Taxifahrt Immer am Netz

Im Taxi fernsehen - in New York soll das schon bald eine Selbstverständlichkeit sein. Bis Ende des Jahres müssen die gut 13.000 Wagen der berühmten gelben Flotte in der Millionenmetropole mit einem modernen Video- und Zahlsystem ausgestattet werden. Die Taxifahrer sind von der Innovation allerdings gar nicht begeistert.

New York - Der Gast im hinteren Teil der Limousine soll schon bald auf einem Bildschirm die neuesten Schlagzeilen abrufen, nach einem Restaurant suchen, den Veranstaltungskalender durchstöbern und eigens produzierte Videoclips gucken können. Die Taxis von New York werden diesen Service bis Ende des Jahres ihren Gästen anbieten können. Zudem soll auf einem elektronischen Stadtplan ständig gezeigt werden, welche Route der Fahrer durch den Hochhausdschungel wählt. Und beim Aussteigen muss nur die EC- oder Kreditkarte durch das Lesegerät gezogen werden.

"Das ist ein maßgeschneidertes, vernetztes und einzigartiges System zur Verbesserung des Kundenservice", schwärmt der Vorsitzende der städtischen Taxi-Kommission, Matthew Daus. Keine andere Stadt könne mit einem so ausgefeilten High-Tech-Angebot aufwarten.

Doch die Fahrer der gelben "cabs", liebevoll "cabbies" genannt, sind alles andere als begeistert. Die mächtige Taxifahrer-Allianz, die mehr als 8000 Mitglieder vertritt, droht sogar mit einem Streik, sollte die Stadt die Vorschriften im Endspurt nicht noch ändern.

Besonders liegt den Fahrern im Magen, dass sie zusätzlich zu den Geräten für den Fahrgast ein spezielles Navigationssystem einbauen müssen. Die Taxi-Zentrale sieht so alle Fahrzeuge auf dem Bildschirm und kann jede Route, jeden Schlenker verfolgen.

"Das ist ein Eingriff in die Privatsphäre, eine 24-Stunden-Überwachung in einer Branche, in der die Arbeiter ohnedies schon ausgebeutet werden", kritisierte die Vorsitzende der Taxifahrer-Allianz, Bhairavi Desai, laut "New York Times" vor wenigen Tagen bei einer Demonstration. Und "Taxidriver" Ley Acey schimpfte: "Es ist wie eine elektronische Fußfessel, die die Gefangenen tragen müssen."

Die Stadtbehörde will den Fahrern über das System Verkehrstipps geben und Schleichwege empfehlen. Außerdem sollen so Fahrzeuge leichter identifiziert werden können, wenn ein Kunde zum Beispiel seine Brieftasche in einem der Autos vergessen hat.

Nur Chaos und Durcheinander

Taxifahrer monieren Gehaltskürzung

"Das ganze System gibt nur Chaos und Durcheinander", fürchtet Eugene Ansah (34) gleichwohl. Der Ghanaer ist seit 1997 in New York und hat sich mit Hilfe von Freunden vor zwei Jahren einen umweltfreundlichen Minivan gekauft. Seine Lizenz, eine auf die Motorhaube genietete Plakette mit der Nummer "4 G 14", muss er von einem Großunternehmer leasen. "Ich komme eh nur knapp über die Runden", sagt er. "Jetzt muss ich das neue Gerät kaufen und künftig für jede Kreditkartenzahlung fünf Prozent an die Bank abführen. Das ist bitter."

Ohnedies ist Taxifahren in New York ein harter Job. Viele der insgesamt 40.000 "cabbies" arbeiten zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Die Hektik in der ständig verstopften Stadt zehrt an den Nerven, die Straßen sind in einem erbärmlichen Zustand. Die durchschnittliche Lebensdauer der Autos - zu 90 Prozent immer noch klapprige, spritfressende Crown Victorias - liegt kaum über drei Jahren. Trotzdem sind die Lizenzen begehrt. Kürzlich wurden zwei der Plaketten für einen Rekordpreis von jeweils 600.000 Dollar (440.000 Euro) verkauft - Summen, die sich nur ein Großunternehmer leisten kann.

Für das neue System mussten sich die Autobesitzer bis Ende Juli für einen von vier Anbietern entschieden haben. Die monatlichen Gebühren liegen je nach Firma zwischen 40 und 70 Dollar. Insgesamt würden sich Anschaffung und Unterhalt nach jüngsten Schätzungen innerhalb von drei Jahren auf 2800 bis 5400 Dollar summieren.

"Wir sind nicht gegen Hightech. Aber dieses System ist unausgegoren und unter dem Strich eine Gehaltskürzung", sagt Bigu Mathew von der Taxifahrer-Allianz. Die Organisation hat 1998 schon einmal einen Streik organisiert, als höhere Geldbußen für kleine Verkehrssünden drohten. 24 Stunden mussten die New Yorker damals auf ihre geliebten "yellow cabs" verzichten - bei dem damaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani kam die Aktion übrigens nicht an.

Nada Weigelt, dpa

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