Devon GTXD Brachialsportler mit Viper-Genen

Verkaufen, weiterentwickeln, einstampfen? In der Autokrise geriet die Dodge Viper beinahe unter die Räder, die Zukunft des Kultmodells scheint ungewiss. Einen Lichtblick gibt es: Die kleine kalifornische Tuning-Schmiede Devon liefert eine aufgefrischte Version des Brachial-Sportwagens.

Los Angeles - In schwierigen Zeiten muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren. General Motors ließ deshalb Marken wie Pontiac oder Saturn sterben und stieß Saab sowie Hummer kurzerhand ab. Bei Chrysler stand die Viper auf der Kippe. Dieser urtümliche Supersportwagen mit dem herben Charme von Bourbon-Whisky ist dank eines 8,4 Liter großen Zehnzylindermotors mit 600 PS zwar eine US-Autoikone, doch läuft er weitgehend isoliert vom normalen Produktprogramm, bindet Ressourcen, bringt kaum Gewinn und bräuchte dringend eine Auffrischung.

Weil die Entwicklungskosten hoch wären und die Jahresproduktion mit aktuell 2000 Viper-Exemplaren sehr gering ist, hatte Chrysler Marke und Modell bereits im Frühsommer zum Verkauf ausgeschrieben. Mit dem Einstieg von Fiat ist das Thema nun erst einmal vom Tisch. Ohnehin gab es angeblich nur einen Bieter: Das kalifornische Unternehmer Scott Devon.

Devons Engagement kam nicht von ungefähr. Der Geschäftsmann aus Los Angeles arbeitet zusammen mit einem kleinen Team an einem eigenen Supersportwagen, für den viele Viper-Komponenten willkommen gewesen wären. Der Deal kam nicht zustande, gleichwohl ist der Sportwagen Devon GTX fast fertig und erregt bereits Aufsehen in der Vollgasszene. 650 PS garantieren extremen Vortrieb und die Jahresproduktion von 36 Fahrzeugen eine hohe Exklusivität - ebenso wie der Preis. Exakt 500.000 Dollar müssen Käufer überweisen, wenn im Frühjahr 2010 die Auslieferung beginnt. Gebaut werden soll der Sportler mit Hilfe der Aria Group, einem Dienstleister für Designstudios, der bislang vor allem Studien und Prototypen für Automessen auf die Räder stellte.

Altbekannter V10-Motor mit extra Pep

Für Devon ist das rassige Coupé nicht weniger als "the next great American supercar". "Wir haben uns vorgenommen, ein Auto mit amerikanischer Quintessenz zu entwerfen. Und zwar in Form und Fahrleistungen", sagt Devon. Tatsächlich sieht die Karbonflunder rassig und extrovertiert aus. Die Türen schwingen auf wie die Flügel eines Maikäfers. "Schon im Stand erzählt der GTX eine Geschichte von Kraft, Handling und Schönheit", gerät der Chef ins Fabulieren. "Sobald man ihn startet, wird diese Story wahr und das Herz beginnt zu rasen."

Als Schrittmacher dient dem Zweisitzer der V10-Motor aus der Dodge Viper, der bei Devon aufgepeppt wurde, und nun 650 PS leistet. Zwar bleiben die Verantwortlichen weitere Messwerte zu den Fahrleistungen noch schuldig, doch mit einem im Rennsport erprobten Sechsgang-Getriebe, einem von Profis abgestimmten Fahrwerk und einer ausgefeilten Aerodynamik sollte der GTX der Viper davon fahren können. Schon die schafft es in 3,7 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 326 km/h.

Die Männer hinter dem Projekt sind allesamt keine Neulinge. Firmenchef Scott Devon handelt zwar mit Tiefkühlkost und Immobilien. Doch der schwedische Designer Daniel Paulin, der zur verlockenden Karosserie ein ebenso schlichtes wie sportliches Interieur mit Schalensitzen aus Karbon, einem Speichenlenkrad im Stil des alten Ford Mustang und einem wunderschönen Retro-Schaltstock zeichnete, stand schon in den Diensten von Ford und hat dort etwa den aktuellen C-Max entworfen. Die technische Entwicklung leitet ebenfalls ein ehemaliger Ingenieur von Ford, und für die Abstimmungs- und Testfahrten hat Devon den Le-Mans-Sieger Justin Bell engagiert.

Neue Supersportwagen wie den Devon GTX gibt es viele, und dank Programmen wie Photoshop geistern fast täglich neue Entwürfe durchs Netz. Doch Devon kann deutlich mehr bieten als Computersimulationen und bunte Bildchen: Zumindest zwei Autos standen vor wenigen Tagen auf der Rampe beim legendären Concours d'Elegance in Pebble Beach. Um deren Fahrtüchtigkeit zu beweisen, wurde einer der Wagen kurz vor der Premiere über die benachbarte Rennstrecke von Laguna Seca gejagt. Mit Erfolg: Der Devon GTX stellte dabei einen neuen Rundenrekord auf.

Devon GTX: Die flotte Flunder in Bildern

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.