Mercedes-Museum Stuttgarter Solotanz

Chrysler gehört nun der Geschichte an, um so wichtiger ist es, dass der Mythos Mercedes noch heller strahlt. Genau vor einem Jahr eröffnete Daimler sein neues Mercedes-Benz-Museum. Mehr als 900.000 Besucher lockte die Autoshow seitdem an.

Stuttgart - Viel Aufmerksamkeit hatte das neue Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart im vergangenen Jahr auf sich gezogen. Der Neubau, der die Besucher auf einer Spirale durch die Zeitgeschichte schickt, lockte Journalisten wie Otto-Normalbürger. Nun ist das Haus seit einem Jahr geöffnet und Museumschef Michel Bock zieht Bilanz:

"Bis zum 7. Mai kamen 920.000 Autointeressierte zu uns", sagt Bock. Am 20. Mai feiert das Museum gleich neben dem Mercedes-Werk Untertürkheim seinen ersten Geburtstag. Auch als Veranstaltungszentrum hat sich das Museum bewährt. Es habe über 200 Veranstaltungen in den Räumen gegeben, sagte der Museumschef.

Der Bau des neuen Museums dauerte nur rund zweieinhalb Jahre. Entstanden ist ein aluminiumsilbrig glänzendes, großes Gebäude mit einem dreieckigen Grundriss. Eine Doppelhelix soll das Vorbild gewesen sein.

Etwa 60 bis 65 Prozent der Besucher kamen aus Deutschland. Unter den ausländischen Mercedes-Fans waren viele aus China, wie aus der Zahl der ausgeliehenen Audio-Guides hervorgeht. Diese gibt es außer in Deutsch auch in Englisch, Französisch und Chinesisch. "Wegen des großen Interesses aus Fernost suchen wir jetzt einen Führer, der chinesisch spricht", sagte der DaimlerChrysler-Manager.

Mit mindestens 500.000 Besuchern pro Jahr hatte der Konzern bereits zur Eröffnung gerechnet. So viele Menschen lockte bereits der Vorgängerbau an. Künftig sollen es eine Million pro Jahr sein, hieß es damals. Einen leichten Dämpfer meldete noch Bocks Vorgänger Max-Gerrit von Peines allerdings zur Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Da kamen weniger Besucher als gedacht.

Mercedes-Oldtimer überall

Mercedes-Oldtimer überall

Bock leitet nicht nur das Mercedes-Museum, sondern ist für den ganzen Klassik-Bereich von Mercedes und die "Begegnungskommunikation" verantwortlich. Dazu gehören unter anderem die Kundencenter, Lifestyle-Events, Messeauftritte oder das Motorsport-Marketing. Zu seinem Bereich gehören rund 250 Mitarbeiter.

"Das Museum ist unsere exponierteste Markenplattform", beschreibt Bock die Bedeutung der Präsentation der Mercedes-Benz-Automobile in Stuttgart. Damit und mit Oldtimer-Themen könne der Autohersteller sehr gut deutlich machen, "was uns seit 120 Jahren umtreibt."

Mercedes-Benz gilt als Automarke mit den weltweit meisten Oldtimern. Deren Besitzer haben sich in etwa 70 Clubs organisiert, die Bocks Klassik-Bereich unterstützt. "Solche Clubs gibt es sogar in Sri Lanka, Thailand oder den Philippinen."

In den USA betreibt Daimler als bislang einziger Autohersteller ein Classic-Center, das ähnlich wie sein Vorbild in Fellbach bei Stuttgart Ersatzteile vorhält und Oldtimer restauriert. Die weltweite Oldtimer-Szene setzt laut Studien jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag um.

Nun überlegt man bei Mercedes-Benz, auch in Japan ein Classic-Center einzurichten. "Die dortige Oldtimer-Szene ist rege und hochrangig", sagt Bock. Auch China gilt als ein Land, in dem man für automobile Tradition empfänglich ist. So wurden auf der Automesse in Peking im November 2006 Funktionärslimousinen der Marke "Rote Fahne" aus den 50er und 60er Jahren bestaunt. Einen Mercedes-Benz-Club gibt es im Reich der Mitte laut Bock aber noch nicht.

manager-magazin.demit Material von dpa

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