvisionen eng an die jeweiligen Partner aus Fernost gekoppelt. Die Stromer von Renault nutzen die Technik der Konzernschwester Nissan, und der bei Peugeot als serienreifer Elektro-Kleinwagen ausgestellte i-On ist ein verkleideter Mitsubishi i-MiEV. So sind die IAA-Fernbleiber Nissan und Mitsubishi durch ihre Partner indirekt dann doch auf der Autoshow vertreten.

Französische IAA-Premieren: Liberté, Fraternité, Electricité

Übersicht: Die Neuheiten auf der Internationalen Automobilausstellung

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