Kompaktklasse Gerangel um den Golf-Platz

Neues aus dem Breitensektor: Auf dem Autosalon in Paris im Oktober wird nicht nur der neue VW Golf stehen. Auch einige Konkurrenzmodelle treten an.

Paris - Solche Sprüche könnten auch von VW kommen: "Er definiert den Begriff der Wertigkeit durch sein Design, die Qualität, die Materialien und das tolle Styling außen wie innen völlig neu." Was klingt wie eine Marketinghymne auf den neuen Golf ist allerdings keine PR-Prosa aus Wolfsburg. So vollmundig kündigt Chevrolet das Debüt des Modells Cruze an.

Die Marke ist die wachstumsstärkste Abteilung im europäischen Gemischtwarenladen von General Motors, doch das neue Stufenheckauto mit der vorlauten Frontpartie, der sportlichen Silhouette und dem angeblich so vornehmen Innenraum wird die wichtigste Fahrzeugklasse des Kontinents sicher nicht durcheinanderbringen.

Gleichwohl ist der Auftritt von Chevrolet symptomatisch für das neue Gerangel in der Golfklasse. Denn wenn VW in diesem Herbst ebenfalls in Paris die sechste Auflage des Dauerbrenners Golf an den Start bringt, werden sich auch viele andere Hersteller neu in Position bringen - darunter eben auch Chevrolet. Dabei ist der Cruze mit einer Länge von knapp 4,60 Metern für die Kompaktklasse fast schon ein bisschen groß geraten. In den USA hingegen gelten Autos dieser Dimension fast schon als Kleinwagen und stehen als potentielle Spritsparer hoch im Kurs.

Offensive aus dem Abseits

Der Chevrolet Cruze soll mit zwei Benzinern und einem neuen Dieselmotor angeboten werden, die Leistungen der Triebwerke reichen von 112 bis 150 PS. Überraschend ist durchaus, dass der Wagen seine Premiere in Paris und nicht etwa auf der Motorshow in Detroit feiert. Wayne Brannon wertet das als wichtiges Signal: "Wir sind stolz darauf, dass Europa bei der Einführung des weltweit angebotenen Modells den Anfang macht."

Viel bedeutsamer als die Premiere des Cruze ist jedoch das Debüt des nächsten Renault Mégane. Der Kompaktwagen war früher einmal das meistverkaufte Auto in Europa - bis Renault dem Bestseller ein polarisierendes Design verpasste und ihn damit selbst ins Abseits schob. Von dort will Renault die Neuauflage jetzt wieder zurückholen. Geplant ist also nicht nur ein Auto im gemäßigten Stil, sondern auch eine Qualitätsoffensive wie beim Mittelklassewagen Laguna.

Viele Details zum neuen Auto gibt es noch nicht. Doch hat der deutsche Renault-Chef Jacques Rivoal bereits durchblicken lassen, dass die ohnehin schon breitgefächerte Modellpalette möglicherweise noch um zusätzliche Varianten ergänzt wird. Starten werde der Verkauf des neuen Mégane im November zunächst mit dem klassischen Fünftürer. Im März solle dann ein Dreitürer folgen, der nach der Art von VW Scirocco und Volvo C30 deutlich sportlicher werde als bisher. Darüber hinaus stünden wieder ein Stufenheckmodell, ein Kombi und zwei Versionen des Minivans Scénic mit fünf oder sieben Sitzen auf dem Plan. Neu sei zudem die Idee für einen kleinen Geländewagen unterhalb des gerade eingeführten Koleos. "Allerdings ist das noch nicht endgültig entschieden", sagte Rivoal.

Neues von Skoda, Mazda, Ford und Opel

Neuausrichtung bei Skoda, Mazda, Ford und Opel

Außer Renault bereiten auch die beiden anderen französischen Hersteller für das Heimspiel in Paris kompakte Premieren. So zeigt Citroën zum ersten Mal den frisch geschminkten C4, der mit neuer Frontpartie, aufgewertetem Innenraum und vor allem mit sparsameren Motoren aus der Kooperation mit BMW an den Start geht. Und bei Peugeot ist zumindest die offene Version des 308 bestätigt. Als heißes Gerücht gilt darüber hinaus die Premiere eines kleinen Vans im Stil von VW Touran und Renault Scénic.

Ebenfalls um eine Neupositionierung bemüht ist Skoda, wo parallel zum neuen Golf der tschechische Cousin Octavia geliftet wird. In erster Linie geht es dabei um optische Retuschen, hört man aus Mlada Boleslav. Doch eventuell nimmt mit dieser Renovierung auch Skoda Abschied von den lärmenden Pumpe-Düse-Diesel-Aggregaten, die im Golf durch flüsterleise Common-Rail-Motoren ersetzt wurden. Erst kurz nach der Show in Paris tritt der erste neue Golf-Genger aus Japan an. Denn für die Motorshow in Los Angeles im November bereitet Mazda den Start des neuen 3ers vor. Debütieren wird zunächst das Stufenheckmodell, kurz darauf der Fünftürer mit Steilheck.

Während die internationale Konkurrenz also eifrig mit den Hufen scharrt und sich im Kompaktsegment neu in Position bringt, verfolgen die deutschen Rivalen die Premiere des Wolfsburger Dauerbrenners mit demonstrativem Gleichmut - vordergründig zumindest. Hinter den Kulissen allerdings herrscht rege Betriebsamkeit. Ford hat den Focus erst vor einem Jahr grundlegend renoviert und protzt nun mit dem 300 PS starken Focus RS. Und bei Opel werden wahrscheinlich schon Überstunden für den künftigen Astra geleistet. "In diesem Jahr zeigen wir das neue Auto sicher nicht mehr", sagt Entwickler Frank Leopold. Doch den Genfer Autosalon im kommenden Frühling könne man sich durchaus vormerken. Leopold: "Der ist schließlich immer einen Besuch wert."

Der Konkurrent: Der Chevrolet Cruze in Bildern

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