Kia Pro Cee'd Ein Hauch von Premium

Dass Hyundai und Kia gute und billige Kleinwagen bauen können, ist längst bewiesen. Doch seit die Modelle i30 und Cee’d in der Kompaktklasse mitmischen, wird es auch dort für die Platzhirsche enger. Der Dreitürer Pro Cee'd etwa rückt dem Audi A3 auf den Pelz - und bringt Pep und Leidenschaft in die Riege der Vernunftautos.

Seit gut einem Jahr ist Kia mit dem Modell Cee'd in der Kompaktklasse präsent. Zuvor versuchte die koreanische Marke ihr Glück vor allem bei Kleinwagen und Nischenmodellen, nun tummelt sie sich auch im Haifischbecken mit VW Golf, Opel Astra und konsorten. Bei den Experten sammeln der in Europa und für Europa entwickelte Golf-Konkurrent und der weitgehend baugleiche Hyundai i30 seit der Premiere reichlich Punkte, und auch bei den Kunden kommen die koreanischen Modelle gut an. Was bislang fehlte, waren Pep und Leidenschaft. Doch dann schob Kia das dreitürige Modell Pro Cee'd nach - nun scheint auch dieser Kritikpunkt abgearbeitet.

Schon auf den ersten Blick wirkt der Dreitürer deutlich sportlicher als das fünftürige Modell. Lediglich die Motorhaube und die vorderen Kotflügel sind bei beiden Autos gleich. Denn um knackigere Proportionen zu erhalten, streckte Kia den Pro Cee'd um zwei Zentimeter auf 4,25 Meter und senkte das Dach im Gegenzug um drei Zentimeter ab. Die Plattform also ist identisch, die Karosserie jedoch eigenständig. Design wurde das Auto im Kia-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, gebaut wird der Wagen wie alle Cee'd-Typen in der Slowakei.

Flacher, größer, satter

Die Front des Autos wurde optisch aufgeblasen und tiefer auf die Straße gezogen, der Kühlergrill ist flacher und die Scheinwerfer sind größer. Dazu gibt es eine Flanke mit größeren Türen und einer markanten Sicke sowie ein Heck, dessen neue Schürze den Wagen deutlich satter auf der Straße stehen lässt. Dabei wirkt das Auto wie eine solide Skulptur; die Optik ist frei von kurzlebigen Effekten und erinnert deshalb durchaus an die strenge Geometrie des Audi A3. Obwohl Kias neuer, bei den Bayern abgeworbener Designchef Peter Schreyer dem Auto allenfalls noch den letzten Schliff geben konnte.

Auch innen verbreitet der Pro Cee'd einen Hauch von Premium. Vorbei die Zeit der langweiligen Plastiklandschaften. Wo immer man den Wagen auch in die Finger berührt, stets hat man dabei ein angenehmes Gefühl. Das Armaturenbrett ist mit vornehmen Softtouch-Lacken überzogen, die Zierblenden fühlen sich zumindest so an, als seien sie aus Metall gemacht, die Sitze bieten ordentlich Seitenhalt und sind hinreichend bequem. Sogar der Zündschlüssel liegt in der Hand wie ein kleiner Schatz vom Juwelier. Kein Wunder, denn die Koreaner beziehen das Teil vom selben Zulieferer wie ihre deutschen Konkurrenten.

Einzig die drei rot hinterleuchteten Rundinstrumente und die ebenfalls in den Farben der aufgehenden Sonne schimmernden Displays von Bordcomputer, Radio und Klimaanlage wirken noch von gestern. Doch gehören sie und vor allem die Geräte dahinter immerhin zur Serienausstattung, während man für solche Extras gerade bei den deutschen Herstellern meist zusätzlich zur Kasse gebeten wird.

Gute Ausstattung, strammes Fahrwerk

Gute Ausstattung, strammes Fahrwerk

Überhaupt ist die Ausstattung eines der stärksten Argumente wider die Deutschtümelei in der Kompaktklasse: Sechs Airbags, ESP und aktive Kopfstützen sind bereits im Pro-Cee'd-Basismodell für 15.430 Euro ebenso serienmäßig wie Bordcomputer, CD-Radio und die elektrischen Helfer für Fenster, Türen und Spiegel.

Und wer für 2300 Euro Aufpreis aufs nächst höhere Ausstattungsniveau wechselt, bekommt auch Klimaanlage, Alufelgen, Tempomat, Lederlenkrad und einen Anschluss für iPod und USB-Stick dazu. Außerdem überrascht der Kia dann auch mit Licht- und Regensensor sowie Seitenscheiben, von denen das Wasser aufgrund des Lotus-Effekts nur so abperlt.

Ebenfalls Standard sind im Pro Cee'd die Easy-Entry-Sitze, die den Hinterbänklern zusammen mit den breiteren Türen den Zustieg zum Fond leichter machen sollen. Zwar muss man sich trotzdem etwas mühen, bis man tatsächlich auf der Rückbank sitzt. Doch wer erst einmal dort angekommen ist und nicht gerade zu den Hünen zählt, genießt bei einem Radstand von 2,65 Metern ausreichend Raum für Kopf und Knie. Und das Kofferraumvolumen ist mit 340 bis 1210 Litern gleich groß wie beim Fünftürer.

Den für viele europäische Hersteller fast schon beängstigenden Fortschritt der Koreaner merkt man auch am Motor und am strammen Fahrwerk, das gegenüber dem des Fünftürers etwas härter ausgelegt wurde und den Pro Cee'd im Zusammenspiel mit der bestimmten Lenkung zu einem veritablen Kurvenfeger macht. Vor allem mit dem überarbeiteten Zweiliter-Dieselaggregat am oberen Ende der Motorenpalette sägt das Auto am Thron von VW Golf & Co. Denn der Common-Rail-Motor ist kultivierter als die rauen, erst allmählich Ablösung anstehenden Pumpe-Düse-Aggregate aus Wolfsburg.

Mit 140 PS und maximal 305 Nm ist der Pro Cee'd so sportlich unterwegs wie er ausschaut. Während die sechs Gänge flott durchs Getriebe flutschen, zieht der Wagen kräftig an, erreicht nach guten zehn Sekunden Tempo 100 und fährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h in der ersten Reihe. Was - neben dem dichteren Händlernetz - noch bleibt als Argument für die Platzhirsche? Vielleicht der Wertverlust, der bei heimischen Fabrikaten in der Regel geringer ist. Doch selbst für diese Diskussion sind die Koreaner gewappnet. Mit einer Sieben-Jahres-Garantie, so ihre Argumentation, macht der Pro Cee'D auch als Gebrauchter noch Freude.

Kia Pro Cee'd: Jetzt auch als Dreitürer

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.