Elektroautos Chrysler unter Strom

General Motors wirbt seit Monaten für das Elektroauto Chevrolet Volt. Jetzt zieht der US-Konzern Chrysler nach. Das Unternehmen kündigt überraschend eine ganze Flotte von Stromern an, die ab 2011 auch in Europa zu kaufen sein sollen.

Auburn Hills - In den letzten Monaten war es verdächtig still bei der Chrysler Group, die nach der Scheidung von Daimler mitunter komatös wirkte und kaum mehr von sich reden machte. Doch jetzt folgt ein Befreiungsschlag: Weil sie sich der Chrysler-Konzern vom Tesla Roadster und vom Chevrolet Volt nicht weiter die Schau stehlen lassen will, wurde ein großspuriger Aktionsplan für elektrische Mobilität vorgestellt.

Größte Überraschung: im Jahre 2010 soll es auch von Chrysler ein Elektroauto geben. Ähnlich wie der Chevrolet Volt startet dieser Wagen zunächst in den USA. Und wie Chevrolet, will auch Chrysler das Elektroauto im Jahr darauf nach Europa bringen.

"Wir haben eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Kunden, umweltfreundliche, kraftstoffsparende und moderne Elektrofahrzeuge anzubieten. Unsere Absicht ist es, dieser Verantwortung schnell gerecht zu werden, und das umfassender als andere Automobilhersteller", sagte Chrysler-Boss Bob Nardelli bei der Enthüllung von drei Prototypen, mit denen die Amerikaner die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten untermauern.

Benzinmotor erweitert den Aktionsradius

Die vor einem Jahr gegründete Umweltabteilung des Konzerns namens "ENVI" hatte bereits im Januar auf der Motorshow in Detroit drei strombetriebene Showcars gezeigt. Nun folgen die ersten fahrfähigen Erprobungsfahrzeuge. Ähnlich wie General Motors baut auch Chrysler nicht allein auf die Kraft von Elektromotoren und die Kapazität von Lithium-Ionen-Akkus.

Um den Kunden die Angst vor der Entfernung zur nächsten Steckdose zu nehmen, planen die Ingenieure eine Art Notstromaggregat: Noch bevor die Energie im Akku zur Neige geht, soll ein kleiner Benzinmotor anspringen, einen Generator antreiben und den Strom für die nächsten Kilometer produzieren. Zwar fährt die Mehrheit der Bevölkerung weniger als 60 Kilometer am Tag und käme daher mit einer Batterieladung problemlos klar, heißt es bei Chrysler. Doch sollen 30 Liter Sprit den Aktionsradius um mehr als 500 Kilometer erweitern und so selbst Langstreckenfahrer unabhängig von Steckdosen und langen Ladepausen machen.

Um die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten zu demonstrieren, haben die Amerikaner den Antrieb in zwei Autos eingebaut, die unterschiedlicher kaum sein könnten. So stromert rund um das Hauptquartier in Auburn Hills jetzt nicht nur ein Chrysler Voyager mit 255 PS und 350 Nm, der immerhin in neun Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und mit einer Akku- und Tankfüllung genauso weit kommt wie ein konventioneller Benziner. Sondern über die Wiesen und Waldwege der Gegend rumpelt auch ein 268 PS starker Jeep Wrangler, der zum ersten Allradler unter den Elektroautos werden könnte und zugunsten optimaler Geländegängigkeit vielleicht sogar Radnabenmotoren bekommt.

Geschrumpfte Öko-Viper

Geschrumpfte Öko-Viper

Dass elektrische Mobilität auch ohne Range Extender, aber dafür mit viel Spaß funktionieren kann, wollen die Amerikaner mit dem Dodge EV beweisen. Als Kampfansage an den Tesla Roadster bekommt die geschrumpfte Öko-Viper, die wie Konkurrent Tesla pikanterweise auf einem Lotus-Modell basiert, einen Elektromotor mit 268 PS und 650 Nm, der für imposante Fahrleistungen sorgen soll.

In weniger als fünf Sekunden sprintet der vom Modell Lotus Europa abgeleitete Zweisitzer auf Tempo 100, und mit knapp 200 km/h Höchstgeschwindigkeit ist er viel schneller, als die Polizei erlaubt – zumindest in Amerika.

Selbst wenn sich Chrysler für die Batterieentwicklung mit General Electric einen großen Partner ins Boot geholt hat, muss auch der kleinste der strauchelnden US-Riesen erst noch beweisen, dass er die vielen Hürden auf dem Weg zum Elektroauto nehmen kann. Was bei der tiefroten Bilanz und dem drückenden Schuldenberg kein leichtes Unterfangen sein dürfte.

Doch anders als die Konkurrenz hat Chrysler mit Strommobilen viel mehr als nur theoretische Erfahrungen. Schließlich gehört zum Konzern auch der Nischenanbieter GEM, der jetzt in "Green EcoMobility" umbenannt wurde und in den letzten Jahren fast 40.000 Elektrowägelchen für den kleinen Nachbarschaftsverkehr auf Straßen, Bürgersteige und Golfplätze gebracht hat.

Die schadstofffreien Winzlinge ereichen eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 40 km/h und kommen auf eine Reichweite von rund 50 Kilometern. Im nächsten Jahr soll die Topvariante Peapod im leicht verfremdeten Smart-Design sogar ein bisschen Sex-Appeal verbreiten.

Dennoch wissen auch die Chrysler-Verantwortlichen, dass derartige Vehikel das Auto nicht ersetzen können. Doch hätten die Stadtstromer bereits einen großen Beitrag zu Umweltschutz und Ressourcenschonung geleistet, rechnet Chrysler vor: Denn zusammen kommt die GEM-Flotte bislang auf immerhin 320 Millionen Kilometer, während denen konventionelle Autos 45 Millionen Liter Sprit verbrannt und 150 Tonnen Schadstoffe ausgestoßen hätten.

Fotostrecke: Chryslers neue Stromer-Flotte

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