Mercedes-Neuheiten Grüne Hoffnung

Das Thema Hybridantrieb haben die deutschen Hersteller verpasst, nun setzen sie zur Aufholjagd an. Auch bei Mercedes-Benz heißt es Spritsparen. Auf der IAA zeigen die Stuttgarter gleich 19 grüne Modelle.

Frankfurt am Main - Nachdem es bei Mercedes in der Hybrid- und CO2-Diskussion über Jahre hinweg unvorteilhaft still war, feilt der Erfinder des Automobils auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) an einem grüneren Image: Unter dem Motto "Faszination und Verantwortung" stellen die Schwaben 16 Serienautos und eine Studie vor, die beweisen sollen, dass sie bei Ökotechnologien durchaus vorne mitspielen können.

Zwar gehören zu den Autos für Frankfurt auch ordinäre Sparmodelle, bei denen lediglich die Aerodynamik verbessert oder statt des Benzintanks ein Gastank eingebaut wurde. Doch auf der IAA steht auch der Smart Diesel mit Start-Stopp-Automatik, der mit einem Verbrauch von 3,0 Litern und einem CO2-Ausstoß von 78 Gramm die Messlatte für das sparsamste Auto der Republik noch einmal tiefer legt.

Mercedes enthüllt außerdem weitere sieben Hybrid-Fahrzeuge, ein halbes Dutzend neuer Bluetec-Diesel und kündigt für 2010 eine Kleinserie von Brennstoffzellenfahrzeugen an. Nicht alles dabei ist neu oder revolutionär, doch allein dank der schieren Größe dieser Ökoflotte bekommt der Stern einen grünen Glanz.

Nun also setzt auch Mercedes auf Hybridautos

Den Hybridantrieb bringt Mercedes 2009 in der M-Klasse an den Start. Dafür kombinieren die Schwaben einen 265 PS starken V6-Benziner mit zwei Elektromotoren, die mit 140 Newtonmeter und zusammen 56 PS leisten. Das macht den ML 450 Hybrid mit 7,7 Litern und 185 Gramm CO2-Ausstoß zu einem relativ sparsamen Geländewagen. Auch in die S-Klasse soll die Technik eingebaut werden.

Dort, und vorerst wohl nur in den USA, nutzt Mercedes zwar denselben Benziner, beschränkt sich aber auf einen zusätzlichen Stromer, der auch nur auf 20 PS aber dafür auf 260 Newtonmeter kommt. Er hat die Form einer Scheibe und wird zwischen Motor und Getriebe geschoben. Der lädt als Generator nicht nur die Lithium-Ionen-Akkus und schaltet den Motor an der roten Ampel ab und bei Grün wieder an, sondern wirkt beim Anfahren auch wie ein Turbo: Trotzdem fällt der Verbrauch auf 7,9 Liter, sodass die S-Klasse mit einem CO2-Ausstoß von 190 Gramm pro Kilometer (g/km) auskommt.

Exotischer Mix zum Spritsparen

Exotische Kombinationen für weniger Spritverbrauch

Weil die Anforderungen für die einzelnen Modelle und Märkte unterschiedlich sind, bündelt Mercedes die Entwicklungen in einem modularen Antriebssystem, das je nach Fahrzeugklasse, Einsatzprofil und Kundenwunsch zusammengefügt werden kann. Für Frankfurt haben die Schwaben in diesen Baukasten vor allem optimierte Verbrennungsmotoren, die Abgasreinigungstechnologie Bluetec und eine Reihe von Hybridmodulen gelegt, aus denen sämtliche Fahrzeuge bestückt werden können

2010 kommt - jeweils kombiniert mit Bluetec - ein V6-Dieselhybrid im S 300, der 5,4 Liter verbraucht und 142 Gramm CO2 ausstößt, 2011 wird es im S 400 einen V8-Diesel mit elektrischer Unterstützung geben, der mit 5,8 Liter zufrieden ist und 154 Gramm CO2 ausbläst.

Dann will Mercedes den Hybrid auch in der E- und C-Klasse zum Einsatz bringen. In beiden Fällen nutzen die Schwaben den 204 PS starken V6-Diesel als Basis und erreichen damit in der E-Klasse 5,1 Liter (CO2: 133 g/km) und in der C-Klasse 4,7 Liter (125 g/km). Nach der Überzeugung der Entwickler wird es aber langfristig nicht beim Verbrennungsmotor bleiben. Einmal mehr unterstreichen sie deshalb ihr Vertrauen in die Brennstoffzelle und kündigen für 2010 eine erste Kleinserie auf Basis der B-Klasse an.

Forschungsauto mit Benzin-Selbstzündermotor

Ein Wagen bleibt indes fürs Erste nur eine Vision: das Forschungsauto F-700. Dieses Fahrzeug ist das Schmuckstück der Sparerflotte, weil es Format und Fahrleistungen einer luxuriösen Reiselimousine mit dem Verbrauch einer A-Klasse ermöglicht. "Keine große Limousine in der Geschichte des Automobils hat einen derart niedrigen Verbrauch", behauptet Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Dafür soll ein sogenannter Diesotto-Motor sorgen.

Mit dem Ziel, den Benziner so sparsam zu machen wie den Diesel, und den Diesel so sauber wie den Benziner, haben die Schwaben beide Verbrennungsverfahren zusammengeführt und nun zum Laufen gebracht.

Im Grunde handelt es sich um einen Benzinmotor, der selbst zündet. Aus nur 1,8 Litern Hubraum schöpft dieser Vierzylinder dank Turbolader und Hybridmodul 258 PS und 480 Newtonmeter und ermöglicht damit erstaunliche Fahrleistungen. Obwohl das Auto rund 1,7 Tonnen schwer ist, soll es nur 5,3 Liter verbrauchen und 127 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Ob es je gebaut wird, steht in den Sternen.

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