Toyota iQ Concept Smart im Kimono

Vor zehn Jahren hat Toyota mit dem Hybridantrieb die automobile Welt verändert. Jetzt wollen die Japaner dem Lauf der Geschichte erneut einen Schubs geben. Es ist ein Winzmobil, heißt iQ Concept und wirkt ziemlich smart. Doch eine ähnliche Idee scheiterte schon mal.

Frankfurt am Main - Thierry Dombreval mangelt es nicht an Selbstbewusstsein: Zehn Jahre des Hybridfahrzeugs Prius haben die automobile Welt verändert, postuliert der Europa-Chef von Toyota, und die Flut europäischer Serienmodelle, die künftig mit Hybridantrieb antreten sollen, gibt ihm recht. Doch nach mehr als einer Million verkaufter Hybridautos in mittlerweile elf Baureihen bei Toyotas Schwestermarke Lexus ist das Thema nicht mehr neu. Und so sondieren die Japaner schon die nächste Baustelle. "Wir müssen unsere Anstrengungen für einen möglichst geringen Einfluss auf die Umwelt beschleunigen", sagt Dombreval. Sein Lösungsvorschlag: der Eintritt "in neue Segmente mit niedrigeren Emissionen". Es geht also um sparsame Kleinwagen.

Einen Ausblick darauf gibt Toyota in Frankfurt mit der buchstäblich smarten Studie iQ Concept, die Dombreval als "kleinsten intelligenten Viersitzer der Welt" anpreist. Mit einer Länge von 2,98 Metern überragt das schneeweiße Showcar den Smart nur um 28 Zentimeter, doch fehlt ihm zum Beispiel zum Fiat 500 ein guter halber Meter. Breite und Höhe der Studie sind allerdings wie gewohnt und sorgen nicht nur für eine brauchbare Kopf- und Schulterfreiheit, sondern auch für einen breiten Stand des Wagens auf der Straße.

Kreuzung zwischen Smart und Aygo

Die Studie ist in astralem Weiß lackiert, doch den in Südfrankreich entworfenen Wagen würde man auch in anderen Farben nicht übersehen. Als wäre man dem Toyota-Kleinwagen Aygo mit einem Beil zu Leibe gerückt, trägt die Studie markante Schmisse und Schnitte im knappen Blechkleid. Dazu gibt es extrem kurze Überhänge, vorn wie hinten dreieckige Leuchten und eine sehr steile Heckpartie. Aus der Ferne und von der Seite betrachtet, erinnert der Wagen fast an einen Smart im Kimono, aus der Nähe gesehen ginge er aber auch als Aygo 2012 durch.

Damit lösen die Japaner einen Zielkonflikt, den Designchef Wahei Hirai der anvisierten, urbanen Kundschaft unterstellt. "Auf der einen Seite wollen sich die Menschen mit einem dynamischen, scharfen und modernen Design ausdrücken. Aber gleichzeitig können sie rationale Faktoren wie die Größe, die Funktionalität und den CO2-Ausstoß nicht ignorieren. Diese Widersprüche wollten wir mit dem iQ-Konzept vereinen."

Außen mag das gelingen. Doch die vier Plätze im Innern sind nicht so ganz ernst gemeint. Im Gespräch räumt Herr Hirai dann auch ein, es handle sich eigentlich um einen 3+1-Sitzer, also mit einem Notplatz im Fond. In der Regel dürfte der iQ sogar nur von Zweien besetzt sein, heißt es im Begleittext zur Studie. Dann wird für den Beifahrer der Sitz weit nach hinten gerückt und das Armaturenbrett stark eingezogen, um Platz für die Knie zu schaffen. Wenn wirklich jemand in den Fond klettern möchte, wird es vorne rechts enger.

Dafür lockt der Kleinwagen mit einem schlichten, aber schicken Innenleben, vor allem im Cockpit. So blickt der Fahrer auf einen weiß-gelben Tacho, der aussieht wie ein Spiegelei – sunny side up. Dahinter wölbt sich über der silberfarbenen Mittelkonsole eine lila bespannte Abdeckung, die wie ein Rochen vor den Augen schwebt. Das Display des Navigationssystems wiederum ragt auf einer transparenten Scheibe ins Blickfeld. Ist die Routenführung aktiv, schimmern dort Grafiken und Pfeile in Gelb. Hat der Pfadfinder Pause, kann man durch den Monitor hindurchsehen.

Welche Art Motor den Kleinwagen einmal durch die Innenstädte bewegen wird, ist den Japanern noch nicht zu entlocken. Ein Diesel, ein Benziner, ein Hybrid? Darauf gibt es keine Antwort. Nur eines ist sicher: Ein Elektroauto wird der iQ nicht – sonst bräuchte er im hinteren Stoßfänger keinen Auspuff.

Natürlich ist das iQ Concept bislang ein Showcar. Doch schon davon könnte laut Dombreval eine inspirierende Wirkung auf den Lauf der Automobilgeschichte ausgehen. Und das smarte Cleverle aus Japan müsse ja kein Messe-Einzelstück bleiben, lässt der Chef durchblicken. "Jedes Auto, das wir entwickeln, ist eine Antwort auf die Wünsche der Kunden und die Anforderungen der Gesellschaft."

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