Volvo-Neuheiten Sparen ohne Verzicht

Wovor haben Autohersteller eigentlich so furchtbare Angst? Kaum ist eine Technik verfügbar, die etwas Sprit einspart, folgt gleich darauf ein Leistungsschub - damit die Kundschaft nur ja keine Einschränkungen hinnehmen muss. Auch Volvo setzt auf diese Strategie.

"Wir bieten unseren Kunden die Möglichkeit, hohe Ansprüche an Performance und Umweltverantwortung auf ideale Weise zu verbinden", lockt Volvo-Präsident Fredrik Arp all jene, die gern ein bisschen Geld sparen, solange nur weiter der Champagner im Glas perlt. Es ist nämlich so, dass die schwedische Marke aus dem Ford-Konzern ihre sogenannte Flexifuel-Modellpalette, also jene Autos, die auch mit Ethanol fahren können, um ein neues Topmodell erweitert. Nun gibt es auch einen 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor mit 200 PS, der den Treibstoff E85 verträgt – eine Mischung aus 85 Prozent Ethanol und 15 Prozent Benzin.

Die Maschine mit einem maximalen Drehmoment von 300 Nm wird im Kombi V70 und in der Limousine S80 angeboten, der Aufpreis gegenüber dem entsprechenden Modell mit dem 2,5-Liter-Turbo-Benziner beträgt 400 Euro. Soweit ist die Sache klar und übersichtlich, doch sobald Verbrauchswerte ins Spiel kommen, wird es weniger transparent. Der S80 in der Flexifuel-Variante zum Beispiel schluckt, wenn er ausschließlich mit Benzin betrieben wird, 9,2 Liter im Schnitt. "Wird E85 getankt, steigt der Verbrauch um 30 bis 40 Prozent", räumt Niklas Gustavsson ein, der Volvo-Sprecher in Sachen Umwelttechnologie und Regierungskontakte.

Unklare Verbrauchsangaben

Da die Motoren auch jede Mischung von Benzin und E85 vertragen, lassen sich klare Aussagen über Verbrauch und Schadstoffausstoß nur schwer treffen. Die exakte CO2-Emission eines Flexifuel-Fahrzeugs ist kaum zu ermitteln. Gustavsson sagt zwar, dass beim E85-Betrieb der CO2-Ausstoß um bis zu 80 Prozent gegenüber dem reinen Benzinantrieb zurückgeht – denn schließlich werde Ethanol aus nachwachsender Biomasse gewonnen und sei daher weitgehend CO2-neutral. Doch dies ist höchst umstritten.

In Schweden etwa, wo inzwischen rund 20 Prozent aller Neuwagen sogenannte Flexifuel-Modelle sind, wird der komplette E85-Bedarf derzeit durch Ethanol-Lieferungen aus Brasilien gedeckt, wo der Treibstoff aus Zuckerrohr hergestellt wird. Wie viel CO2 aber allein schon bei der Produktion und beim Transport quer über den Atlantik freigesetzt wird, kann niemand präzise sagen. Immerhin: Die Skandinavier wollen in den kommenden Jahren eine eigene Ethanol-Fabrikation aufziehen – und zwar aus heimischen Holzabfällen, was die CO2-Bilanz sicher deutlich verbessern dürfte.

Es sollen keine Nahrungsmittel in den Tank

Bis solche Lösungen funktionieren, ist jedoch Skepsis angebracht. Denn allzu oft wird Ethanol aus Pflanzen herstellt, die bislang der Lebensmittelversorgung dienten. "Das lehnen wir kategorisch ab", sagt Gustavsson. Verhindern aber kann er es natürlich nicht. Immerhin: Volvo versucht wenigstens – wenn auch mit einem dicken Turbomotor und ohne Einbußen an Fahrspaß, wie stets betont wird –, ein bisschen an der Sprit- und Klimaschraube zu drehen.

20.000 dieser Flexifuel-Modelle will Volvo in diesem Jahr verkaufen. Das Gros natürlich in Schweden, wo es bereits 1100 E85-Zapfstationen gibt. Aber auch in zwölf weiteren europäischen Ländern sowie in Thailand wird die Alkohol-Flotte angeboten. In Deutschland, wo es derzeit erst rund 115 Ethanol-Zapfsäulen gibt, bleibt Volvo bescheiden. Mehr als ein paar hundert Flexifuel-Fahrzeuge werden es hierzulande wohl kaum werden.

Schwere Schlitten

Schwere Schlitten

Eine andere Spielart des Sparens ist das neue Doppelkupplungsgetriebe, das Volvo erstmals anbietet, und zwar in den Baureihen C30, S40, V50 und C70 – jeweils in Verbindung mit dem Zwei-Liter-Dieselmotor. Das Sechsgang-Getriebe mit zwei Kupplungen, bei Volvo Powershift genannt, "senkt den Kraftstoffverbrauch gegenüber der herkömmlichen Automatik um acht Prozent", sagt Magnus Jonsson, der Volvo-Vorstand für Forschung und Entwicklung.

Das erste Doppelkupplungsgetriebe der Marke ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit der Firma Getrag. Der Clou dieser Technik besteht vor allem darin, dass zwei Kupplungen abwechselnd aktiv sind und so Gangwechsel praktisch ohne Zugkraftunterbrechung möglich sind. VW und Audi haben das dort DSG genannte System seit einiger Zeit schon im Angebot.

Volvo bietet die neue Getriebevariante ab sofort zum Aufpreis von 1950 Euro an. Der kompakte Dreitürer Volvo C30, der mit Powershift-Getriebe ab 25.550 Euro kostet, beschleunigt dann mit dem 136 PS starken Dieselmotor in 9,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h. Der Verbrauch des Wagens mit Doppelkupplungsgetriebe beträgt im Schnitt 5,9 Liter.

Es ist ja prima, dass eine neue Technik noch mehr Rasanz und parallel dazu auch etwas mehr Sparsamkeit bietet. Doch wie genügsam könnten Autos wohl werden, würden die Entwickler sich ganz auf die Spritersparnis konzentrieren. Allein durch Gewichtsreduzierung – was allerdings weniger statt immer mehr neuer Hightech-Zutaten erfordern würde – könnte ordentlich Kraftstoff gespart werden. Pro 100 Kilogramm etwa 4 Prozent, gilt als Faustregel. Man stelle sich unter dieser Prämisse nur mal vor, dass Mittelklasseautos nicht mehr 1,5 Tonnen, sondern wie vor 30 Jahren auf einmal nur noch rund 1 Tonne wiegen würden ...

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