Audi Q7 4.2 TDI Eine Krone fürs Dickschiff

Audi geht mit seinem Geländewagen Q7 noch einen Schritt weiter. Mit einem V8-TDI machen die Bayern den Offroader jetzt zum "stärksten Diesel-SUV der Welt". 326 PS stecken in dem 2,5-Tonner.

Oben ist, wo Audi ist. Diese Losung scheint derzeit der alles dominierende Antrieb der VW-Tochter. Auf dem Weg zur "erfolgreichsten Premium-Marke der Welt" geben sich die Bayern mit einem zweiten Rang nicht zufrieden und trachten in jeder Disziplin nach der Spitze. Kein Wunder also, dass sie zur Erweiterung der Q7-Palette nicht irgendeinen Diesel ins Rennen schicken. Und so geht - nach dem 3-Liter-V6-TDI mit 233 PS - als zweiter Selbstzünder der 4.2 TDI mit acht Zylindern an den Start. Er macht das Dickschiff laut Audi zum "stärksten Diesel-SUV der Welt".

Den Titel verdankt das aus dem A8 entlehnte und dank des stabileren Getriebes nochmals erstarkte Kraftwerk zwei Eckwerten, die selbst Sportwagenfahrer neidisch machen: 326 PS Leistung und 750 Nm Drehmoment. Und anders als einen kräftigen Benziner muss man den fast schon zu leisen Diesel gar nicht erst treten, wenn man ihn flott bewegen will.

Schon kurz jenseits des Leerlaufs macht er Dampf, und bereits bei 1800 Touren erreicht der Meister der Dreh-Momente seine maximale Anzugskraft. Frank Herrmann aus dem Q7-Marketing schwärmt vom "turbinenhaften Schub" und der "ungeheuren Souveränität", die aus dem Zusammenwirken von hoher Sitzposition, riesigem Format und der beinahe nie versiegenden Kraft entsteht.

Den Tacho sollte man dabei nie ganz aus den Augen lassen. "Denn der Wagen ist schneller schnell, als man vermutet", warnt Audi-Sprecher Udo Rügheimer und verweist auf einen Sprintwert von 6,4 Sekunden. Würde man der vorauseilenden Nadel des Geschwindigkeitsmessers Glauben schenken, jagt der 2,5-Tonner wie Bruder Leichtfuß schon wenig später mit 250 Sachen über die linke Spur. Doch da müssen die Entwickler etwaige Stammtischprahler enttäuschen: Tatsächlich ist bei 236 km/h Schluss.

Bei dem neuen Motor lässt es Audi nicht bewenden. Die Aufrüstung setzt sich bei der Elektronik fort. Neben einem Tempomaten mit Abstandsregelung und der elektronischen Überwachung des toten Winkels hält der Q7 seinen Fahrer künftig - und gegen Aufpreis - auch in der Spur. Dafür sorgt das System "Audi Lane Assist", das mit einer Videokamera die Fahrbahnmarkierungen überwacht und den Fahrer durch dezentes Zittern im Lenkrad zur Ordnung ruft, wenn er die Ideallinie verlässt, ohne vorher den Blinker gesetzt zu haben. Und was dem neuen Motor an Sound fehlt, macht gegen eine weitere Zusatzzahlung ein Musiksystem von Bang & Olufsen wett.

CO2-Debatte? "Ja, wir denken nach"

Natürlich weiß Audi, dass Fahrzeuge wie der Q7 heftig in der Kritik stehen. Doch feiern die Bayern ihren Geländegiganten "trotz der Diskussion um die Sinnfälligkeit von SUV" als Erfolg, sagt Rügheimer. Schließlich seien in den ersten 13 Monaten fast 90.000 Fahrzeuge ausgeliefert worden.

Ein Rückgang der Nachfrage sei kaum zu erwarten. Im Gegenteil: Weltweit werde das Segment der "Premium SUV" zwischen 2004 und 2009 um 22 Prozent zulegen und deshalb nicht bei den derzeit rund 600.000 Zulassungen verharren, zitiert Marketing-Mann Hermann die Marktforscher.

Auch für die hitzig geführte CO2-Debatte fühlen sich die Bayern gerüstet. Natürlich ist der Diesel mit einem Normverbrauch von 11,1 Litern und einem CO2-Ausstoß von 294 Gramm je Kilometer weder sparsam noch sauber. Doch alle Konkurrenzfahrzeuge, die Hermann bei der Präsentation auf einem Chart auflistet, sind nicht nur weniger spurtstark, sondern teilweise auch deutlich durstiger. Außerdem sei die Entwicklung noch nicht abgeschlossen.

Das nächste Vollgas-Modell

"Ja, auch wir denken über intelligente Möglichkeiten zum Spritsparen nach", sagt ein Entwickler mit Blick auf Start-Stopp-Schaltungen oder die Energierückgewinnung beim Bremsen. Außerdem wird es den Q7 – zumindest in den USA – Ende nächsten Jahres auch als Bluetec-Diesel geben. Und die Hybrid-Variante sei ja ebenfalls beschlossene Sache, rudern die Bayern etwas unbeholfen aus der Schusslinie.

Solch' saubere Pläne mögen zwar bei den Entwicklern auf dem Tisch liegen. Doch als gebe es weder eine Klimaproblematik noch so etwas wie ökologische Verantwortung, sprechen sie viel lieber vom nächsten Vollgas-Modell: einem Q7 mit Zwölfzylinder-Dieselmotor, der aus sechs Litern Hubraum dann 500 PS und 1000 Nm schöpfen soll.

Noch haben die Ingenieure zwar Mühe, diese Kraft auf die Straße zu bringen. Doch im Lauf des nächsten Jahres wollen sie das Problem gelöst haben. Obwohl sich die Frage nach einem "Mehr" nicht stellt und nach Einschätzung von Produktmanager Hermann zu einer "philosophischen Entscheidung" wird, soll das Zwölfzylinder-Modell durchaus Stückzahlen machen. Während die Bayern für den V8 mit rund 4000 Exemplaren pro Jahr kalkulieren, wären sie beim V12 allerdings mit weniger zufrieden: "Ein Kunde pro Newtonmeter und Jahr sollten drin sein."

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