Tuning-Experte Brabus Ein starkes Stück

Kaum einer kennt das Geschäft rund um das Aufmotzen von Autos besser als Bodo Buschmann. Der Brabus-Chef führt immerhin eines der größten Tuning-Unternehmen weltweit. Angst vor der CO2-Diskussion hat der Mercedes-Spezialist nicht, im Gegenteil.

Jemand wie Bodo Buschmann hat nicht nur Freunde. Schließlich ist er verantwortlich für politisch völlig inkorrekte Fahrzeuge wie das SV 12 S Biturbo Coupé mit 730 PS und mehr als 1300 Nm auf Basis des Mercedes CL oder das Modell Rocket auf Basis des Mercedes CLS, der mit einer verbrieften Höchstgeschwindigkeit von 365,7 km/h als schnellste Limousine der Welt gilt.

Doch dem geschäftlichen Erfolg tut die Kritik keinen Abbruch. Im Gegenteil: Buschmanns ausschließlich auf Mercedes ausgerichtete Firma Brabus gilt als weltweit größter freier Tuner und steht an der Spitze einer Branche, die von Deutschland aus rund 4,5 Milliarden Euro im Jahr umsetzt.

"Damit sind die Deutschen Tuning-Weltmeister", sagt Buschmann, der gleichzeitig den Branchenverband VDAT führt. Weil "Autobahn-tested" nach wie vor ein Gütesiegel sei, hat Tuning made in Germany auch in den USA, in Japan oder in Arabien großen Erfolg: Jeden zweiten Euro verdient die Branche im Ausland.

"Bei der Qualität machen wir keine Kompromisse"

Was aber macht das Tuning aus, und warum braucht es noch Firmen wie Brabus, wenn schon die Werkstuner wie AMG bei Mercedes oder M bei BMW so erfolgreich sind? "Weil es sicher viele Unternehmen gibt, die Maßanzüge anfertigen. Aber maßgefertigte Schuhe gibt es eben nur wenige", sagt Buschmann. "Wir verstehen besser, was die Kunden wirklich wollen, und können individueller auf ihre Wünsche eingehen, ohne auf Konzernpolitik, Fertigungsprozesse eines Werkes oder eine Markenphilosophie Rücksicht nehmen zu müssen", sagt er. Ein Lob der Flexibilität kleiner Stückzahlen. "Bei der Qualität und der Sicherheit machen wir keine Kompromisse. Aber ansonsten ist bei uns einfach mehr möglich als im Werk. Ausstattung, Farbe, Design? Da lassen wir dem Kunden fast völlig freie Hand."

Natürlich werben auch die Werkstuner mit dem maßgeschneiderten Auto. Buschmann: "Aber das hält sich in engen Grenzen. Bei etwa 20.000 Autos im Jahr kann man nicht mehr wirklich von Kleinserie sprechen." Brabus in Bottrop kommt auf etwa ein Drittel der Produktion von AMG und M GmbH, also circa 7500 Fahrzeuge jährlich.

Dabei gilt für Buschmann: "Je größer das Auto, desto besser läuft das Geschäft." Und so sind es vor allem Autos der Mercedes S-Klasse, CL oder Geländewagen, die Brabus in alle Welt liefert. Während die Branche insgesamt auf einen Exportanteil von 50 Prozent kommt, sind es bei Brabus drei Viertel: "Die Fahrzeuge gehen vor allem nach Asien, in die GUS und in die USA."

Vorfahrt gewährt der Brabus-Fahrer nur vorübergehend

Vorfahrt gewährt der Brabus-Fahrer nur vorübergehend

"Natürlich geht es bei unseren Autos um Leistung und Geschwindigkeit", gesteht Buschmann freimütig ein. "Doch wer einen Brabus fährt, muss damit nicht protzen. Er ist schnell und stark genug, um auch mal anderen den Vortritt zu lassen. Schließlich weiß der Fahrer, dass ein Tritt aufs Gaspedal genügt, um wieder vorn zu sein", sagt Buschmann und spricht von einem veränderten Tuning-Begriff. Denn mit der in England geborenen Feinabstimmung des Motors allein sei es längst nicht mehr getan.

"Heute ist Tuning viel weiter gefasst." Den meisten Umsatz mache die Branche heute mit Rädern und Reifen. Außerdem stark gefragt seien Hochleistungsbremsen, neue Interieurs und Entertainment für Geschäfts- und Familienfahrzeuge.

Zwar gehen Tuner wie Brabus weiter als die Hersteller, aber alles machen sie dann eben doch nicht. Die fetten Heckspoiler zum Beispiel bezeichnet Buschmann als Irrweg und erteilt Spielereien ohne technische Notwendigkeit eine Absage. "Was wir machen, muss konstruktiv sinnvoll sein, den Gesetzen entsprechen und auch auf lange Sicht funktionieren." Nicht umsonst habe Brabus als Erster eine dreijährige Tuning-Garantie eingeführt und so mit den Herstellern gleichgezogen.

Die Abhängigkeit des Tuners vom Hersteller

Obwohl Brabus direkt mit AMG konkurriert, ist das Verhältnis zum Werk offenbar entspannt. Schließlich ist Brabus ein guter Kunde und Partner. Nicht umsonst gibt es ein Joint-Venture zur Smart-Veredelung, Industrieaufträge für den Entwicklungsdienstleister CRD und die Marke Startech für das Tuning von Jeep, Dodge und Chrysler. Diese vielen Standbeine sind Buschmann wichtig: Denn wer sich, wie Brabus nur auf eine Marke konzentriert, hängt natürlich am Tropf des Herstellers. "Wenn es dort keine neuen Produkte gibt, ist auch beim Tuner Flaute." Darüber kann er sich allerdings derzeit nicht beschweren. Die Modelloffensive bei Mercedes und AMG hat seinen Mitarbeitern viel Arbeit beschert.

Und auch die CO2-Diskussion macht ihm keine Angst. "Wir haben noch viele Ideen, mit denen die Branche einmal mehr Trends setzen kann", ist Buschmann überzeugt. Trends, die etwa die Videobildschirme in den Kopfstützen, später auch von der Industrie aufgenommen werden, sagt er und denkt dabei an das so genannte Öko-Tuning, das nicht allein auf neue Chips für die Motorelektronik reduziert werden dürfe.

"Das ist ein Thema, bei dem wir durch den Einsatz zum Beispiel neuer Materialien viel mehr Möglichkeiten als die Hersteller haben, um den Verbrauch drastisch zu reduzieren", sagt Buschmann. Angesichts dessen gibt er sich optimistisch: "Tuning wird es immer geben."

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