Caravans Wunderbare Spielmobile

Freistehende Kingsize-Betten, Elektronik-Spielereien, Wohlfühlbeleuchtung und Wellness-Ausstattung im Bad. An Gelsenkirchener Barock erinnert bei den neuen Caravans so gar nichts mehr. Kein Wunder: Viele Wohnmobilbauer lassen sich mittlerweile vom Jachtdesign inspirieren.

Düsseldorf - Der Begriff Reise- oder Wohnmobil sagt eigentlich schon alles: Solche Fahrzeug sollen unterwegs eine Unterkunft bieten und Unabhängigkeit mit Wohnlichkeit verbinden. Dazu sind verschiedene Dinge notwendig. Zum einen die Fahrzeuge, bei denen derzeit im Hinblick auf Neuerungen kaum Handlungsbedarf besteht.

Schließlich haben nahezu alle Hersteller im vergangenen Jahr ihre Produkte auf die neuen Basisfahrzeuge umgestellt, so dass Airbags oder ESP bereits zum Standard zählen. Der Caravan Salon in Düsseldorf (noch bis 2. September) zeigt, dass es bei den Neuheiten dieses Jahres vor allem um den zweiten wichtigen Faktor des mobilen Reisens geht: den Wohnkomfort und die Ausstattung der Innenräume.

"Wenn zwei technisch gleichwertige Fahrzeuge zur Wahl stehen, wird im Endeffekt meist das gekauft, bei dem die Ausstattung besser gefällt", erklärt Bernd Woschack, Vertriebsleiter des Herstellers Carthago, den Stellenwert des Innenlebens. Laut dem Deutschen Camping Club (DCC) in München gibt es in Sachen Innenraum daher auch gleich eine ganze Menge an Trends zur Käufer-Überzeugung - vom besseren Schlafkomfort bis hin zum Siegeszug von Elektronik und Multimedia.

Maritimer Flair

Weil man sich im Urlaub nun einmal gerne ausruht, steht das Bett ganz oben auf der Liste. Zu beobachten ist, dass nicht mehr auf einzelne Liegestätten gesetzt wird. Ralph Binder, Sprecher des Caravaning Industrie-Verbands (CIVD) in Frankfurt/Main, macht vielmehr einen Trend zu wahrhaft "königlichen" Bettengrößen aus: "Zu den Highlights gehören sicherlich die freistehenden Kingsize-Betten." Diese sind nicht mehr irgendwo an der Wand befestigt, sondern stehen zur besseren Zugänglichkeit im Raum. "Solche Betten gab es bisher eigentlich nur in den wirklichen Traummobilen, jetzt kommen sie auch in kompakteren Modellen zum Einsatz."

Licht an, alles hell - so funktionierte die Beleuchtung in Reisemobilen bisher meist. "Jetzt setzt man mehr auf einzelne Lichtinseln", so Binder. Das bedeutet, dass einzelne Areale wie die Sitzecke gezielt ausgeleuchtet werden, es also weg vom Lichtstil einer Bahnhofsvorhalle geht. Dabei geht es laut dem DCC auch um mehr Variabilität. So finden sich in einigen Fahrzeugen im Schlaf- oder Sitzbereich einzelne Halogenspots, die leicht entfernt und anderswo wieder befestigt werden können.

Als großer Fortschritt in Richtung modernes Wohnen wurde in den vergangenen Jahren der Verzicht auf Gelsenkirchener Barock mit Möbeln in Eichenoptik gepriesen - stattdessen kamen verstärkt helle Hölzer zum Einsatz. Eine aktuelle Entwicklung mag nun manchen Kritiker schockieren: "Es geht wieder mehr zum dunklen Holz oder zur Kombination von hell und dunkel", erklärt Ralph Binder. Eine Rückkehr zur alten Spießigkeit ist damit jedoch kaum verbunden. Schließlich zeigt auch der Besuch im Möbelladen derzeit, dass die Furniere modischer Möbel wieder dunkler werden.

Wellness computergesteuert

Wellness computergesteuert

Außerdem haben sich die Hersteller bei der Wahl der Holztöne ohnehin nicht von Omas Schrankwand inspirieren lassen: "Wir arbeiten mit einem Jachtdesigner zusammen, bringen nun Elemente des Jachtbaus auch in die Fahrzeuge", sagt etwa Bernd Woschack. Das zeigt sich unter anderem in sogenannten Bicolor-Optiken, die dunkle Hölzer mit magnolienfarbenen und neunfach lackierten Klappen verbinden. Auch der Bodenbelag mit Sisalteppichen und einem Laminat im Schiffsboden-Design soll an die schwimmenden Vorbilder erinnern.

Und dann ist da noch das Thema Multimedia. Vor allem der Bereich Fernsehen hat sich gewandelt: Zur Freude der Hersteller haben die schweren Röhrengeräte mittlerweile fast ausgedient und werden von Platz sparenden und leichten Flachbildschirmen ersetzt. Der Einbau riesiger Schränke ist also nicht mehr notwendig. Die Bildschirme werden laut dem DCC zudem ins Raumdesign einbezogen, unter anderem als Raumteiler. Außerdem wird die Elektronik vernetzt, so dass etwa der Bildschirm der Rückfahrkameras auch Strom- und Wasserstand anzeigen kann. Und die Bilder des DVD-Players im Armaturenbrett werden auf den Fernsehschirm im Wohnbereich übertragen.

Wer sich allerdings nicht gerne den großen Trend-Richtungen anschließt, der findet in Düsseldorf auch individuelle Lösungen. So stellt Space Camper aus Darmstadt den "Space Camper light" vor: Hier sind die Ablagemöglichkeiten mit einem "Klickfix-Konzept" variabel gestaltet, so dass sich zum Beispiel das Geschirr direkt in der Küche des Hauses einpacken lässt. Das Behältnis wird dann samt Inhalt im Fahrzeug befestigt.

In der absoluten Oberklasse der Luxus-Reisemobile wäre so etwas völlig fehl am Platz. Hier gibt es gänzlich andere Wünsche: "Zum Beispiel will man ein Auto mitnehmen, und zwar eines, mit dem man auch gerne fährt", sagt Stephanie Volkner, Geschäftsführerin von Volkner Mobil in Wuppertal. Ein Fahrzeug wie der ab eine Million Euro teure Performance hat daher zwischen den Achsen in einer patentierten Garage Platz für Fahrzeuge der Kategorie eines Mercedes SLK.

Im Innenraum herrschen Bodenbeläge aus Stein und Lederbezüge auf den Sitzen vor. Die Kleiderschränke sind nicht nur auf das Stapeln von Pullovern und Jeans ausgelegt. "Es gibt unter anderem auch einen Extra-Kleiderschrank speziell für lange Garderobe." Dazu kommt dann noch reichlich Elektronik in Form des sogenannten Brain-Piloten. Die sorgt dafür, dass im Innenraum alles wunschgemäß und automatisch abläuft. Zum Beispiel, dass das Bad ab 7.00 Uhr morgens automatisch vorgeheizt wird, damit niemand beim Gang unter die - selbstverständlich vorhandene - Massagedusche eine Gänsehaut bekommt.

Heiko Haupt, dpa

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