Lotus Eisgleiter In klirrend kalte Weiten

Die Entwickler bei Lotus sind offenbar nicht ganz ausgelastet. Denn jetzt haben die Briten ein ziemlich exotisches Fahrzeug gebaut - einen Eisgleiter. Der Dreibeiner sieht aus, als sei James Bond der Auftraggeber.

Norfolk - Die Ingenieure der britischen Sportwagenmarke Lotus sind immer für eine Überraschung gut. Trotz der Arbeiten am kommenden Modell Evora, sowie am Neustart der Baureihen Esprit und Elise verblüffen sie regelmäßig mit unerwarteten Premieren. Die Truppe fertigt im Fremdauftrag den Elektro-Sportwagen Tesla Roadster, tüftelt an Öko-Modellen, entwarf ein Spielzeugauto zum 40. Geburtstag der Modellreihe Hot Wheels und wagt sich nun auf sehr glattes Terrain.

Und zwar mit dem Concept Ice Vehicle (CIV), das die Briten vor ein paar Tagen enthüllten. Der Prototyp des coolen Schlittens sieht aus wie eine Kreuzung aus Rennwagen, Motorschlitten und Ultraleichtflugzeug und wäre das ideale Mobil für ein eisiges James-Bond-Abenteuer.

Doch geht es den Ingenieuren mit dem dreibeinigen Kufentypen nicht um Aufmerksamkeit in Hollywood oder einen Job in der Spezialabteilung von "Q". Das Concept Ice Vehicle ist ein ernst gemeintes Forschungsprojekt, mit dem Lotus eine Antarktisexpedition der Abenteurer Andrew Moon und Andrew Regan unterstützen will. Die Herren wollen rund 3000 Kilometer durch die Eiswüste fahren, um damit auf die Klimakrise aufmerksam zu machen.

Weil das mit Hundeschlitten oder auf Skiern ein ziemlich gefährliches Unterfangen ist, hat Lotus den großen Gleiter entwickelt. Er ist rund 4,5 lang und ebenso breit und steht auf drei großen Kufen. Der Fahrer sitzt festgeschnallt in einem Schalensitz weit über dem Eis in einem offenen Cockpit, greift in ein Dreispeichen-Lenkrad und blickt auf einen kleinen Radarmonitor, der vor gefährlichen Spalten in der frostigen Fahrbahn warnt. Stößt das CIV auf ein Hindernis, ist die Reise natürlich nicht zu Ende. Denn wie jeder Lotus ist auch der Antarktisflitzer besonders leicht gebaut und kann deshalb mühelos von Hand über Schneewehen oder Eisblöcke gehoben werden.

Angetrieben wird das Forschungsfahrzeug von einem Propeller am Heck, der seine Kraft aus einem von den Briten für Bio-Sprit optimierten Verbrennungsmotor schöpft. "Wenn wir unsere Motoren damit selbst in den härtesten und unwirtlichsten Umgebung betreiben können, warum sollten wir damit dann nicht auch zum Supermarkt fahren", wirbt Regan schon jetzt für die klimafreundliche Alternative. Damit es auch vor dem Start der Expedition glaubwürdig wirkt, geistern neben den ersten Fotos bereits Videos durchs Internet, die den Schlitten in Aktion zeigen.

Das CIV ist zwar das spektakulärste, aber nicht das einzige ungewöhnliche Fahrzeug auf dieser Tour. Denn für den Tross haben die beiden Abenteurer bei Spezialisten auf Island noch zwei Superjeeps bestellt, die jeden Hummer wie ein Spielzeug aussehen lassen. Die beiden 6,5 Meter langen Offroad-Vans wurden dafür binnen jeweils 2000 Arbeitsstunden zu Dreiachsern umgebaut, deren sechs Räder einzeln angesteuert werden können. 20 Gänge helfen beim Manövrieren, 44-Zoll-Räder und extreme Breitreifen sollen den Tiefgang der 4,7-Tonner limitieren, und ein V8-Diesel mit 7,3 Litern Hubraum den nötigen Vortrieb garantieren. Mit dem Kaltstart darf dieser Motor während der Expedition allerdings kein Problem haben. Denn bei Rekordtemperaturen von bis zu minus 89,9 Grad würde es sonst ziemlich schnell ziemlich ernst.

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