Audi A4 Allroad Quattro Durchs Gelände bolzen

Der Avant geht ins Gelände: Audi setzt verstärkt auf den Sport Utility Wagon. Nach dem A6 gibt es nun auch den A4 als höhergelegten Allrad-Kombi. Der Ritt auf der Lifestylewelle schlägt sich vor allem im Preis nieder.

Ingolstadt - Solche Szenen kennt man eigentlich nur vor der Präsentation echter Geländewagen: Beeindruckende Staubfahnen wirbeln auf, Schotter fliegt durch die Luft, Matsch spritzt mannshoch und mittendrin im wilden Terrain ein Auto. In diesem Fall jedoch tobte eben kein richtiger Geländewagen über den Truppenübungsplatz nahe Ingolstadt, sondern lediglich ein Kombi mit Allradantrieb. Audi bringt nämlich nach dem A6 Allroad nun auch den A4 Avant im Abenteuer-Trimm und mit dem Namen Allroad an den Start.

Dass der Wagen bei der ersten Ausfahrt eine Schlammpackung erhält, ist Teil einer wohl kalkulierten Strategie. "Nicht jeder hat die Chance, solch ein Auto mal in der Wüste zu bewegen", sagt Audi-Chef Rupert Stadler und schwärmt dann von den Test- und Abnahmefahrten im fernen Namibia.

Auch jetzt, zum Debüt des Wagens in der Heimat, will Audi beweisen, was mit Allradantrieb, kurzen Überhängen, Edelstahlplatten an Front und Heck sowie knapp vier Zentimetern mehr Bodenfreiheit möglich ist. Deshalb dürfen die Autotester den A4 Allroad durchs Gelände bolzen - im Autoalltag wird wohl kein Allroad-Modell solche Eskapaden mitmachen müssen.

Mehr Auto braucht keiner

Die Demonstration zeigt jedoch: Mehr Auto braucht im Normalfall keiner. Ob als Architekt im Matsch einer Großbaustelle, als Almwirt auf dem winterlichen Weg zur Hütte oder als Segler mit Bootsanhänger im Schlepp auf der nassen Uferwiese - wo immer Autofahrer in diesen Breiten die befestigten Wege tatsächlich verlassen müssen, bringt sie der A4 Allroad ans Ziel.

Alles weitere ist, zumindest in Deutschland, in aller Regel ohnehin verboten und überflüssig. Selbst vor dem vermeintlich rustikaleren SUV-Modell Audi Q5 muss sich der Allroad nicht verstecken. Das Geländeauto hat nur zwei Zentimeter mehr Bodenfreiheit, nutzt den gleichen Allradantrieb und käme auf losem Untergrund kaum weiter als der hochbeinige Kombi.

Um die gewünschte Bodenfreiheit zu erzielen, verbauten die Techniker längere Federn und größere Räder. Auf Wunsch lässt sich auch das Drive Select Paket installieren, mit dem man den A4 Allroad auf Knopfdruck komfortabler oder sportlicher trimmen kann; auch die Dynamiklenkung ist verfügbar und ebenso zahlreiche elektrischer Helfer. Zum Verkaufsstart gibt es bei den Dieseln den zwei Liter großen TDI mit wahlweise 143 oder 170 PS sowie eine Sechszylindermaschine mit drei Litern Hubraum und 240 PS. Vorerst einziger Benziner wird ein Zwei-Liter-Turbomotor, der es auf 211 PS bringt.

Offroad-Optik hat ihren Preis

Vor allem in der Kombination mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe macht dieser Vierzylinder eine gute Figur. Er klingt zwar ein wenig rau und ungehobelt, schiebt aber mit bis zu 350 Nm kräftig nach vorn: 6,9 Sekunden braucht er für den Spurt auf Tempo 100 - und Schluss ist erst bei 230 km/h. Mehr Leistung braucht man kaum - zumindest nicht auf Feldwegen und Wiesen.

Die Fahrt mit dem Geländekombi fordert Tribut. Während die vergleichbar motorisierte Straßenvariante 7,6 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, fließen beim Allroad-Modell 8,1 Liter durch die Leitungen. Das ist zwar für ein Auto mit dieser Leistung in Ordnung, sparsam ist das jedoch nicht.

Ab dem Sommer soll es dann doch etwas bescheidener auf die Straße gehen: Audi rüstet alle handgeschalteten Vierzylinder mit einer Start-Stopp-Automatik aus und verspricht 0,2 Liter Verbrauchsvorteil. Die beiden Versionen des Vierzylinder-Dieselmotors sollen dann jeweils 6,2 Liter schlucken. "Das passt in die Zeit", glaubt Audi-Chef Stadler und betont das Understatement, das man mit einem solchen Allrad-Kombi ausdrücken könne.

Zuschlag für optische Retuschen

Um den Allroad vom normalen A4 abzusetzen, mussten die Designer ran. Während die Ingenieure eine etwas weichere Fahrwerksabstimmung austüftelten und den Schleuderschutz ESP um einen automatischen Geländemodus mit mehr Schlupf erweiterten, hatten die Kreativen die Aufgabe, die Abenteuerkluft des Allroad zu schneidern. Vorn und hinten trägt das Auto betont wulstige Stoßfänger, breite Seitenschweller sollen den Lack vor Steinschlag schützen und schwarze Kunststoffleisten zieren die Radkästen.

Außerdem ist der Kühlergrill mit den hervorgehobenen, senkrechten Streben neu, ebenso wie die Dachreling. Der Ritt auf der Lifestylewelle hat einen satten Preis. Obwohl der Allroad nicht mehr ist als ein hochbeiniger A4 Avant mit optischen Retuschen, erheben die Bayern einen Allroad-Zuschlag. Der billigste A4 Allroad wird 37.100 Euro kosten, das ist kein Pappenstiel. Allerdings wird dieses Modell erst ab Herbst lieferbar sein. Wer sich sofort einen Allroad kaufen möchte, muss mindestens 38.950 Euro bezahlen.

Obwohl Audi mittlerweile mehr Geländewagen im Programm führt als die meisten Konkurrenten, glauben die Verantwortlichen immer noch nicht an eine Sättigung der Nachfrage. Im Gegenteil: Vor ein paar Tagen hat Vorstandschef Stadler für 2011 als weitere Allrad-Baureihe das Modell Q3 angekündigt. Gut möglich also, dass von Audi bald schon wieder meterhoch Staub aufgewirbelt wird.

Audi A4 Allroad Quattro: Auf in den Matsch

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