Porsche Panamera Der Stretch-911er

Viertürige Sportwagen sind der neueste Autotrend. Kunden, denen ein Cayenne zu klobig und ein 11er zu klein ist, bietet Porsche ab kommendem Jahr den Panamera an. Die Vollgas-Limousine sieht aus wie ein gestreckter 911 Carrera.

Bislang gab es bei Porsche keine Zahl, die wichtiger war als die Elf. Denn sie steht für den 11er, jenen Sportwagen, an dem Wohl und Wehe der schwäbischen Schnellfahrer hängen. Doch nun rückt eine neue Ziffer in den Vordergrund: Vier gewinnt, lautet die Devise, wenn demnächst der vor Jahren schon angekündigte Panamera anrollt. Das Auto ist der erste Viersitzer unter den Stuttgarter Sportwagen (der Geländewagen Cayenne geht beim besten Willen nicht als Rennauto durch). Demnächst also kann Papi mit der ganzen Familie an Bord das Gas durchtreten.

In rund einem Jahr soll der Panamera bei den Händlern stehen. Immer wieder gaben die Zuffenhausener in den vergangenen Monaten einzelne Details, Skizzen oder Daten zum neuen Auto bekannt, nun gibt es die ersten offiziellen Fotos. Sie zeigen einen 4,97 Meter langen Sportwagen mit der Linie eines klassischen Gran Turismo. Die Fond-Türen fallen kaum auf – aber genau sie sind ja das Besondere an diesem Porsche.

Um das sogenannte Überholprestige müssen Panamera-Eigner künftig also nicht bangen. Die Designer haben im Prinzip das bewährte 911-Schema um ein paar Nummer vergrößert. Der schwäbische Hersteller beschreibt das so: "Markante Radhäuser und eine optisch lange Motorhaube modellieren jene typische ... 911-Front, wie sie Porsche-Liebhaber ... schätzen." Bug und Heck nehmen die vertrauten Linien auf, einzig die Flanke setzt mit großen Kiemen hinter den Vorderrädern, der langen Dachlinie und natürlich der hinteren Tür eigene Akzente.

Reichlich Holz, Lack und Leder

Wie Porsche sich den Innenraum eines Reisesportwagens vorstellt, wird noch geheim gehalten – davon gibt bislang keine Fotos. Es wird wohl im Fond zwei deutlich ausmodellierte Sitze statt einer Rückbank geben, außerdem ist die Rede von reichlich Holz, Lack und Leder. Über die Sitzposition sagt Porsche-Sprecher Eckhard Eybl: "Man hat das Gefühl, man sei Teil des Wagens." Im Fond geht es angeblich bequem zu. "Das war eine zentrale Forderung des Vorstandschefs", berichtet Eybl; der groß gewachsene Porsche-Chef Wendelin Wiedeking habe Wert darauf gelegt, auch selbst hinten noch ordentlich sitzen zu können.

Optisch erinnert der Panamera an den Sportler 911, technisch aber ist er ein enger Verwandter des Geländewagens Cayenne. Vom SUV übernimmt er im Wesentlichen die V6- und V8-Motoren mit Benzindirekteinspritzung, die ein Leistungsspektrum von 300 bis 500 PS abdecken. Auf Wunsch gibt es Allradantrieb, und auch der für 2010 angekündigte Hybridantrieb für den SUV soll im Panamera zum Einsatz kommen. Ob auch der Dieselmotor, den der Cayenne demnächst erhält, im sportlichen Flaggschiff unter die Haube kommt, ist noch unklar.

Als die Schwaben vor drei Jahren die Entwicklung des Panamera erstmals bestätigten, war die Idee vom potenten, viertürigen Oberklasse-Coupé noch neu, die Nische noch unbesetzt. Das hat sich mittlerweile geändert. Fast zeitgleich mit dem Panamera starten auch eine Reihe aussichtsreicher Konkurrenten – allen voran der Aston Martin Rapide.

Konkurrenz aus dem eigenen Konzern

Doch die wahrscheinlich schärfste Konkurrenz kommt aus dem eigenen Konzern. Denn bei Audi reift ebenfalls ein viertüriges Oberklasse-Coupé heran, das vermutlich den Namen A7 tragen wird. Und Audi-Tochter Lamborghini überraschte kürzlich mit der viertürigen Studie Estoque, die als Brutalo für die Business-Class angeblich sogar Chancen auf eine Serienfertigung hat.

Es gibt aber auch Wettbewerber, die bereits zurückgezogen haben. BMW zum Beispiel hat in diesen Tagen die Idee von einer viertürigen Sportlimousine wieder begraben. Angesichts der konjunkturellen Abkühlung in Westeuropa und der durch die Finanzkrise verstärkten Kaufzurückhaltung in den USA habe der Vorstand beschlossen, den Gran Turismo nicht zu bauen, bestätigt BMW-Sprecher Dirk Arnold.

Stattdessen würden nun Autos für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens entwickelt – wie das Projekt i, dessen Vorläufer der Mini E ist. Arnold: "Das erfordert auch, wünschenswerte Produktentscheidungen der Vergangenheit neu zu bewerten."

Fotostrecke: Der neue Porsche Panamera

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.