Chrysler Sebring All-american Cabrio

Der neue Chrysler Sebring Cabrio erfüllt so ziemlich alles, was man von einem amerikanischen Auto erwartet: Er ist robust, bietet jede Menge Platz und verfügt über nette Gimmicks wie beheiz- oder kühlbare Getränkehalter, die das entspannte Cruisen zur wahren Freude werden lassen. Fehlt eigentlich nur noch der eingebaute Eiswürfelspender.

Hamburg - In den USA ist das Auto der Renner: In sieben der vergangenen elf Jahre heimste das Chrysler Sebring Cabrio den Titel "bestverkauftes Cabrio" ein. Und auch mit dem von Grund auf neuen Modell, das in Amerika bereits seit einem Jahr verkauft wird, hat Chrysler den Geschmack der US-Autofahrer offenbar getroffen. Nun tritt der Wagen auch in Deutschland an. Ab 29.990 Euro steht der offene Viersitzer in der Preisliste. Oder ab 35.610 Euro, wenn es unbedingt ein klappbares Stahldach sein soll.

Denn Chrysler bietet für das Modell die Wahl zwischen Stoff- und Stahlverdeck. Beide Dachsysteme stammen vom deutschen Spezialisten Karmann, beide haben ihren Reiz. Das Stoffdach macht das Auto sportlicher, eleganter, puristischer und sogar ein wenig schneller. Denn als Höchstgeschwindigkeit für die Textil-Variante gibt Chrysler 195 km/h an, während das Modell mit Stahldach maximal 185 km/h schafft. Warum das so ist, konnte bei Chrysler auch niemand schlüssig erklären – aber so gravierend ist der Unterschied nun auch wieder nicht.

Wer den Wagen mit Stahldach ordert, zahlt zwar einen happigen Aufpreis, erhält dafür aber einen Ganzjahreswagen mit eingebautem Showeffekt, wenn die Sonne lacht. Das dreiteilige Dach nämlich lässt sich per Fernbedienung am Autoschlüssel öffnen, und das dürfte für Erstaunen bei Passanten und Parkwächtern sorgen. In rund einer halben Minute ist die vollautomatische Prozedur erledigt. Die einfache Knopfdruck-Bedienung des Daches gilt übrigens auch für das klassische, dreilagige Stoffverdeck.

Auch bei der Motorisierung bietet Chrylser den Sebring-Cabrio-Interessenten zwei Varianten zur Wahl. Beide allerdings erscheinen nicht optimal. Der 2-Liter-Pumpe-Düse-Diesel mit 140 PS stammt von Volkswagen und auch im Chrysler der eher ruppig-brabbelnde Selbstzünder, der er schon immer war.

Allerdings haben sich die Ingenieure viel Mühe gegeben, die Maschine durch reichlich Dämmmaterial, ausgeschäumte Karosseriehohlräume und so genannte Mastix-Puffer zu beruhigen. Im Innenraum kommt daher nur noch beim Kaltstart und bei heftiger Beschleunigung das verärgerte Grummeln des Aggregats an.

Der 2,7 Liter große V6-Benzinmotor tritt im Gegensatz dazu als Gentleman an, der Geräusche unterdrückt, auf Wunsch kräftig anpackt aber leider seinen Durst nicht zügeln kann. 10,5 Liter auf 100 Kilometer gibt Chrysler als Durchschnittsverbrauch an. Das macht einen CO2-Ausstoß von 248 Gramm je Kilometer und ist nicht gerade ein Bestwert für zukunftsweisendes Autofahren.

Also doch lieber 140 Diesel-PS als die 186 des Benziners, der mit 196 km/h Höchstgeschwindigkeit allerdings kaum hurtiger ist als sein rußgefiltertes Pendant? Es ist eine Geschmacks- und Geldfrage, denn den V6-Motor gibt es ausschließlich in Verbindung mit der gehobenen "Limited"-Ausstattung sowie mit Stahldach ab 38.610 Euro.

Paradedisziplin: lässig cruisen

Paradedisziplin: lässig cruisen

Wir fuhren bei unserer Testrunde mit der Diesel-Variante. Die etwas teigig wirkende Lenkung verstärkte im Verbund mit dem mitunter trägen Triebwerk den Eindruck, in einem sehr entspannenden Fahrzeug unterwegs zu sein. Dach auf und genießen ist das Motto des Chrysler Sebring Cabrio.

Während andere Marken gar nicht genug auf dem Thema Sportlichkeit und Dynamik herumreiten können, gefällt sich Chrysler in der Rolle des coolen Außenseiters, der gerade wegen seiner Andersartigkeit anziehend wirkt.

Obwohl das Design des Autos keine Offenbarung ist. Wuchtig wirkt der Wagen von vorne. Die Scheinwerfer erscheinen etwas überdimensioniert, die Konturen in der Motorhaube kennt man noch vom Coupé Crossfire und der ganze Bug strahlt vor allem Solidität und Robustheit aus. Country-Style eben – übertragen auf ein großes Cabrio. Denn die Größe ist der große Pluspunkt des Modells. Alle vier Plätze bieten, auch bei geschlossenem Dach, ausreichend Platz. Und der Kofferraum fasst, je nach dem ob das Verdeck geschlossen oder im Fond eingefaltet ist, zwischen 188 und 371 Liter Gepäck.

Chrysler hält den Kaffee warm

Es gibt einige nette Details, die das Chrysler Sebring Cabrio darüber hinaus von den wenigen Wettbewerbern abgrenzen. Die Getränkehalter beispielsweise haben je nach Bedarf eine Kühl- oder Heizfunktion. Es gibt hübsche Dekoeinlagen in Schildpatt-Optik. Die Stoffbezüge sind, dank einer speziellen Imprägnierung der Fasern, fleckunempfindlich, und wer mag kann für 1670 Euro Aufpreis eine Musikanlage plus USB-Anschluss plus Navigationssystem plus 20-Gigabyte-Festplatte ordern. Zwar belegt der Routenfinder schon 11 Gigabyte, aber auch der Rest reicht noch aus für das Speichern einer umfangreichen Plattensammlung im Auto.

In der Kategorie Sicherheit ist das Chrysler Sebring Cabrio nun auch dort angekommen, wo es sein soll. Denn ab Werk gehören nun ESP, vier Airbags, ABS, Schlupfregelung und Bremsassistent sowie ein Reifendruckkontrollsystem zur Ausstattung. Denn wenn es raus aufs Land, wo der offene Chrysler in seinem Element ist, liegt ja doch noch manchmal ein Nagel auf der Fahrbahn.

Landpartie für vier: Der Chrysler Sebring Cabrio in Bildern

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