Peugeot 4007/Citroën C-Crosser Frankreich und der TT

Ein Sportwagen ist er nicht, Peugeots neuer TT. Der 4007 besetzt eine andere Nische, denn TT steht für "Tout Terrain". Mit dem neuen Geländewagen betreten die Franzosen Neuland. Einen Zwilling hat der Allradler allerdings schon: den Citroën C-Crosser.

Die Frage ist keine Überraschung, und trotzdem fällt Peugeot die Antwort schwer: Warum um alles in der Welt haben die Franzosen den Trend zum Geländewagen derart verschlafen? Auf der einen Seite erzählen sie stolz, dass dieses Segment seit 20 Jahren wachse, sich das Zulassungsvolumen in Europa zwischen 1983 und 2006 verzehnfacht hat und dieser Markt als einziger auch für die Zukunft ausschließlich positive Prognosen kennt.

Und auf der anderen Seite müssen sie erklären, weshalb sie, trotz dieser verheißungsvollen Vorzeichen, erst jetzt reagieren. Natürlich können der deutsche Geschäftsführer Olivier Dardart und die Strategen aus Paris nicht zugeben, dass sie den Trend verschlafen haben. Doch gelogen wäre es wohl nicht. "Wir haben uns eben erst einmal auf andere Nischen konzentriert", weicht Dardart aus und erwähnt die CC- sowie die SW-Modelle der Marke - nun ja.

Enge Verwandte

Weil ein später Start besser ist als gar keiner, bringen die Franzosen im September dann also doch den 4007 auf den Markt. Damit betritt Peugeot zwar Neuland. Doch ein neues Auto ist der Wagen nicht. Im Gegenteil: "Weil wir für einen Geländewagen eine eigene Fabrik gebraucht, diese aber nie ausgelastet hätten, kam für uns nur eine Kooperation in Frage", sagt Dardart und erklärt damit die enge Verwandtschaft von Peugeot 4007 und Citroën C-Crosser mit dem Mitsubishi Outlander. Die Allrad-Zwillinge werden aus Japan nach Europa verschifft. Und dann in beiden Fällen ab 33.590 Euro angeboten, wobei ESP, sechs Airbags, Klimaautomatik und Russpartikelfilter Standard sind.

Optisch unterscheiden sich die beiden 4,64 Meter langen Franzosen deutlich: Der Peugeot bekommt eine stark konturierte Citroën Motorhaube und reißt die Front weiter auf als ein Löwe in der Savanne, während bei Citroën wie immer der Doppelwinkel ins Blech geschnitten und mit Chromstreifen betont wurde. Innen dagegen könnten die Unterscheide durchaus größer sein.

Für Mitsubishi war der Outlander ein echter Fortschritt. Doch für die Franzosen sind die weiten Kunststofflandschaften eher ein Rückschritt; es fehlt an Noblesse. Das geht vorne noch in Ordnung. Doch man merkt es spätestens beim Versuch, die Sitzbank für die Fahrgäste sechs und sieben aus dem Wagenboden zu zaubern.

Den besseren Diesel gibt es bei den Franzosen

Den besseren Diesel gibt es bei den Franzosen

Während andere Hersteller an dieser Stelle intelligente Mechaniken installieren, muss hier an billigen Schlaufen gezerrt und gegen starke Federkräfte angekämpft werden. Bei der Demonstration der Konstruktion fällt es selbst Peugeot-Pressesprecher Thomas Schalberger schwer, einen entspannten Gesichtsausdruck zu bewahren. Andererseits muss man diese Übung ja nicht häufig machen. Denn mehr als zwei Behelfsplätze bietet die dritte Reihe angesichts der eingeschränkten Kopf- und Kniefreiheit kaum.

Warum man einen Peugeot kaufen soll statt den zum Teil deutlich günstigeren Mitsubishi, ist für Dardart zum einen eine Frage des Geschmacks. Vor allem aber argumentiert er mit dem neuen Motor: Obwohl der Dieselanteil in diesem Segment bei 74 Prozent liegt, haben die Japaner vorerst nur ein schlappes Pumpe-Düse-Aggregat von VW zu bieten.

Die Franzosen dagegen punkten mit einem neuen Common-Rail-Diesel, der aus 2,2 Litern Hubraum 156 PS schöpft. Optimiert für einen spontanen Antritt, hat er mit bis zu 380 Nm selbst bei 1,7 Tonnen leichtes Spiel: 9,9 Sekunden für den Sprint sind ein respektabler Wert, und über 200 km/h Höchstgeschwindigkeit kann man nicht klagen.

Löwenmarke fängt bei Null an

Das beste Argument aber ist der Verbrauch von 7,2 Litern, mit dem Dardart um "verantwortungsvolle und umweltbewusste Fahrzeughalter" werben will. Trotzdem folgt später auch ein Benziner von Mitsubishi. Der 2,4-Liter hat 170 PS, schafft 191 km/h, verbraucht 9,5 Liter und drückt den Basispreis bei Peugeot um knapp 2500 auf 29.590 Euro.

Auch wenn die Franzosen spät dran sind, verspricht die Aussicht auf weiteres Wachstum noch immer ein gutes Geschäft. Doch während sich Japaner und Koreaner längst etabliert haben und die Deutschen zumindest in der Klasse der großen SUV-Modelle inzwischen einen Namen haben, fängt die Löwenmarke quasi bei Null an.

Bis auf einen bei Steyr für das Militär gebauten Ableger der G-Klasse und ein paar nachgerüsteten Kleintransportern hatte Peugeot bis dato mit Allrad nichts am Hut. Den neuen Kundenstamm aufzubauen ist keine leichte Übung, ahnt Schalberger. "Bislang haben die Leute uns wegen eines solchen Autos nicht gerade die Bude eingerannt." Über die geplanten 500 Zulassungen für dieses Jahr macht er sich angesichts der Begehrlichkeiten aus der Händlerschaft keine Sorgen. Doch für die 2000 Exemplare im nächsten Jahr müssen die Franzosen wohl kräftig trommeln.

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