Los Angeles Autoshow Auf in die Zukunft

Nach Frankfurt und Tokio ist die Automessen-Karawane jetzt in Los Angeles angekommen. 14 Weltpremieren stehen auf dem Programm. VW trumpft mit dem dritten Modell seiner neuen Kleinwagenserie auf - dem ökologisch korrekten Kleinbus Space Up Blue.

Bei Volkswagen stand in Kalifornien die Enthüllung des Space Up Blue, des dritten Konzeptautos der neuen Kleinwagenfamilie, auf dem Programm. Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt debütierte bereits der Up, auf der Tokio Motor Show war der Kleinbus Space Up präsentiert worden.

Während sich die optische Überraschung beim dritten Modell der Mini-Sippe naturgemäß in Grenzen hält, ist das technische Konzept umso interessanter. Denn im Heck des Autos steckt diesmal kein Verbrennungs-, sondern ein Elektromotor.

Die 61-PS-Maschine mit einem maximalen Drehmoment von 120 Nm bezieht ihre Energie aus einem Bündel von zwölf Lithium-Ionen-Batterien, die unter den Rücksitzen verstaut sind. Das reicht, so teilt VW mit, für etwa 100 Kilometer Fahrstrecke und damit für einen Großteil aller Autofahrten, die Otto Normalbürger unternimmt.

Außerdem gibt im Vorderwagen des Minivans die von VW entwickelte Hochtemperatur-Brennstoffzelle ihr Weltdebüt. Das Mini-Kraftwerk kann die bis zu 3,3 Kilogramm Wasserstoff, die komprimiert in zwei Tanks in der Mitte des Fahrzeugs mitgeführt werden können, völlig schadstofffrei in Strom umwandeln und damit die Reichweite des Space Up Blue auf insgesamt 350 Kilometer erhöhen.

Das klingt nicht schlecht, zumal VW ansprechende Fahrleistungen für den Prototypen angibt: eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, ein Beschleunigungsvermögen von 13,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 - das ist nicht atemberaubend, aber im Sinne eines effizienten und vor allem sauberen Vorwärtskommens vollkommen ausreichend.

Die im VW-Forschungszentrum in Isenbüttel bei Wolfsburg entwickelte Hochtemperatur-Brennstoffzelle ist durchaus ein Durchbruch in dieser Technik, denn sie ist leichter, kleiner, alltagstauglicher und deutlich billiger herzustellen als die bislang in Versuchsfahrzeugen eingesetzten Brennstoffzellen. Der Grund: Es ist kein aufwändiges Kühl- und Befeuchtungssystem mehr notwendig.

Blick in den Rückspiegel

Blick in den Rückspiegel

Die champagnerfarben lackierte Studie erinnert aufgrund ihrer vier Dachfenster ein wenig an den Samba-Bus aus den 50er-Jahren - und VW möchte gerade beim US-Publikum diese Assoziation sehr gerne wecken, denn der Wagen mit der späteren Hippie-Karriere gilt gerade an der Westküste als Kultmobil.

Mittig auf dem Dach ist ein Solarpanel untergebracht, das ebenfalls Strom für die Batterien liefert. Trotz der üppigen Antriebstechnik wiegt das 3,96 Meter lange Auto lediglich 1090 Kilogramm. Die Wolfsburger scheinen auf der Reise in die Zukunft derzeit tatsächlich flott unterwegs zu sein.

Porsche dagegen blickt auf der Los Angeles Autoshow erst einmal in den Rückspiegel. Die Zuffenhausener nämlich zeigen dort den so genannten Lohner-Porsche, den der damals 24 Jahre alte Ferdinand Porsche für die Weltausstellung des Jahres 1900 in Paris konstruierte.

Das Auto mit den beiden Radnaben-Elektromotoren wurde später um einen Verbrennungsmotor ergänzt und gilt damit als erstes Hybridfahrzeug der Welt. Erstmals ist der denkmalgeschützte Wagen aus dem Technischen Museum in Wien auf einer Automesse außerhalb Europas zu sehen, und Porsche feiert ihn stolz als "eines der ersten Zero-Emisson-Fahrzeuge der Welt".

Der historische Exkurs in die Frühzeit des Automobils soll den Cayenne-Hybrid als logische Fortsetzung dieser Antriebsstrategie erscheinen lassen. Porsche zeigt auch dieses Auto erstmals in den USA, verspricht einen Benzinverbrauch von weniger als neun Liter je 100 Kilometer und kündigt an, den SUV "noch in diesem Jahrzehnt" auf den Markt zu bringen. Im Februar aber prescht erst einmal der schnellste Serienwagen der 911-Baureihe auf den US-Markt. Der 530 PS starke GT2 mit Biturbo-Motor wird 191.700 Dollar kosten.

Hin- und hergerissen zwischen fortschrittlichen Antriebskonzepten und Vollgastypen nach dem bewährten Muster sind auch die meisten anderen Hersteller. General Motors zeigt den Riesen-SUV Cadillac Escalade als Hybridmodell, ebenso den Chevrolet Malibu und den kompakten Pontiac Vibe. Honda wird ein neues Brennstoffzellen-Auto vorstellen und Volvo das Elektro-Modell C30 Re-Charge. Demgegenüber werden Mitsubishi den Lancer Evolution präsentieren, Subaru den neuen WRX STI und Nissan den schon in Tokio vorgestellten GT-R.

Teuerster Serienwagen der Show in Los Angeles dürfte der Lamborghini Reventon sein. 1,4 Millionen Dollar kostet das Auto. Aber wo sonst, wenn nicht hier, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Glamour Hollywoods und zu den Riesengaragen der Stars, Tycoons und Start-Up-Millionäre, ließe sich solch ein Sportwagen losschlagen.

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