Felgendesign Sterne, Schwerter, Schaufeln

Weg vom Einheitslook: Wer sein Auto individueller gestalten möchte, greift gerne zu edlen Felgen. Die neuen Designs sind inspiriert von Samuraiwaffen und Flugzeugtechnik - aber auch das ganz klassische Fünf-Speichen-Modell bleibt aktuell.

Köln - Leichtmetallfelgen gehören zu den beliebtesten Tuningteilen. Wer sein Auto aufmöbeln möchte, kommt um schicke 17- oder gar 20-Zöller kaum herum. Ein bisschen verhält es sich so wie mit der Schuhmode: Alle paar Monate kommen neue Kreationen heraus. Dabei lassen sich die Designer mitunter von recht ausgefallenen Vorlagen inspirieren.

Laut dem Verband der Automobil Tuner (VDAT) in Roßbach/Wied machen Rad-Reifen-Kombinationen 28 Prozent des Umsatzes der VDAT-Mitgliedsunternehmen aus. Damit liegt diese Zubehörkategorie in der Rangliste unangefochten vorn. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Aerodynamikteile und Fahrwerke mit Umsatzanteilen von 15 und 13 Prozent. Motor-, Auspuff-, Audio- und sonstige Komponenten spielen eine noch geringere Rolle.

Zubehörfelgen seien heute ein "Massenphänomen", beobachtet Paolo Tumminelli, Professor für Design an der Fachhochschule Köln. Weil die Herstellung teuer war, boten früher nur wenige Firmen sie als exklusives Zubehör an. Inzwischen sei die Produktion einfacher und billiger, so dass auch das Angebot entsprechend größer ist.

Je größer, desto dynamischer

Auch das Design ist laut Tumminelli vielfältiger geworden. "Leichtmetallfelgen waren früher Markenzeichen", sagt der Experte. Die Autohersteller hatten für ihre Fahrzeuge je eine spezielle Felgensorte im Programm. Die Fuchs-Felge etwa habe es als Standardfelge für den Porsche 911 in der Autowelt zum Kultstatus gebracht. Auch Marken wie Alfa Romeo und Mercedes hatten ein ganz spezielles Felgendesign.

Nach den 1980ern boten die Autobauer für ihre verschiedenen Modelle jeweils auch unterschiedliche Felgendesigns und Felgen in verschiedenen Größen anboten. Neben 15-Zöllern rückten so nach und nach immer mehr 16- oder 17-Zoll-Felgen in die Zubehörkataloge. "Ästhetisch ist es immer wichtig gewesen, dass die Felgen größer aussehen - das wirkt dynamischer", sagt Tumminelli.

Inzwischen sind sogar Felgen in 20 Zoll üblich. "Das ist monströs, ziemlich übertrieben", findet der Designexperte. Zumal damit das Rad oft auch breiter und das Reifenprofil merklich schmaler wurde, was Einbußen beim Fahrkomfort mit sich bringt. Doch letztlich sei diese Entwicklung eine Folge des allgemeinen Trends in der Autobranche zu mehr Größe: "Je fetter die Autos werden, desto fetter sind auch die Felgen."

Inspiriert vom Tarnkappenbomber

Bei den aktuellen Designs fällt dem Experten auf, dass sie dreidimensional gestaltet und oft mit Schmuckelementen oder Lackierungen verziert sind. Zum Teil gebe es recht "wirre Formen", während früher eher einfache, geometrische Designs die Felgenmode bestimmten. "Heute haben wir viele Formen, die technisch keinen Sinn mehr ergeben, aber designerisch mehr auffallen."

Ein Beispiel für diesen Trend ist die Felge Tzunamee der Marke Barracuda Racing Wheels. Sie kombiniert zwei Radstern-Designs, die zusammen zehn Speichen ergeben. Diese verdoppeln sich wiederum nach außen zum Felgenrand hin und sind außerdem abwechselnd schwarz und weiß gestaltet.

Noch markanter fallen die Formen der Dotz-Felgen Shuriken und Hanzo ins Auge: Ihre Speichen sind wie die Zacken eines Ninja-Wurfsterns und die Klinge eines Samurai-Schwerts gestaltet. Das neue Dotz-Modell Touge graphite erinnert dagegen mit seiner asymmetrischen Speichenstruktur und geraden, kantigen Flächen an die streng geometrischen Formen eines Tarnkappenbombers.

Auch an die auf den jüngsten Automessen gezeigten Studien waren Felgen geschraubt, die dem Trend zum Auffallen folgten: Die Räder des Elektro-Sportwagens Quant von Königsegg oder des Spyker-Boliden C8 Aileron etwa erinnerten an die Schaufelblätter einer Düsenjet-Turbine. Eher klassisch muten dagegen Entwürfe an, die an die Felgen von Motorsport-Karossen erinnern sollen - zum Beispiel die neue, schwarz lackierte Mehrspeichenfelge Karizzma von Barracuda.

Allen neumodischen Designspielereien zum Trotz wird es laut Tumminelli wohl auch immer Felgen mit dem "Fünfspeichen-Stern" geben. Dieses "klassische Design" wirke dynamisch, in sich stimmig und verkaufe sich mit am besten. Da ist es kein Wunder, dass sich manche Tuner ganz auf diese Ausprägung konzentrieren. "Basis bei Abt sind immer die fünf Speichen", sagt Florian Büngener, Sprecher des Veredlers aus Kempten im Allgäu. "Hinzu kommen dann die aktuellen Trends." Je nach Mode würden die Speichen der neuen Modelle etwas filigraner, etwas wuchtiger oder auch andersfarbig lackiert.

Felix Rehwald, dpa

Felgendesign: Die neuen Trends in Bildern

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