Replika-Sportwagen Taufrische Klassiker

Von der 427er Cobra von Caroll Shelby wurden nur 348 Exemplare gebaut. Die Produktion endete vor mehr als 40 Jahren. Doch heute können Liebhaber ein brandneues Modell der Straßenschlange erstehen - von der Replika-Firma Superformance. Die hat auch noch andere alte Helden im Angebot.

Dortmund - Wenn Mario Lantzsch den Zündschlüssel dreht, vibriert in der Halle in Dortmund der Boden. Staub wirbelt auf, und es lärmt, als sei gerade ein Formel-1-Rennen gestartet worden. Dabei läuft der auf Hochglanz polierte Achtzylindermotor noch im Standgas.

Doch Unternehmensberater Lantzsch sitzt nicht in irgendeinem Auto, sondern am Steuer einer Cobra, jenes britischen Roadsters, der unter der kundigen Hand des amerikanischen Rennfahrers Caroll Shelby zur giftigsten Straßenschlange der sechziger Jahre wurde.

Während die Klassiker dieses Autotyps mittlerweile mehr als vier Jahrzehnte auf dem Buckel haben, ist die Cobra, in der Lantzsch sitzt, beinahe nagelneu. Sammler zahlen für ein Originalauto heute mehr als 300.000 Euro.

Und weil die echte Shelby Cobra, die in Anlehnung an die 427 Kubikinch (circa 7 Liter) Hubraum des 425 PS starken V8-Motors als "427er" in die Autoannalen eingegangen ist, in den Jahren 1965 und '66 nur 348-mal gebaut wurde, blüht der Markt für Nachbauten, Neuinterpretationen und Replikas.

Einer der Großen in der Szene ist die US-Firma Superformance, für die Lantzsch zusammen mit dem Dortmunder Autohändler GT-Classics gerade den Vertrieb in Deutschland organisiert. Die Amerikaner lassen in einem Werk in Südafrika jeden Monat bis zu 50 Cobras nach den alten Plänen bauen und sind damit laut Lantzsch Marktführer.

"Vielleicht gibt es ein paar andere Firmen, die mit Bausätzen auf größere Stückzahlen kommen", sagt er. "Doch bei Komplettfahrzeugen ist Superformance die Nummer eins." Während es Bausätze bereits ab 30.000 Euro gibt, muss man bei GT-Classics für eine fahrfertige Cobra tiefer in die Tasche greifen und mit 75.000 bis 125.000 Euro kalkulieren. Dafür bekommt man laut Lantzsch "die einzige Cobra mit der Lizenz von Caroll Shelby".

Wuchtiger V8 "dringend empfohlen"

Wuchtiger V8 "dringend empfohlen"

Im Werk von Superformance entstehen fabrikneue Oldtimer, denen nur eines fehlt: der Antrieb. Den bekommen die Cobras mit Rücksicht auf die amerikanischen Zulassungsvorschriften erst in den USA und auch dort erst nach dem Kauf des Fahrzeugs.

"Wenn Motor und Getriebe im Auftrag des endgültigen Besitzers bei einem anderen Unternehmen als beim Hersteller eingebaut werden, erhält man dort problemlos einen Kfz-Schein", erläutert Lantzsch die Winkelzüge durch den Paragrafen-Dschungel. GT-Classics wiederum kann die Wagen dann mit US-Papieren über den Atlantik holen.

Zwar sind die US-Kunden bei der Wahl des Motors letztlich völlig frei. Doch Superformance "empfiehlt dringend" die Aggregate der Tuningfirma Roush, die ihre Lorbeeren in der amerikanischen Nascar-Serie verdient haben und bei den für Deutschland bestimmten Fahrzeugen zum Standard zählen.

Sie basieren - wie die originalen Shelby-Motoren - auf dem sogenannten Windsor-Block des Ford-Konzerns und mobilisieren bei 5,7 bis 7,0 Litern Hubraum zwischen 370 und 550 PS.

Gemessen an aktuellen Sportwagen ist das zwar allenfalls Durchschnitt, aber in einem offenen Zweisitzer mit Kunststoffkarosse, der weniger wiegt als ein Kleinwagen und technisch in etwa auf einem Stand des VW Käfer ist, reicht die Kraft dicke.

Während der Wind fast ungehindert über die flache Frontscheibe bläst, der Blick über die schmucke Uhrensammlung im Cockpit schweift, die Füße auf winzigen Pedale im engen Tunnel stehen und die Hände das Lenkrad umklammern, züngelt die Cobra ungestüm nach vorn. Mit maximal 535 Nm treibt der verchromte V8-Einspritzer den Roadster in knapp vier Sekunden auf Tempo 100. Maximal 260 km/h sind in der Zeitmaschine drin.

Bequem wie ein Stehplatz im Stadtbus

Weniger Komfort als ein Stehplatz im Stadtbus

Neben der Cobra haben Superformance und der deutsche Importeur auch den GT40 im Programm. Die Flunder stammt im Original von Ford und schaffte 1966 mit Hilfe von Caroll Shelby, was bis dahin noch keinem US-Sportwagen gelang: einen Sieg in Le Mans. Dabei sollte es allerdings nicht bleiben. Denn auch in den drei Jahren danach war der GT40 beim 24-Stunden-Rennen jeweils der Erste im Ziel.

Wer nicht auf den letzten Euro schauen muss und Geduld für acht bis zwölf Monate Lieferfrist hat, kann sich bei GT Classics zumindest ein bisschen fühlen wie der "King of Cool" der Siebziger.

Neben Lantzschs Cobra parkt abfahrbereit ein im originalen Gulf-Design hellblau und orange lackierter GT40. Allerdings wartet er nicht auf den Startschuss zum Rennen, sondern auf einen Käufer, der je nach Motorleistung und Ausstattung zwischen 130.000 und 170.000 Euro hinblättert.

Das ist viel Geld für ein Auto, das weniger Komfort bietet als ein Stehplatz im Stadtbus. Doch dafür gibt es das Gefühl, praktisch permanent auf einer Rennstrecke unterwegs zu sein.

Die Enge des Innenraums, die Nähe zur Straße, das Toben des Achtzylindermotors im Genick. Dazu kommt: Einer der seltenen Original-GT40 würde mindestens das Fünffache kosten, heißt es bei den GT-Sammlern im Internet.

Ähnlich wie bei der Cobra verspricht Lantzsch auch für den GT40 die Nähe zum Original. Schließlich hätten die Entwickler eng mit der Firma Safir zusammengearbeitet, die heute die Lizenz und mit ihr die Namensrechte halte.

Während selbst Ford das jüngste Remake von 2004 bis 2006 nur unter dem Namen GT verkaufen durfte, steht an Lantzschs Auto deshalb wie eh und je GT40. Dafür allerdings fehlt dem Flachmann die Ford-Pflaume. Aber das werden die Kunden wohl verschmerzen.

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