Yellow Cabs Eine Stadt sieht grün

Sie sind fast schon ein Wahrzeichen von New York und gehören zum Big Apple wie Fifth Avenue und Empire State Building. Doch die legendären Yellow Cabs haben eine Schwäche: Sie schlucken zu viel. Bürgermeister Michael Bloomberg will die Flotte jetzt publikumswirksam auf Entzug setzen.

Michael Bree schwört auf den Ford Crown Victoria. "Der Vic ist ein echtes Arbeitstier", sagt der New Yorker Taxifahrer. "Dass die Stadt den abschaffen will, ist doch vollkommen idiotisch." Mehr als 13.000 Taxis rollen derzeit durch die US-Metropole. Bei neun von zehn Yellow Cabs handelt es sich um den Vic, einen durstigen Achtzylinder der im Innenstadtverkehr 17 Liter je 100 Kilometer wegbechert - wenn man behutsam fährt, was Manhattans Taxifahrer eher selten tun.

Bürgermeister Bloomberg hat deshalb verfügt, dass ab Oktober 2008 nur noch Taxis zugelassen werden, die mit höchstens 9,4 Litern auskommen. Die Initiative ist Teil eines umfassenden Vorhabens namens PlaNYC, das New York zur Ökometropole machen soll.

Yellow Cabs werden in der Regel nach drei bis fünf Jahren ersetzt. Der "Vic" wird deshalb wohl rasch aus Manhattan verschwinden, 2012 dürften die letzten Fahrzeuge in Rente gehen.

Schade ist das nicht: Einziger Vorzug des seit einem Vierteljahrhundert hergestellten Ford Modells ist "so billig und so zäh zu sein wie ein Zwei-Dollar-Steak" ("Wired"). Vor allem optisch lässt das derzeitige Standardtaxi zu wünschen übrig. Sein Vorgänger, das Checker Cab, hatte Kultcharakter. Der Crown Victoria hat die Persönlichkeit eines frühen koreanischen Exportwagens.

Öko-SUV statt Limousine

Seit einiger Zeit lizenziert die New Yorker Taxi & Limousine Comission (TLC) deshalb auch zwei andere Modelle: Den Toyota-Kleinbus Sienna und den Geländewagen Ford Escape Hybrid. Letzterer kommt dank seines Elektromotors auf einen relativ moderaten Verbrauchswert von 6,9 Litern - tausend Fahrzeuge sind schon im Einsatz.

Michael Bree hält den Allradler für eine denkbar schlechte Alternative. "Altere Leute können nicht gut einsteigen. Und für große Fahrer wie mich ist das auch nichts. Ich fühle mich wie in einem rollenden Sarg." Auch für TLC-Chef Matthew Daum ist der Escape eher ein Notnagel: "Wir sind frustriert, dass wir nicht mehr Kontrolle haben", klagte er unlängst.

Kein Entrinnen für die Kunden

Kein Entrinnen für die Kunden

Umweltfreundlich, behindertengerecht, optisch ansprechend und robust soll das neue Taxi sein - doch bei keiner großen Autofirma ist New York bisher fündig geworden. Obwohl abzusehen ist, dass mittelfristig viele Großstädte Bloombergs Ökotaxi-Idee aufgreifen dürften, ist das Interesse der Hersteller bisher nicht allzu groß. Die TLC hat deshalb ihre Vorstellungen des "Taxis von Morgen" im Web veröffentlicht und hofft bis Ende April auf Angebote.

Was sich die Behörde wünscht, klingt ein wenig nach eierlegender Wollmilchsau: Weniger wuchtig soll das Futurecab sein - aber innen geräumiger. Mehr Komfort für den Fahrer soll es bieten - aber auch für den Fahrgast. Auch ein "ikonisches Design, welches das Taxi zu einem New Yorker Identifikationsmerkmal macht" sei ebenfalls Bedingung. Auf eine Antriebsart sei man nicht festgelegt, sagt ein TLC-Sprecher. "Wir wollen zunächst mal ausloten, was möglich ist".

Kritiker befürchten, dass Bloombergs Pläne die Kundschaft vergrätzen könnten. Der Escape, moniert Ronald Sherman vom Unternehmerverband Metropolitan Taxicab Board, schneide bei Crashtests schlechter ab als der Victoria. Zudem glauben einige Taxifirmen, dass die Fahrgäste an Limousinen gewöhnt sind und nicht im Geländewagen oder gar in kleinen Ökovehikeln durch die Stadt transportiert werden wollen.

Voraussichtlich hat die Kundschaft im streng regulierten New York jedoch keine andere Wahl. Denn auch die Yellow Cab-Alternative, die so genannten Black Cars, will Bloomberg auf grün trimmen. Auch die vor allem im Bankendistrikt und in Midtown anzutreffenden Lincoln-Limousinen müssen demnächst mit deutlich weniger Sprit auskommen.

Auch wenn das Autoangebot derzeit mager ist - die Stadt scheint fest entschlossen, ihren Plan durchzuziehen. Bereits im Herbst 2009 dürfen auch keine 9,4-Liter-Taxis mehr zugelassen werden, sondern nur noch Autos mit einem Maximalverbrauch von 7,8 Litern - bis 2013 soll der Wert auf 4,7 Liter sinken.

"Wir freuen uns, dass wir Stadtverwaltungen in aller Welt als Vorbild dienen dürfen", tönt TLC-Chef Daus. In Seattle und Boston gibt es ähnliche Pläne wie in New York - in Deutschland hingegen nicht. Dort ist das vorherrschende Taxi die E-Klasse von Mercedes - die dürfte ab 2009 in Manhattan gar nicht mehr fahren, weil sie zu durstig ist.

Yellow Cabs: Von Spritfressern und Sparmobilen

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