Dienstag, 12. November 2019

Oldtimer-Rennen Bugatti am Berg

Die Kasseler Berge - ein Autobahnabschnitt der A7 - sind berüchtigt für die sogenannten Elefantenrennen der Lkw. Es gibt aber auch richtigen Motorsport dort. Alle zwei Jahre findet ein Oldtimer-Bergrennen im Park Wilhelmshöhe statt. Jetzt ist es wieder so weit.

Kassel - Dies ist der größte Bergpark Europas und ein heißer Kandidat für einen Platz auf der Unesco-Weltkulturerben-Liste. Früher stand der grüne Hügel am Fuß des Kasseler Herkules weniger für Ruhe und Beschaulichkeit, als für röhrende Motoren, quietschende Reifen und Raserei. Denn lange bevor die internationale PS-Elite ihre Meisterschaften auf der Avus in Berlin oder dem Nürburgring ausfuhr, jagte sie beim Bergpreis von Kassel dem Herkules entgegen.

Von 1923 bis 1927 startete hier alles, was Rang und Namen hatte: Rudolf Caracciola, Karl Kappler, Carl Jörns und Fritz Rosenberger waren die Stars auf der bis zu 18 Prozent steilen Stichstrecke. Erst als die Zuschauer mehr zu Rundstreckenrennen pilgerten, kehrte im Bergpark Wilhelmshöhe Ruhe ein.

"Nach dem Krieg wurde das Bergrennen zwischen 1951 und 1954 noch einmal als Motorradveranstaltung aufgelegt", erinnert sich Motorsport-Enthusiast Heinz Jordan. Und immerhin habe der damalige Mercedes-Sportchef Alfred Neubauer die da schon im Kreis geführte Strecke damals mit drei 300 SLR getestet, ob sie nicht doch für Autorennen taugt. "Aber die nötigen Umbauten waren der Stadt wohl zu teuer. Und als dann auch noch die Bundesgartenschau in den Bergpark kam, war es mit dem Rennen endgültig vorbei."

Am liebsten sind den Organisatoren alte Originalautos

Doch mehr als 50 Jahre nach dem Abwinken des letzten Rennens haben Privatleute um Heinz Jordan eine Neuauflage durchgeboxt und im Jahr 2005 zum ersten Mal wieder die Startflagge geschwungen. "Da kamen 20.000 Zuschauer an der Strecke", erinnert sich der Initiator. 2007 waren es schon 50.000 Gäste, und wenn an diesem Wochenende die 60 Oldtimer und 30 historischen Motorräder genug Fans locken, könnte der Bergpreis zum bestbesuchten Oldtimerrennen der Republik werden, sagt Jordan stolz.

Zwar dürfen im Prinzip alle Autos mitfahren, die älter als 30 Jahre sind. "Doch wir sortieren das Starterfeld schon", räumt Jordan ein. "Und wir schauen, dass immer auch Originalautos von damals dabei sind." Im Mittelpunkt des diesjährigen Rennens steht die Marke Bugatti, die 2009 ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Aus diesem Grund, und weil Kassel über die französische Partnerstadt Mulhouse gute Kontakte in die Bugatti-Heimat Elsass hat, konnten die Initiatoren ein knappes Dutzend PS-Pretiosen aus der legendären Sammlung Schlumpf loseisen und diese in der Documenta-Halle präsentieren.

"Das kostete viel Überredungskunst und ist eine kleine Sensation", sagt Jordan, "denn in den letzten 50 Jahren haben diese Autos das Museum nie verlassen. Und die allermeisten sind sogar Prototypen und damit Einzelstücke." Kein Wunder, dass Jordan den Wert der Exponate im zweistelligen Millionenbereich taxiert.

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