Porsche-Museum Soundduschen im Raumschiff

Eine Kultmarke feiert sich selbst: Nach Volkswagen, Mercedes und BMW hat nun endlich auch Porsche sein eigenes Werksmuseum - einen futuristischen, vorwiegend in glänzendem Weiß gehaltenen Autotempel, der wie ein Raumschiff auf drei Stützen neben der Firmenzentrale parkt.

Stuttgart - Im neuen Porsche-Museum sollen die Sportwagen "hochgehoben" werden, sagt Architekt Roman Delugan aus Wien und gestikuliert mit seinen Händen in der Luft. Der spektakuläre Neubau am Stammsitz des Autobauers in Stuttgart-Zuffenhausen tut dies tatsächlich: Einem weißen Raumschiff gleich schwebt der 140 Meter lange Neubau nur auf drei Stützen.

Doch die Leichtigkeit trügt: Das Porsche-Museum ist rund 35.000 Tonnen schwer. Nicht wegen der rund 80 dort ausgestellten Porsche-Modelle. Sondern wegen der aufwendigen Stahl- und Beton-Konstruktion des Neubaus, der am Dienstag vorgestellt wurde. "Kurz davor war hier der Frauenparkplatz", witzelte Porsche-Sprecher Anton Hunger bei der Vorabpräsentation des Museums.

Entstanden ist ein ähnlich spektakulärer Autotempel wie wenige Kilometer weiter in Untertürkheim bei Daimler. Dort hat das Mercedes- Museum seit Mai 2006 bereits 2,2 Millionen Gäste angelockt. "Es gab keine Verzögerungen", sagt Porsche-Sprecher Anton Hunger, obwohl das Museum ursprünglich 2007 eröffnet werden sollte. Der neue Termin ist der 28. Januar, ab dem 31. Januar können die ersten regulären Besucher das "spektakulärste Bauprojekt in der Unternehmensgeschichte" von Porsche betreten, wie es Hunger nennt.

100 Millionen Euro Baukosten

Zwar seien die ursprünglichen Planungen von einer kürzeren Bauzeit ausgegangen, aber Ende 2005 sei klar gewesen, das die komplizierte Konstruktion mehr Zeit brauche. 100 Millionen Euro Baukosten seien zwar eine "schöne Stange Geld", aber dafür sei auch ein wunderbares Museum entstanden. "Die Kosten halten jedem Vergleich mit einem ähnlichen Bau stand", ist sich Hunger sicher.

Architekt Delugan vom Büro Delugan Meissl sagt, der Entwurf solle nun auch architektonisch zeigen, dass Porsche aus Zuffenhausen komme. Bislang standen am Porsche-Platz im Norden Stuttgarts nur die Unternehmenszentrale und eine Niederlassung der Sportwagenschmiede. Das mit weiß lackierten Aluminiumplatten und einer spiegelnden Unterseite verkleidete Gebäude solle aber zugleich wie ein "Organismus" sein und eine "Symbiose" mit der Umgebung eingehen.

Der Besucher betritt das auch innen fast komplett weiße Museum in einem schmalem Foyer und wird dann mit einer Rolltreppe zur 5600 Quadratmeter großen Ausstellung gebracht. Die beginnt mit dem "Typ 64", einer 1939 von Ferdinand Porsche konstruierten Karosserie für einen Rennwagen, die von Porsche-Lehrlingen für die Ausstellung nachgebaut wurde. Dann geht es chronologisch von den Anfängen des Konstruktionsbüros Porsche und Arbeiten für Mercedes-Benz oder auch den ersten VW Käfer bis zu den aktuellen Modellen wie dem Porsche 911 oder dem Geländewagen Cayenne.

Kantige Architektur für runde Autos

"Die kühle Architektur steht im bewussten Kontrast zu den eher runden Formen der Porsche-Modelle", sagt Hunger. "Die Exponate sollen für sich sprechen", sagt HG Merz, der die Ausstellung gestaltet hat. "Da braucht man nichts zu verpacken, das macht man mit billigen Geschenken." Zwar können die Besucher nicht die schnellen Autos einsteigen und losbrausen, doch die Ausstellungsmacher sind stolz, dass zum einen während des laufenden Betriebs Fahrzeuge herausgerollt und mit einem Aufzug in eine ins Museum integrierte Werkstatt gebracht werden können.

Zum anderen ist das charakteristische Geräusch der 911er und anderer Wagen nachvollziehbar - unter sogenannten Soundduschen, die mit spezieller Technik das Aufheulen und den satten Klang der Motoren demonstrieren.

Hunger ist überzeugt, dass nach dem Mercedes-Benz Museum in Stuttgart-Untertürkheim auch Porsche eine Menge Besucher anziehen werde. Der Autobauer plant zunächst mit 200.000 pro Jahr, die nach dem Porsche-Schauen essen gehen können. Das Museumsrestaurant heißt "Christophorus", nach dem Schutzpatron der Reisenden - auch für solche in einem Porsche.

Johannes Wagemann, dpa

Fotostrecke: Das neue Porsche-Museum

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