Audi A3 Dezentes Facelift

Was soll ein Autohersteller tun, wenn ein Modell gerade sein bestes Verkaufsjahr hingelegt hat und nach der üblichen Zeitspanne eine Überarbeitung ansteht? Eine mögliche Antwort auf die Frage gibt jetzt Audi mit dem neuen A3.

Im vergangenen Jahr verkauften die Ingolstädter rund 231.000 Exemplare des Kompaktwagens – so viele wie noch nie, seit das aktuelle Modell 2003 vorgestellt wurde. Jetzt - nach fünf Jahren - steht turnusgemäß die Renovierung des Autos an, die so dezent wie nur möglich ausfällt, um nur ja nicht vom Erfolgsweg abzukommen.

Optisch gibt es fast gar keine Neuigkeiten. Ein paar kosmetische Eingriffe am Kühlergrill, an den Frontscheinwerfern und an den Kotflügeln, Blinklichter in den Außenspiegeln sowie Detailveränderungen am Heck – wer nicht genau hinsieht, bemerkt gar nicht, dass der A3 aufgefrischt wurde. Und auch im Innenraum bleibt so gut wie alles beim Alten. Neu sind lediglich die Ziffernblätter der Cockpitinstrumente, die Stoffbezüge der Sitze und einige Dekors der Zierleisten.

Trotzdem ist es durchaus gerechtfertigt, von einem überarbeiteten A3 zu sprechen, denn vor allem die Technik der Baureihe wurde weiterentwickelt. Audi zufolge wurde der Spritverbrauch der Modelle um durchschnittlich 15 Prozent gesenkt.

Wie ist das zu erklären? Vor allem dadurch, dass nun sämtliche A3-Typen einen verkleideten Unterboden erhalten, was den Luftwiderstand erheblich senkt und so beim Sparen hilft. Zudem wurden die Motoren per Feinarbeit an der Steuerelektronik noch etwas mehr auf Effizienz getrimmt. Es sind weiterhin, rechnet man A3 und S3 zusammen, sechs Benziner und drei Diesel im Angebot.

Zahlreiche Motor-Getriebe-Varianten

Dazu gibt es neue Allrad-Modelle sowie das Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic mit nun sieben Gängen für bestimmte Benziner-Varianten (Aufpreis 1750 Euro). Insgesamt kann der A3 (und parallel dazu der fünftürige A3 Sportback) in 22 Motor-Getriebe-Kombinationen geordert werden. Eine Vielfalt, die sich bei der Motorleistung von 102 bis 265 spreizt und beim Preis von 20.350 bis 37.850 Euro.

Letztere Summe verlangt Audi für den neuen S3 Sportback. Das Karacho-Modell von Audis derzeit kleinster Baureihe gibt es nun also nicht nur als Dreitürer, sondern auch als Kombi. Insgesamt gilt: Die A3-Modelle werden nach dem Facelift um 400 Euro teurer; und nach wie vor kostet die Sportback-Version 900 Euro mehr als das identisch motorisierte und ausgestattete dreitürige Modell.

Einparken wie von Zauberhand

Einparken wie von Zauberhand

Um den aufgefrischten A3 zu erfahren, waren wir im 125 PS starken Benziner mit 1,4-Liter-Direkteinspritzer unterwegs. Die Kraftverteilung übernahm das neue Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Das komplexe Räderwerk, das mit zwei Trockenkupplungen arbeitet und dessen zusätzlicher, siebter Gang besonders lang übersetzt ist. So hilft auch die Kraftverwaltung beim Spritsparen, denn der Durchschnittsverbrauch des Wagens sinkt mit diesem Getriebe von sonst 5,9 auf dann 5,6 Liter. Das drückt parallel den CO2-Ausstoß von 140 auf 133 Gramm je Kilometer.

Fahren lässt sich das Auto mit diesem Antrieb tadellos. Der Wagen flitzt munter drauflos und schon nach ein paar Minuten fragt man sich, worin der Sinn von 265 PS für die S-Modelle liegen könnte. Die Grübelei führt zu keinem Ziel, stattdessen erfreut der A3 mit dem kleinen Turbomotor mit ambitionierter Straßenlage und einer tollen Lenkung.

Weil Audi stets betont, beim A3 handle sich um einen Premium-Kompaktwagen, finden sich in der Aufpreisliste nun auch ein paar neue Extras. Etwa die schon von VW bekannte Einparkhilfe des Zulieferers Valeo, die der A3 als erster Audi im Sortiment führt und die mit 790 Euro Aufpreis berechnet wird.

Dafür bugsiert ein Computerprogramm mit Hilfe von zehn Sensoren den Wagen in Parklücken am Straßenrand, die lediglich 1,40 Meter länger sind als das Auto. Der Fahrer muss nichts weiter tun als den Rückwärtsgang einlegen sowie gasgeben und bremsen. Auch die elektronische Fahrwerksregelung "Magnetic Ride" wird nun für den A3 angeboten – zum Aufpreis von 1270 Euro.

Ein Unding, zumal für ein angebliches Premium-Fahrzeug, ist die Tatsache, das Nebelscheinwerfer mit 165 Euro extra berechnet werden. Und noch immer ordentlich, aber keineswegs mehr eine Besonderheit, ist die Materialwahl und Oberflächengestaltung im Innenraum.

Hier war der A3 mal maßgebend, nun haben zahlreiche Konkurrenzmodelle mit ihm gleichgezogen. Schließlich sind auch die Klapptürgriffe an einem Auto mit diesem Anspruch ein Anachronismus (wegen der abgebrochenen Fingernägel, die sie verursachen und der Schwierigkeit, nach einem Unfall die Türen zu öffnen, wie Ersthelfer immer wieder bestätigen). Aber wie schon erwähnt: Optisch sollte sich ja so wenig wie möglich ändern – denn wer Erfolg hat, liegt immer richtig. So einfach ist das in der Autowelt.

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