Kia-Studien Drache und Diva

Die koreanische Marke Kia setzt in diesem Autojahr zweifellos einen optischen Glanzpunkt. Designchef Peter Schreyer serviert drei Kleinwagenvariationen - schrill, peppig, überraschend. Abgekoppelt vom Ökotrend geht in diesem Fall Optik vor Hightech.

Genf - Ein Kleinwagen, drei Typen: Kia Soul heißt das Auto eigentlich, doch auf dem Messestand in Genf standen Modelle mit den Zusatznamen Burner, Diva und Searcher. "Dieser Strauß von Autoideen soll zeigen, dass der kommende Serienwagen, den wir auf dem Pariser Autosalon im Herbst vorstellen werden, sehr viele Zielgruppen ansprechen wird", sagt Kia-Designchef Peter Schreyer.

Der Deutsche, der vor seinem Engagement als Kreativkopf der koreanischen Marke bei Audi und VW für das Design verantwortlich war, soll nicht nur ansehnliche und erfolgreiche Fahrzeuge entwerfen, sondern auch das Image von Kia wandeln helfen.

"Wir haben ganz bewusst eine eigenwillige Gestaltung gewählt", sagt Schreyer über das Studien-Trio in Genf. Das Modell Burner sei der "Bad Boy" der Truppe. Schwarz mit Drachen-Tattoo quer über dem Auto, mit roten Zierstreifen, mit Ledersitzen in Schuppenoptik, mit rot pulsierenden Leuchtringen um die Lautsprecherboxen in den Türen und mit feuerrotem Armaturenbrett. "Das Modell Diva wiederum haben wir leicht ins kitschige überzogen", gibt Schreyer zu. Weiß und Gold sind die dominierenden Farben, die Sitze sind mit Kunstleder bezogen und sehen mit ihren übertriebenen Stickereien aus wie übergroße Handtaschen.

Schrille Design-Details

Das dritte Modell namens Searcher schließlich gibt den Ruhepol. Im Bordmonitor fällt in regelmäßigen Abständen ein Wassertropfen in einen Pool, so dass konzentrische Wellenringe entstehen. "Ein bisschen Zen-Atmosphäre", nennt Schreyer das Ambiente mit Filz auf den Sitzen und dem Boden, mit abgewetztem Leder auf der Armaturentafel und der Heckklappe und mit grünen, beigen oder braunen Farbtönen, wohin man auch blickt.

Er hoffe, sagt Schreyer, dass ein Teil der vielen Ideen "wenn schon nicht in das Serienmodell, dann zumindest in ein Accessoireprogramm für den Kleinwagen Soul zu retten". Zumindest zeigen die Studien eindrücklich, wie unterschiedlich im Grunde identische Autos wirken, sobald nur einige Details verändert werden. "In solchen Besonderheiten sehe ich die Chance, dass der Wagen etwas Kulthaftes bekommen könnte", sagt Schreyer.

Das vor allem ist sein Job: Aus Kia, dem einstigen Billiganbieter aus Fernost, eine Lifestyle-Marke zu machen, die peppige Autos mit erfrischendem Design anbietet. Wie das aussehen könnte, deutet Schreyer immer wieder an. Auf der IAA im vergangenen Herbst mit der hinreißenden Coupé-Studie Kee, jetzt mit den drei originellen Kleinwagen, in der kommenden Woche auf der New York Motorshow mit einer weiteren Coupé-Studie, wie zu hören ist. Schreyer: "Ich möchte für Kia vor allem eine prägnante, jederzeit wieder erkennbare Frontpartie entwickeln. So ein durchgängiges Element ist wichtig als Fundament für eine Marke."

Globales Design - warum nicht?

Globales Design - warum denn nicht?

Schreyer glaubt an ein global funktionierendes Design. "Warum denn nicht?", fragt er. Ein BMW oder VW sehe doch auch überall auf der Welt gleich aus - und ein iPod sowieso. Es sei wichtig, in Zeiten der nahezu grenzenlosen Mobilität, überall auf der Welt - zum Beispiel auf dem Mietwagenparkplatz - einen Kia auf den ersten Blick erkennen zu können. Dies ist das eine.

Andererseits gibt es immer wieder auch skeptische Stimmen von Designexperten, die eine zu starke Konzentration auf optisch gleiche Details als zu eintönig und auf Dauer langweilig oder sogar beliebig empfinden.Bei Kia wird das so schnell nicht passieren. "Denn noch gibt es ja gar kein einheitliches Erscheinungsbild aller Kia-Modelle", wie Schreyer feststellt.

Und natürlich, so sagt er, könne man bestimmte Spielereien bei einem Kleinwagen zwar wagen, keineswegs aber bei einer großen Limousine. Ebenso wie sich gewisse Charakteristika von einem SUV nicht einfach auf eine Großraumlimousine oder ein Coupé übertragen lassen. Es kommt auf wesentlich subtilere optische Reize an, durch die ein einheitliches Markendesign entsteht. Die drei Soul-Studien von Kia zeigen, wie so etwas aussehen könnte.

Fotostrecke: Drei Variationen auf einen Kia

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