Mercedes E 350 CDI Coupé Mehr Gefühl

Käufer von großen Limousinen wie der Mercedes E-Klasse gelten als nüchterne Kopfmenschen. Für eher hedonistische Autofahrer schieben die Schwaben jetzt eine handliche Coupé-Variante des neuen Modells nach. Der CLK-Nachfolger soll mit neuem Design und vielen Technik-Extras Gefühl und Effizienz vereinen.

Stuttgart - Mercedes hält das Tempo hoch. Kaum ist die neue E-Klasse auf der Straße, schicken die Schwaben jetzt die Coupé-Version hinterher. Ab Anfang Mai wird der Zweitürer bei den Händlern stehen und den mittlerweile reichlich verstaubten CLK ablösen. Der war bislang technisch mit der kleineren C-Klasse liiert, das neue Coupé allerdings, der Name deutet schon darauf hin, ist eng verwandt mit der E-Klasse. Gesamtfahrzeugentwickler Klaus-Peter Claar begründet das mit einer "Gleichteilequote" von "mehr als 60 Prozent".

Motoren, Getriebe, Fahrwerk, die tragende Karosseriestruktur und die zahlreichen Assistenzsysteme sind bei beiden Modellen - Limousine und Coupé - identisch. So gibt es im Zweitürer nun beispielsweise auch auf Wunsch und gegen Aufpreis eine automatische Verkehrszeichenerkennung, einen Müdigkeitswarner, das Sicherheitssystem Pre-Safe oder das adaptive Fernlicht.

Eigenständig im Coupé sind dagegen weite Teile des größer gewordenen Innenraums mit einem eleganten Armaturenbrett, neuen Sitzen mit Easy-Entry-Funktion inklusive Gurtbringer sowie der Zweier-Sitzbank im Fond. Und neu ist natürlich das Design: Zwischen den künftig eckig angeschnittenen Doppelscheinwerfern prangt wieder der große Coupé-Stern im Kühler.

Sanfter Schwung

Die Seitenlinie lebt vom sanften Schwung des Dachs, den Türen mit dem feinen Chromstreifen um die voll versenkbaren Fenster sowie den vom Ponton-Benz entlehnten Muskelpaketen vor der Hinterachse. Lediglich das Heck mit dem eigenwillig aufgestellten Kofferraumdeckel wirkt deplaziert, ist jedoch ein Tribut an den cW-Wert von 0,24 - der aktuellen Bestmarke für Serienautos.

Mit dem Design hat Mercedes auch das Format geändert: Radstand, Länge und Breite sind zwar gegenüber dem Vorgänger spürbar gewachsen, doch zur Limousine fehlt dem Coupé in jeder Dimension noch eine Handbreit. "Erstens brauchen wir ja die Größendifferenz, um den nächsten CLS dort zu plazieren", sagt Claar. "Und zweitens erreichen wir durch die kompakteren Abmessungen mehr Agilität und Fahrdynamik."

Das kann man erfahren. Das Auto ist die handlichste Version der neuen E-Klasse-Familie - obwohl noch immer nicht so stramm abgestimmt wie etwa ein Audi A5 oder das BMW 3er Coupé. Während die Limousine der perfekte Dauerläufer für die Autobahn ist, lädt das in dieser Motorisierung mit 540 Nm angenehm spritzige Coupé eher zur wechselvollen Landpartie. Mit einem optionalen Fahrdynamik-Paket lässt sich die Agilität noch steigern: Dann kann die Grundstellung der adaptiven Dämpfer verstellt werden und mit ihr auch die Lenkung - und zwar in Richtung Sportlichkeit.

Meßbarer Fahrspaß

Bei der generellen Auslegung vertraut Mercedes nicht nur auf das Fahrempfinden. "Wo andere nur fühlen, wird bei uns gemessen", sagt ein Verantwortlicher und verweist auf eine komplizierte Formel, die den sogenannten Body-Index eines Autos auswirft. Hier wird aus zahlreichen Daten - zum Beispiel in Bezug auf Straßenlage und Handling - ein Indikator ermittelt, der für Sportlichkeit und Dynamik steht - und somit auch für den Fahrspaß. Beim Coupé erreicht er 2,06. Zum Vergleich: Die Limousine kommt auf etwa zwei Zehntel weniger, der Sportwagen SLR dagegen auf neun Zehntel mehr.

Design und Fahrverhalten des Coupés sollen vor allem die Emotionen schüren, doch bleibt das übergeordnete Leitmotiv der Effizienz nicht auf der Strecke. Daimler-Chef Dieter Zetsche hält nur wenig von der aktuellen Stimmungslage, wonach man wenigstens ein schlechtes Gewissen haben müsse, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. "Fahrspaß mit gutem Gewissen ist möglich", entgegnet er. Und verweist dann auf die Motoren, die im besten Fall 36 Prozent an Kraft gewinnen und gleichzeitig 17 Prozent weniger verbrauchen, weil Mercedes auf kleinere Hubräume, Kraftstoff-Direkteinspritzung und Aufladung setzt.

Viele technische Details helfen beim Spritsparen

Auch im Detail gilt ein rigider Sparkurs: bedarfsgerechte Steuerung der Nebenaggregate, Rückgewinnung der Bremsenergie, Leichtlaufreifen und in einigen Varianten eine Start-Stopp-Automatik drücken den Verbrauch auf 5,1 Liter beim Diesel und deutlich unter sieben Litern beim sparsamsten Benziner. Dabei haben die Kunden zunächst die Wahl zwischen zwei Dieseln mit 204 oder 231 PS und drei Benzinern von 204 bis 388 PS. Später folgt unter anderem ein E 200 CGI mit 184 PS. Ob auch AMG sich des Coupés annimmt, ist angeblich noch offen.

Mit dem Wandel vom CLK zum E-Coupé erscheint plötzlich auch der Preis in einem anderen Licht. Zwar hat er sich nominal bei den meisten Varianten kaum verändert, das billigste Modell kostet 44.685 Euro. Der psychologische Trick des E-Klasse Coupés: Weil bislang die C-Klasse-Limousine als Vergleich herangezogen wurde, erschien der Zweitürer stets teurer als das viertürige Modell. Im Vergleich zu E-Klasse-Limousine aber ist das Coupé um rund 4000 Euro billiger. Das dürfte vielleicht sogar nüchterne Kopfmenschen interessieren.

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