IAA iAuto - weiße und blaue Geschichten

Wer geglaubt hat, die IAA 2007 werde sich so grün wie ein knackiger Apfel präsentieren, wird eines Besseren belehrt. Zwar nehmen sich fast alle Hersteller einen Apfel zum Vorbild, um ihre Fahrzeuge in Szene zu setzen - aber der ist kein Naturprodukt, sondern Stilikone.
Von Matthias Kaufmann und Arne Stuhr

Frankfurt am Main - Irgendwie muss sich Sparsamkeit mit Kraftprotzerei unter einen Hut bringen lassen. So oder ähnlich mag der Auftrag an die Gestalter der Messestände gelautet haben, um die Autobranche bei ihrem größten Treffen in Szene zu setzen, und zwar so richtig schön öko.

Besonders raffiniert ist das dem Marketing von BMW  gelungen. "Selbst Rot ist jetzt grün", heißt es keck auf einem Plakat an der Halle der Bayern. Die Stopp-Start-Automatik der Bayern macht aus jeder roten Ampelphase eine Abgaspause - bei Grün gibt man Gas wie eh und je.

Das gilt für alle: Egal, welchen Hersteller man auf der 62. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) fragt, die Zukunft gehört trotz der aktuellen CO2-Debatte auch in den kommenden Jahren dem Automobil. Der Wunsch nach individueller Mobilität sei eben trotz gestiegenem Umweltbewusstsein fest in unserer Gesellschaft verankert.

So weit so gut. Doch apropos Individualität. Von einem eigenen Stil in Sachen Präsentation haben sich die Hersteller weitestgehend verabschiedet. Egal auf welchem Stand man sich tummelt, stets sieht es aus wie bei Apple auf der Hausmesse. Es wimmelt von Formzitaten à la iPod, iMac und Co. - nur die vielen Autos dazwischen stören. Das typische Fortbewegungsmittel auf der IAA 2007 ist das iAuto.

Da die prägende "Farbe" der Produkte aus dem Hause Apple nun mal weiß ist, erstrahlen auch viele Hallen und Autos ganz jungfräulich. Vor allem die von Volkswagen  und Toyota  präsentierten Stadtautostudien Up! und iQ versuchen erst gar nicht zu verbergen, wer bei ihrer Geburt Pate stand.

Müsli-Mobile und tanzende Bäume

Müsli-Mobile und tanzende Bäume

Doch auch bei BMW, wo Konzernchef Norbert Reithofer am Dienstag den Reigen der diesjährigen IAA-Präsentationen eröffnete, erinnern schneeweiße Flottenparaden und das kubische Design des Messeauftritts an die Stilikonen aus Übersee.

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Gerade bei BMW konzentrierte sich die Präsentation nahezu ausschließlich auf die Themen Verbrauch und Emission. Und so wurde die wuchtige Studie X6 selbstverständlich auch mit einem Hybridantrieb präsentiert. Nur ist bei BMW - durch und durch Bayern - Umweltschutz eben weiß-blau und nicht grün.

Die Farbkombination trifft man nicht allein am Stand Reithofers an. Nachdem der Farbe Grün bei Automobilisten das Etikett der "Müsli-Mobile" (Originalton Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbands VDA) anhaftet, scheinen sich Blau und Weiß zu den Insignien der Emissionsunschuld zu entwickeln. Weiß, weil es halt sauber ist, Blau, weil die Hersteller ihre sauberen Technologien gern mit der himmelhübschen Vorsilbe "Blue" kennzeichnen.

Bei Mercedes zum Beispiel spricht man von Bluetec, wenn dem Motor durch Zusatzmittel diverse Schadstoffe abgewöhnt werden. Der frisch von Chrysler geschiedene Autobauer Daimler  versuchte, bei seiner Messeeröffnung mit tanzenden Bäumen zu begeistern und das Thema Umweltschutz künstlerisch zu interpretieren. Zusätzlich verzichtete Konzernchef Dieter Zetsche - Hollywood ade - auf schauspielerische Einlagen wie noch vor zwei Jahren, als er mit einem Jeep in die Halle fuhr und demonstrativ die Lederjacke gegen ein Sakko tauschte. Diesmal wählte er eine Bluetec-E-Klasse, um seine ökologisch weiße Weste zu demonstrieren.

Wenig Sparsamkeit bei GM

General Motors auf Sparsamkeit nicht eingerichtet

Bei Audi  hat man es zwar mit der weißen Gestaltung am weitesten getrieben - wer die Galerie des Stands betritt, sollte eine Sonnebrille mitbringen -, dafür hält sich das Unternehmen bei den blau-grünen Themen eher zurück. Markenchef Rupert Stadler wartete mit einem 580 PS starken Audi RS6 Avant auf und schwärmte stolz von schon 2000 verkauften Supersportlern der Baureihe R8. Dem anwesenden Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch, genauso anwesend wie sein Cousin Wolfgang Porsche, schien es trotzdem zu gefallen.

Sonst aber reagiert die Branche erstaunlich konform auf die heimliche Öko-Parole: Kaum einer, der nicht wenigstens in der hinteren Ecke seines Standes ein weißes Auto mit einem Öko-Schriftzug versieht. Übrigens geht daran auch Audi nicht vorbei, wo man auf die guten Verbrauchswerte der kleineren Dieselmodelle verweist, per Außenaufkleber, damit sie nicht übersehen werden.

Selbst in Amerika ist die Debatte inzwischen angekommen. Im Gespräch mit manager-magazin.de gestand Rick Wagoner, Chef von General Motors , leicht zerknirscht ein, dass seine US-Marken auf die neue Sparsamkeit nicht eingerichtet sind. Schwere Geländewagen aus seinem Haus stehen derzeit massenweise bei den Händlern.

Aber auch Wagoner will seine Weste weißen: Bereits in fünf Jahren soll die Hälfte der amerikanischen GM-Produktion mit Motoren ausgerüstet sein, die Bioethanol verbrennen, erklärte er. Da käme ihm das Know-how der schwedischen Konzerntochter Saab zugute, die schon jetzt eine ganze Reihe von Ethanol-Aggregaten anbietet.

Auch deren Stand erstrahlte logischerweise in Weiß. Bis auf zwei schwarze Flecken allerdings: Ein klassischer Saab 900 und das neue Sondermodell Turbo X. Der fährt zwar nicht mit Bioethanol. Aber dafür kann man damit so richtig Gas geben.

IAA 2007: Die eindrucksvollsten Neuvorstellungen

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