Bologna Motor Show Röhrende Motoren, nackte Haut

Zum Jahresende geben viele Autohersteller noch einmal Vollgas und präsentieren echte Premieren. Offroad-Parcours und schöne Frauen machen die Bologna Motor Show zum Ereignis. Neben den Top-Modellen des kommenden Jahres gibt es auch Skurriles zu sehen - wie eine Stufenheck-Limousine mit 200-PS-Dieselmotor und zehn Airbags.

Bologna - Der internationale Messekalender ist voller denn je. Immer kürzere Modellzyklen, immer mehr Fahrzeug-Varianten und vor allem immer mehr Marken machen die Premierenplanung zu einer kniffligen Angelegenheit.

Bei den weltweit renommierten Motorshows in Genf, Frankfurt, Tokio oder Detroit werden den Autoherstellern die Bühnen oft zu voll. Daher wächst die Bedeutung einstiger Regionalmessen, die mit überraschenden Welt- oder Europapremieren vorübergehend zu Branchengipfeln von Rang aufsteigen.

Immer wieder traf dies zuletzt auch auf die Messe in Bologna zu. Sie ist nach dem Aus der Automobilsalons in Turin und Mailand die letzte verbliebene Pkw-Messe Italiens und zählt mit rund einer Million Besuchern auch zu den am besten besuchten PS-Partys der Welt. In Bologna stehen nicht nur hunderte neue Autos, posieren nicht nur attraktive Models europäischen Messezirkus - auch mit Showeffekten wird nicht gegeizt.

Zur Steigerung der allgemeinen Stimmung sind zwischen den Hallen abenteuerliche Offroad-Parcours aufgebaut; am Wochenende werden sogar hochkarätige Rennen ausgefahren. Und noch etwas spricht für die italienische Motorshow, die nach Nikolaus beginnt und bis kurz vor Weihnachten geöffnet ist: Mit dem späten Termin bietet sie den Herstellern die letzte Gelegenheit, ihre neuen Modelle noch im alten Jahr zu präsentieren.

Weltpremieren von Porsche und Opel

Die aktuelle Show hat einige Weltpremieren zu bieten: Opel zeigt in Bologna zum ersten Mal den überarbeiteten Kompaktbus Zafira - an dem man die Neuerungen allerdings mit der Lupe suchen muss. Ebenfalls vorgestellt wird der renovierte Mazda 5.

Toyota zeigt den mit einem neuen V8-Diesel aufgerüsteten Land Cruiser, Hyundai den brandneuen i10, der im Frühjahr die Nachfolge des hausbackenen Atos antreten soll. Dazu feiern in Bologna zwei Japaner Europa-Debüt: Mitsubishi zeigt erstmals auf dem Kontinent den Lancer EvoX, Subaru den Impreza WRX-STI mit Turbo-Motor.

Heimspiel ohne Heimstärke

Heimspiel ohne Heimstärke

Auch die deutschen Hersteller nutzen die Messe als Bühne für den automobilen Jahresabschluss: Auf dem VW-Stand parken erstmals alle drei Spielarten des künftigen Kleinwagens Up! einträchtig nebeneinander. Bei Audi können die Messegäste zum ersten Mal im neuen A3 Cabrio Platz nehmen.

Porsche hat sogar - wenn auch in kleinem Rahmen - eine echte Weltpremiere zu feiern: Der Konzern präsentiert als Debütanten ein Modell der limitierte Sonderserie des Boxsters. Der RS60 Spyder soll an die Rennversion des legendären Typs 718 aus den sechziger Jahren erinnern und im März ab 63.873 Euro in den Handel kommen.

Eher enttäuschend ist der Auftritt der italienischen Marken, die bei ihrem Heimspiel ausschließlich mit Bekanntem auflaufen. Fiat füllt fast eine ganze Messehalle mit allerlei Varianten des 500ers - und lässt ihn von einer Schar attraktiver Damen mit dem Ehrentitel "Auto des Jahres" bekleben.

Vornehm dunkles Markenbild

Alfa Romeo lockt einmal mehr mit dem Sportwagen 8C, und bei Lancia spiegelt der mit alten Bekannten bestückte Messestand das neue, vornehm dunkle Markenbild künftiger Showrooms. Dazu gibt es bei den Nobelmarken Ferrari, Lamborghini und Maserati die übliche Mischung aus glänzendem Blech, röhrenden Motoren (Autos) und viel nackter Haut (Frauen). Da die Werke der drei Sportwagen-Hersteller nur einen Steinwurf vom Messegelände entfernt liegen, kennt hier jeder jeden.

Zum Star der Show mausert sich mangels Alternativen der neue Kleintransporter, den Fiat, Peugeot und Citroen gemeinsam in der Türkei bauen und der im Frühjahr unter den Namen Fiorino, Bipper und Nemo an den Start gehen wird. Nachdem es die kleinen Brüder von Fiat Doblo, Peugeot Partner und Citroen Berlingo bislang nur als Kastenwagen für Handel, Handwerk und Gewerbe gab, rückt das Trio in Bologna in Richtung Lifestyle.

Zumindest Fiat und Citroen werden später familienfreundliche Varianten des Modells nachschieben. Bei Peugeot wird der Bipper unter dem kuriosen Namen Beep Beep zum Renntransporter im Le-Mans-Design. Bei Citroen nimmt man Nemo wörtlich und macht den Wagen zum Unterwasser-Van. Und bei Fiat wird der Fiorino als Globy zum bunten Weltenbummler.

BMW-Plagiat aus China

BMW-Plagiat aus China

Da die großen Sensationen fehlen, verlagert sich die Aufmerksamkeit auf ein paar Exoten, die sonst meist übersehen werden. So wird man in Bologna über den hierzulande weitgehend unbekannten Geländewagen des indischen Herstellers Mahindra aufmerksam. Man staunt bei Tata über die irrwitzige Studie einer Stufenheck-Limousine mit 200-PS-Common-Rail-Diesel und zehn Airbags.

Bei Martin Motors stößt man auf die viel gescholtene China-Kopie des BMW X5, die in Italien bereits ab 27.000 Euro verkauft wird. Ebenfalls ein Blickfang steht beim Karosseriebauer Intercar aus Modena, der den Chrysler 300C auf 6,37 Meter verlängert, mit einer dritten Sitzbank bestückt und zudem mit dem ungewöhnlichsten Kühler der Messe bedacht hat.

Wer trotz dieser Auswahl keinen Traumwagen entdecken kann, der bekommt an den offiziellen Souvenirständen vielleicht noch das richtige Weihnachtsgeschenk: Wo sonst findet der Autonarr Stringtangas im Partnerlook, die groß und breit mit dem Logo einer Motorshow bedruckt sind?

Bologna Motor Show: Die neuen Autos

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