Neue Kleinstwagen Zwergenparade

Sie geizen sowohl mit Platz als auch mit Sprit, sind in puncto Ausstattung aber ambitioniert wie die Großen. Sparsame und trotzdem schicke Kleinstwagen sind schwer im Kommen. Beim diesjährigen Genfer Autosalon geben sieben der Knirpse ihr Debüt.

Hamburg - "Ein neuer Trend wird sichtbar", sagt Automarktforscher Ferdinand Dudenhöffer. Er hat ausgerechnet, dass in den nächsten vier Jahren 51 neue Klein- und Kleinstwagen auf den Markt kommen werden. Für viele Kunden kommen die Knirpse gerade recht, denn explodierende Spritkosten, die erwartete Besteuerung nach dem CO2-Ausstoß sowie ein allgemein ungutes Gefühl, weiter mit überdimensionierten Spritschleudern unterwegs zu sein, lassen Autozwerge zunehmend attraktiv werden.

Auch die Hersteller geben in diesem Segment Gas, denn die kleinen Autos mit den mageren Verbrauchswerten helfen ihnen, ihre CO2-Bilanz zu verbessern und dennoch möglichst große Stückzahlen aufrechtzuerhalten.

Schon jetzt gibt es in der kleinsten Autoklasse, die das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg in seinen Statistiken führt, eine ordentliche Auswahl. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland knapp 160.000 der Minimobile neu zugelassen – allen voran der Prototyp dieser Auto-Spezies, der Smart nämlich. Mit 31.171 Exemplaren ist der 2,70 Meter lange Zweisitzer der Marktführer im Segment der Kleinstwagen. Demnächst bekommt er reichlich Konkurrenz.

Denn beim Autosalon in Genf (6. bis 16. März) enthüllt Toyota die Serienversion des Knirpses iQ. 2,98 Meter misst das Wägelchen in der Länge, es bietet drei Sitzplätze für Erwachsene plus einen Notsitz für Kinder, der aber auch eingefaltet werden kann, um Platz für Gepäck zu schaffen.

In etwa einem Jahr soll der Verkauf des Toyota iQ in Deutschland beginnen. Zunächst tritt das Auto mit klassischen Verbrennungsmotoren und Frontantrieb an, Toyota plant aber auch, irgendwann später den Antrieb des Zweitürers zu elektrifizieren.

Interessant ist jedoch auch – außer den Innovationen, durch die der iQ so kompakt wird – die Positionierung des Fahrzeugs. Denn eigentlich ist Toyota mit den Modellen Aygo (ab 9350 Euro) und Yaris (ab 12.190 Euro) in der Kleinwagenklasse schon ganz gut vertreten.

Das Neue Modell soll aber weder als Minimalmobil noch als kleiner Alleskönner positioniert werden, sondern als schickes Lifestyle-Wägelchen. Weil der iQ auf eine Kundschaft zielt, für die ein Auto dieses Formats eher Accessoire als Fortbewegungsmittel ist, dürfte der Preis wohl klar über 10.000 Euro liegen.

Trend zum Lifestyle-Mobil

Trend zum Lifestyle-Mobil

Auf Spaß-, Spiel- und Modemobil trimmen auch andere Hersteller ihre neuen Kleinstwagen. Der in Genf gezeigte Suzuki A-Star beispielsweise soll auch noch eine sportliche Note nach Lilliput bringen und dennoch mit einem CO2-Ausstoß von 109 Gramm je Kilometer als Ökomobil punkten.

Der Wagen wird ebenfalls für nächstes Frühjahr in Deutschland erwartet. So konkrete Informationen gibt es bei Kia noch nicht, doch fest steht, dass die koreanische Marke auf dem Autosalon die Zwergauto-Studie Soul in gleich drei Varianten zeigen wird.

Überhaupt drängen sich neue Autos aus Korea in diesem Segment. Denn es kommen noch die Genf-Debütanten Hyundai i10 und der dreitürige Chevrolet Aveo dazu; ergänzt vom japanischen Modell Mazda 2, das auf der Messe ebenfalls erstmals in einer dreitürigen Variante gezeigt wird. Zwar fallen diese Mobile nicht unbedingt als Trendmobile auf, doch längst treten auch sie mit einem ansehnlichen, fröhlich-erfrischenden Design an – und mit ausgereifter Technik.

Ganz klar stilbildend will wiederum der 500 Abarth sein. Kaum dass sich der erste Hype um den kessen Fiat 500, der erst seit vergangenem Oktober in Deutschland verkauft wird, gelegt hat, schalten die Turiner bereits einen Gang hoch und präsentieren die getunte Fassung der Retro-Charmekugel. Mit 1,4-Liter-Benzin-Turbomotor bringt es der Kleine auf erstaunliche 135 PS und punktet bei Motorsportfans mit Rallyestreifen, knallroten Außenspiegelgehäusen und einer Scheinwerfergalerie.

Eine Kleinwagen-Armada steht am Start

Die sieben neuen Autozwerge wären damit komplett, doch es gibt noch eine Zugabe. Zwar eine Nummer größer, aber noch immer kompakt genug, um dem Ideal vom Stadtauto zu entsprechen, stellt Dacia das kompakte Billigmodell Sandero vor, Ford den neuen Fiesta und Opel zeigt die Studie des künftigen Meriva.

Interessant übrigens, dass beide Marken auch im Kleinstautobereich demnächst wieder kräftig mitmischen werden. Ford mit der zweiten Generation des Ka, die im Herbst erwartet wird und sich die technische Basis mit dem Fiat 500 teilt.

Und Opel-Chef Hans Demant erklärte kürzlich: "Für uns ist die Welt unterhalb der Modelle Corsa und Agila noch nicht zu Ende." Immer wieder ist davon die Rede, dass die Rüsselsheimer an einem Minimobil interessiert sind, das in zwei bis drei Jahren mit Komponenten aus den Weiten des General-Motors-Reiches serienreif sein könnte. Dann dürften allmählich auch VW mit seinem bereits mittels diverser Studien avisierten Basismodell Up startklar sein. Kleine neue Autowelt.

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