TV-Ermittler Dienstwagen für Draufgänger

Ohne schnelles Auto keine Verbrecherjagd: Vor allem US-Filmkommissare sind in aufregenden Sportwagen unterwegs, deutsche TV-Gesetzeshüter hingegen müssen sich meist mit biederer Massenware begnügen. Trotzdem träumt wahrscheinlich jeder Bulle von "Bullitt".

Steve McQueen hat es vorgemacht: Spätestens seit er als Lieutenant Frank Bullitt mit seinem scharf gemachten Mustang Fastback durch die Straßen von San Francisco fegte, ist die Verfolgungsjagd im Krimi unverzichtbar. Schauspieler McQueen, ein draufgängerischer Rennfahrer und passionierter Strafzettelsammler, war auch der Produzent des Streifens "Bullitt" und wollte 1968 die spannendste und realistischste Verfolgungsjagd aller Zeiten abliefern.

Hersteller Ford war begeistert vom Werbeffekt und schickte deshalb 1975 einen weiteren Big Block in der Fernsehserie "Starsky & Hutch" auf Verbrecherjagd. Mit seinen geschwungenen weißen Streifen auf tomatenrotem Grund sah der Gran Torino der beiden Film-Polizisten aus wie ein Nike-Turnschuh auf Rädern. Ohne Zebra 3 - so das Funkkürzel des Autos - hätte den 88 Folgen der Serie das entscheidende Etwas gefehlt. Rost - im echten Torino-Leben eine Plage - bereitete David Starsky und Ken Hutchinson ebenso wenig Probleme wie das bockige Fahrverhalten.

Roter Lack ist nicht gerade ideal für Undercover-Ermittlungen, doch auch der Ferrari von Privatdetektiv Thomas Magnum (ab 1980) trug diese Farbe. Das Auto passte prima nach Hawaii, wo Magnum die Unterwelt auf Trab hielt und Inselschönheiten beeindruckte. Das Auto wurde zu Magnums Markenzeichen und war aus der Serie nicht mehr wegzudenken. So scheiterte Porsche etwa mit dem Versuch, den 308 GTS gegen einen 911er auszutauschen.

Strand, Palmen, Bikinis und Ferrari - diese Mixtur gab es nicht nur auf Hawaii, sondern auch im 8000 Kilometer entfernten Miami. In der Kultserie "Miami Vice" ermittelten die Edel-Cops Sonny Crockett (Don Johnson) und Ricardo Tubbs (Philip Michael Thomas) zunächst in einem nachtschwarzen Ferrari 365 GTS/4 Daytona. Allerdings handelte es sich beim Filmauto um eine Fälschung auf Corvette-Basis, die US-Behörden zuvor echten Gangstern abgenommen hatten. Erst in der dritten Staffel löste Ferrari das Dilemma mit einer Sachspende.

Jaguar zickte - und ein Volvo machte das Rennen

Welche Werbewirkung Product-Placement in Fernseh- und Film-Produktionen haben kann, wurde vielfach unterschätzt. Als sich beispielsweise die Produzenten der Serie "Simon Templar" Anfang der Sechziger auf die Suche nach einem Filmauto machten, blitzten sie bei allen angefragten Firmen ab. Selbst als Hauptdarsteller Roger Moore anbot, das damals frisch vorgestellte E-Type Coupé aus eigener Tasche zu bezahlen, weigerte sich Jaguar, ihm an der Warteliste vorbei ein Auto zu verkaufen. Schließlich fuhr er im Film einen Volvo P1800, die Coupé-Version des bekannten Schneewittchensargs. Prompt wurde der schnelle Schwede zum Markenzeichen der Serie.

Auch der schrullige Inspekteur Colombo (Peter Falk) fuhr ein seltenes Auto. Von seinem Peugeot 403 Cabriolet wurden zwischen 1956 und 1961 lediglich 2050 Exemplare gebaut. Mit 56 PS war der Wagen für wilde Verfolgungsjagden zwar völlig ungeeignet, aber Colombo überführte seine Verbrecher ohnehin mit subtileren Methoden. Ans Herz wuchs ihm und den Zuschauern das kleine Cabrio dennoch.

Avantgarde und Massenmobile

Avantgarde und Massenmobile

Nach dem Ende der Serie bestand Peter Falk darauf, dass der offene 403 sicher verwahrt werde. Als Colombo 1988 aus dem Fernseh-Ruhestand zurückbeordert wurde, stellte man fest, dass der Wagen dennoch verkauft worden war. Man fand das Auto schließlich in Ohio - und Columbo durfte weiter Peugeot fahren.

Während bei vielen ausländischen Krimi-Produktionen die Fahrzeugwahl dem Show-Effekt geschuldet ist, legen deutsche Serienmacher mehr Wert auf Authentizität. Die Münchner Kriminalbeamten Stephan Derrick (Horst Tappert) und Harry Klein (Fritz Wepper) fuhren - wie die Kripo dortselbst - BMW-Limousinen. Auch die Dienstwagen anderer deutscher Ermittler sind weit davon entfernt, Autoliebhaber zu begeistern.

Ob Soko 5113, der Kommissar, der Alte, Großstadtrevier oder Tatort - viertürige deutsche Mittelklasse bildet das Gros der Fuhrparks. Selbst das charismatische Ruhrpott-Raubein Horst Schimanski (Götz George) plagte sich zunächst mit Ford-Modellen vom Typ Taunus und Granada herum. Dabei hatten die Kölner durchaus Sehenswertes zu bieten - etwa den sportlichen Escort 2000 RS und später den Sechszylinder-Capri. Der war übrigens für die britischen Geheimagenten Bodie und Doyle im Einsatz, besser bekannt als "Die Profis".

Schimanski hingegen musste sich durch viele Folgen mit Massenmobilen begnügen. Irgendwann allerdings wechselte er vom simplen Ford in den avantgardistischen Citroen CX 25 GTI Turbo 2 mit 160 PS und einzigartiger Hydropneumatik-Federung.

Die größte Markentreue beweist bisher Claus Theo Gärtner Sein Mattscheiben-Alter-Ego Josef Matula verschliss in 25 "Ein Fall für zwei"-Jahren schon diverse Anwaltspartner. Der Automarke Alfa Romeo blieb er aber ein Vierteljahrhundert lang treu.

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