Nissan-Studie Mixim Batman lässt grüßen

Eine Playstation auf Rädern? In der futuristischen Nissan-Studie Mixim sucht man unweigerlich nach Joystick und Münzeinwurf. Der Flügeltürer soll besonders Computerkids für das Auto begeistern.

Für den fetzigen Sportwagen 350 Z sammelte Nissan zwar viel Lob ein - im Kleinwagen-Segment hat der japanische Autohersteller bisher hingegen wenig Aufregendes zu bieten. Das soll sich ändern: "Es wird ein sportliches Auto unterhalb des 350 Z geben", verspricht Nissan-Sprecher Michael Schweitzer. Ein erster Entwurf war der kleine Roadster Urge, den Nissan vor einigen Jahren auf der Motorshow in Detroit enthüllte. Als zweites Denkmodell kommt nun zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) der Mixim.

Nach Angaben von Francois Bancon, der das Nissan-Forschungslabor in Tokio leitet, richtet sich der Wagen vor allem an jugendliche Kunden, die den Löwenanteil ihrer Freizeit in Online-Welten wie Second Life oder Everquest verbringen, anstatt sich hinter das Steuer eines realen Autos zu setzen.

Entsprechend verwegen ist das Design: Vor allem der Innenraum des Mixim erinnert mehr an eine Spielhölle auf Rädern als an einen konventionellen Pkw. Tief unten in einer sportlichen Schale sitzt man wie ein Pilot hinter zwei zum Lenkrad verschmolzenen Joysticks, lässt den Blick über mehr Monitor- als Fensterfläche schweifen und sucht unweigerlich nach dem Münzeinwurf.

Doch der Mixim ist kein neues Telespiel in der Daddelhalle, er ist ein ausgewachsenes Auto. Die Landkarte zeigt eine echte Strecke, die Zahlen auf dem Bordcomputer kommen nicht aus dem Zufallsgenerator, und das Bild auf dem großen Zentralmonitor ist trotz der eingeblendeten Vorderräder keine Vision der Programmierer, sondern eine Aufnahme der Inboard-Kamera.

Mini-Monster mit drei Sitzen

Der Mixim ist kein Ego-Shooter: Etwas versetzt hinter dem Fahrersitz gibt es links und rechts noch zwei weitere Plätze, und im Fall der Fälle kann man sogar einen Notsitz aus dem Kofferraumboden klappen. Um die internetaffinen Kunden in den Wagen zu locken, haben die Designer sich auch bei der Karosserie von Computerspielen inspirieren lassen und optisch das Böse gesucht.

"Wir haben ihn als eine Art 'Mini-Monster' konzipiert, mit einer grimmigen Ausstrahlung. Wir wollten eine Ikone für die digitale Generation, etwas, das jenseits aller Schönheitsideale ihrer Eltern liegt," sagt Masato Inoue über den nur 3,70 Meter kurzen Donnerkeil, der aus LED-Scheinwerfern böse funkelt, eine Frontscheibe hat, die an das Antlitz von Darth Vader erinnert und von der Seite aussieht, als hätte man einem Kampfjet Heck und Flügel abgeschnitten. Obwohl er kleiner ist als der Micra, wirkt der Mixim mit längerem Radstand, flachem Dach und breiter Karosserie wie ein Sportwagen.

Zwei Elektromotoren treiben das Gefährt an

Zwei Elektromotoren treiben das Gefährt an

Auch beim Antrieb wahrt er die Nähe zum Computerspiel: Wie ein Rechner läuft er nicht mit Benzin, sondern mit Strom. Der treibt gleich zwei Motoren an, mit denen Nissan das Elektroauto in Fahrt bringen will. In der Studie haben sie je rund 80 PS und sitzen separat auf den beiden Achsen, so dass der Dreisitzer sogar zum Allradler wird. Weil der Wagen nur 950 Kilo wiegt, reicht die Motorkraft für ein Tempo, das den Mixim hurtig aus dem Feld der politisch korrekten Spaßbremsen katapultiert. Denn ein Ende findet die Raserei erst bei 180 km/h.

Ihre Energie schöpfen die Motoren aus einem flachen Lithium-Ionen-Akku, die im Wagenboden versteckt ist. Er wiege nur halb so viel wie ein konventioneller Akku und habe trotzdem die anderthalbfache Kapazität, behaupten die Entwickler. Außerdem müsse er nicht vier oder acht Stunden, sondern nur 20 bis 40 Minuten an die Steckdose.

An ähnlichen Schnelllade-Stromspeichern arbeiten die meisten größeren Hersteller. Weil sich Lithium-Ionen-Akkus aber unter bestimmen Umständen überhitzen können oder sogar in Flammen aufgehen, hat bisher kein Hersteller eine marktreife Version parat. Vorreiter Toyota hat die Einführung dieser Akkus wegen technischer Probleme gerade erst um ein paar Jahre verschoben.

Bancon allerdings ist überzeugt, dass Nissen gemeinsam mit seinem Partnerunternehmen NEC die offenen Fragen schnell beantworten kann. "Diese Studie zielt auf das Jahr 2010, bis dahin sollten wir soweit sein", sagt der Forschungschef.

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