Autokindersitze Erstmals eine prima Schale

35.000 Kinder werden jährlich auf Deutschlands Straßen verletzt. Jedes dritte davon im Auto. Viele Verletzungen könnten vermieden werden: Durch einen guten Kindersitz, der passt und richtig befestigt ist. Stiftung Warentest hat 27 Autokindersitze geprüft, nennt die besten Modelle und gibt Tipps zur Sicherheit.

Berlin - Autokindersitze mit Isofix-Befestigung sind besonders sicher. Die fest im Fahrzeug verankerten Sitze fahren im Test ganz vorn. Obgleich sie auf der Rückbank montiert werden. Beispiel: Der Maxi Cosi Cabriofix. Mit dem Easyfix-Befestigungssystem schützt dieser Sitz sehr gut. Testsieger, Qualitätsurteil "sehr gut", Note 1,4. Preis: 268 Euro.

Voraussetzung ist ein modernes Auto mit Isofix-Ösen. Das Fahrzeug muss für den jeweiligen Kindersitz zugelassen sein. Die Isofix-Basis des Kindersitzes wird fest mit den Ösen im Fahrzeug verbunden. Den eigentlichen Kindersitz klinken die Eltern auf der Isofix-Basis ein. Ein Stützfuß gibt dem Maxi Cosi Cabriofix zusätzlichen Halt. Auch Recaro geht diesen Weg. Mit Erfolg: Die Isofix-Sitze schützen fast immer etwas besser als vergleichbare Universalkindersitze mit Gurtbefestigung.

Isofix fährt vorn, aber gute auch mit Gurt

Wer Isofix-Anker im Auto hat, sollte diese also auch nutzen. Wenn sie fehlen, ist das wiederum kein Problem. Viele Universalsitze schützen ebenfalls gut. Nicht ganz so gut wie die Isofix-Sitze - aber doch zuverlässig. Beispiel: Babyschalen. Der beste Universalkindersitz der Gruppe 0+ für Kleinkinder bis 13 Kilogramm heißt Maxi Cosi Citi SPS. Qualitätsurteil gut, Note 2,0. Der Citi SPS wird mit Autogurt befestigt. Voraussetzung: ein Standard-Dreipunkt-Gurt wie er in den meisten Fahrzeugen vorhanden ist. Das Kind sitzt im Maxi Cosi Citi entgegengesetzt zur Fahrtrichtung. Wie bei den anderen Babyschalen auch.

Kleinkinder sind entgegengesetzt zur Fahrtrichtung am besten geschützt. Der Kindersitz fängt die Schleuderkräfte bei einem Frontalaufprall ab. Der sicherste Platz für den Kindersitz ist die Rückbank. Auch der Beifahrersitz ist möglich. Wichtig: Wer die Babyschale dort montiert, muss zuvor den Airbag abschalten. Wenn der Luftsack bei einem Unfall explodiert, könnte er das Kind förmlich erdrücken.

Größere Kinder fahren in ihren Sitzen dagegen stets in Fahrtrichtung. Die Nackenmuskulatur ist bei größeren Kindern besser ausgeprägt und der Kopf ist im Vergleich zum Körper nicht mehr so schwer. Gut angeschnallt und geschützt im Kindersitz können ältere Kinder die Schleuderkräfte bei einem Unfall überstehen.

Welche Kräfte bei einem Unfall wirken und wie gut die Kindersitze schützen, analysiert die Stiftung Warentest in Crashversuchen. Gemeinsam mit dem ADAC und anderen Automobilclubs und Verbraucherorganisationen. Im aktuellen Test setzten die Experten erstmals so genannte Q-Dummys ein. Diese neue Generation von Messpuppen liefert noch genauere Daten.

Noch strenger getestet

Auch die Testbedingungen wurden verschärft. Neben dem Frontalaufprall geht der Schutz beim Seitenaufprall jetzt stärker ins Qualitätsurteil ein. Erfreulich: Trotz der hohen Anforderungen fahren viele Kindersitze gute Noten ein. Mit dem Maxi Cosi Cabriofix gibt es sogar erstmals einen sehr guten Autokindersitz im Test.

Einen Sitz für alle gibt es dagegen nicht. Mitwachsende Autokindersitze sollen zwar für verschiedene Altersgruppen taugen, doch das funktioniert nur begrenzt. Beispiel: Chicco Max 3s und Teamtex Newfix SP. Die Anbieter versuchen hier einen großen Spagat. Die Sitze sollen bereits kleine Kinder ab etwa einem Jahr schützen, aber auch zehn- bis zwölfjährige mit einem Körpergewicht von bis zu 36 Kilogramm. Ergebnis: ein fauler Kompromiss. Der Chicco Max ist insgesamt nur knapp ausreichend, der Teamtex Newfix sogar mangelhaft.

Die Crashtestexperten empfehlen stattdessen drei Sitze für ein Kinderleben: Eine Babyschale für die ersten zehn bis 15 Monate, einen Gruppe I Sitz bis zum vierten Lebensjahr und einen mitwachsenden Sitz der Gruppe II/III für die Zeit von vier bis zwölf Jahren. Wichtig: Stellen Sie den Sitz immer optimal auf Ihr Kind ein. Details in den Tipps.

So finden Sie den passenden Sitz

So finden Sie den passenden Sitz

  • Isofix: Prüfen Sie, ob Ihr Auto bereits mit Isofix-Halterungen ausgestattet ist. Isofix-Kindersitze sind meist sicherer, aber nicht für jedes Fahrzeug zugelassen. Beachten Sie die Hinweise der Anbieter. Aktuelle Typenlisten gibt es im Internet.

  • Stütze: Einige Isofix-Kindersitze werden mit einem Stützfuß am Fahrzeugboden abgestützt. Andere Isofix-Sitze haben stattdessen einen dritten Haltegurt oben am Kindersitz. Beispiel: Römer Duo Plus. Nutzen Sie diesen so genannten Top Tether, wenn Ihr Fahrzeug dafür ausgelegt ist. Verbinden Sie den Top Tether mit dem dafür vorgesehenen Ankerpunkt im Fahrzeug. Der befindet sich auf der Hutablage oder dem Kofferraumboden. Beide Systeme, Stützfuß und Top Tether, verhindern, dass der Kindersitz bei einem Aufprall nach vorne kippt. Ihr Kind ist so noch besser geschützt.

  • Universalsitz: Universal-Kindersitze werden mit dem Dreipunkt-Autogurt montiert. Sie passen in fast jedes Fahrzeug. Achten Sie aber darauf, dass die Gurte lang genug sind.

  • Anprobieren: Lassen Sie Ihr Kind Probe sitzen, bevor sie einen Kindersitz kaufen. Prüfen Sie Passform und Komfort. Am besten bauen Sie den Sitz zur Probe ins eigene Auto ein. Beim Fachhändler geht das.

  • Prüfsiegel: Achten Sie beim Kauf auf das Prüfsiegel ECE R 44 mit der Prüfnummer 03. Der orangefarbene Aufkleber garantiert, dass der Sitz nach der neusten Norm getestet und zugelassen ist. Kaufen Sie keine Sitze, bei denen das ECE-03-Siegel fehlt.

  • Dekor: Die meisten Kindersitze sind in verschiedenen Ausführungen zu haben. Zur Wahl stehen: Farbe, Bezugsstoff und Dekor. Auch das beeinflusst den Preis.

  • Zubehör: Sonnendach, Kopfstütze, Sitzverkleinerer und Gurtpolster sind manchmal inklusive. Bei anderen Modellen kostet das Zubehör extra. Fragen Sie nach und kalkulieren Sie den Preis für alle Teile, die Sie brauchen.

  • Zweite Hand: Finger weg von Flohmarktkäufen. Verwenden Sie gebrauchte Kindersitze nur, wenn Sie Herkunft und Vorgeschichte kennen. Achten Sie darauf, dass alle Gurte und Polster vorhanden sind. Nach einem Unfall gehören Autokindersitze auf den Schrott - zur Sicherheit.

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