Mercedes SLK Vom Gleiter zum Sportler

Gibt es bessere Zeiten für eine Roadster-Premiere als den Winter? Nein, wird man bei Mercedes sagen. Erstens fallen jetzt die Kaufentscheidungen. Und zweitens ist der SLK dank Stahlhaube ein Auto für das ganze Jahr. Hier sind erste Fotos des überarbeiteten Modells.

Mercedes schickt den SLK zur Frischzellenkur. Dreieinhalb Jahre nach dem Debüt bekommt die zweite Generation des Klappdach-Roadsters eine neu geschminkte Frontpartie, ein dezent überarbeitetes Heck, ein paar Retuschen im Cockpit und verbesserte Motoren. Letztere sind sparsamer als früher, haben zum Teil deutlich mehr Leistung und sollen den bisweilen etwas braven Roadster vom Gleiter zum Sportler machen.

Man muss zwar zweimal hinschauen, doch immerhin 650 Teile seien ausgetauscht worden, behaupten die Schwaben und rechtfertigen damit den Preisanstieg von rund 500 Euro. Das günstigste Modell kostet jetzt 36.503 Euro.

Zu erkennen ist der Zweisitzer an der noch stärker betonten Formel-1-Nase. Dazu gibt es modifizierte Außenspiegel mit pfeilförmig integrierten LED-Blinkern, eine Kollektion neuer Felgen und das Heck eines Sportlers. Zwischen den trapezförmigen Endrohren ist nun ein Diffusor angedeutet, die Rückleuchten sind im Stil der AMG-Modelle schwarz eingefärbt.

Mehr Leidenschaft im Design

Auch im Innenraum gibt sich der SLK dynamischer. Nicht nur jene, die das feuerrote Gullwing-Leder aus der neuen Farb- und Musterkarte ordern, soll sich am Steuer eines Sportlers fühlen. Ein griffigeres Lenkrad und stärker zum Fahrer geneigte Instrumente werden, so hofft Mercedes, bei allen Kunden etwas mehr Leidenschaft wecken. Neue Musik- und Navigationssysteme mit standardmäßigem Bluetooth und iPod-Anschluss sind ebenfalls an Bord.

Anders als die Designer hatten die Ingenieure reichlich Arbeit. Sie legten nicht nur die Lenkung direkter aus, sondern optimierten auch die Motoren. Der ebenfalls retuschierte SLK 55 AMG fährt zwar unverändert mit einem 360 PS starken V8-Triebwerk vor. Doch darunter gibt es als Neuheit den überarbeiteten V6 des SLK 350, für den Mercedes das Drehzahlniveau anhob und ihn nun als Sportmotor anpreist. Die Leistung steigt um 33 auf 305 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 360 Nm. Der Durchschnittsverbrauch ging indes um 1,1 auf 9,5 Liter zurück.

Als zweiten Sechszylinder gibt es weiterhin den SLK 280, der unverändert mit 231 PS antritt. Auch dieser Motor wurde überarbeitet und verbraucht mit 9,3 Litern nun 0,4 Liter weniger als früher. Der bekannte Zweiliter-Kompressormotor des Basismodells SLK 200 legt auf 184 PS zu und mobilisiert 250 Nm, sein Verbrauch geht um 1,1 auf 7,0 Liter zurück.

Der Klapp-Stahldach-Trendsetter

Mercedes als Klapp-Stahldach-Trendsetter

Zusammen mit dem großen Bruder SL, der diesen Frühling ebenfalls aufgefrischt wird, hat der erste SLK vor gut zehn Jahren den Trend zum versenkbaren Stahldach gesetzt. Mittlerweile fährt in der Kleinwagen-Klasse beinahe jedes Cabrio mit fester Haube, auch in Kompakt- und Mittelklasse ist der Anteil der festen Klappdächer enorm.

Doch unter den Roadstern sind die beiden Schwaben die Ausnahme: Sieht man vom exotischen Daihatsu Copen ab, gibt es sonst nur den Mazda MX-5 und den Lexus SC 430, die ebenfalls mit Falt-Hardtop angeboten werden.

Bei Mazda kostet das feste Verdeck 1750 Euro Aufpreis und kommt auf einen Verkaufsanteil von 50 Prozent. Das neue Dach hat den MX-5 vor dem Absturz gerettet, glaubt Mazda-Sprecher Jochen Münzinger. Weil der Roadster als Dienstwagen durchfällt, hatte er in diesem Jahr besonders unter dem Einbruch des Privatgeschäfts zu leiden. Doch während die privaten Zulassungen um rund 25 Prozent zurückgegangen seien, hat der MX-5 nur 12 Prozent eingebüßt. "Ohne dass Roadster Coupé hätte es uns schlimmer erwischt", urteilt Münzinger.

Traditionell treten Roadster mit Stoffdach an

Dass insbesondere die deutschen Hersteller dem festen Dach mit Skepsis begegnen, liegt vor allem an der Tradition des Roadsters. Ein Stoffverdeck sei leichter als ein festes Dach, es lasse sich einfacher und ohne stilistische Kompromisse im Fahrzeug unterbringen, und billiger sei es obendrein, lauten die gängigen Argumente.

Neid auf das wandlungsfähige Verdeck der Schwaben äußert man bei der Konkurrenz nicht - zumal es bei Audi, BMW und Porsche für Zugempfindliche und Cabrio-Verweigerer das Coupé zum Roadster gibt. Trotzdem rüsten sich die Wettbewerber für das Debüt des aufgefrischten Bestsellers aus Stuttgart.

Porsche bringt im Frühjahr den Boxster als limitierten RS 60 Spyder im Look eines historischen Rennwagens heraus. Bei Audi dementiert man nur noch halbherzig die Pläne für einen TT-S, der mit dem aufgeladenen Direkteinspritzer aus dem S3 auf 270 PS kommen soll. Noch nicht ganz spruchreif ist dagegen eine Diesel-Variante, mit der auch die Ingolstädter ein Alleinstellungsmerkmal hätten.

Mercedes SLK: Der neue Roadster in Bildern

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