Audi Cross Coupé Kleiner Alleskönner

Der Audi Q7 ist ein Goliath unter den Geländewagen. Nun präsentierten die Ingoldstädter in Shanghai eine kleinere Ausgabe. Die Studie Cross Coupé Quattro sieht nicht nur anders aus als der Q7, sie weist auch einen sparsameren Umgang mit den Energiereserven auf.

Wenn Chinesen tatsächlich ein Problem mit der Aussprache des Buchstabens "R" haben, dann möchte man in diesen Tagen nicht mit dem Reporter von Radio Shanghai tauschen. Denn er wird in seiner Berichterstattung von der aufstrebenden Automesse kaum um einen Wagen herumkommen, der ihm unaussprechlich erscheinen dürfte: "Closs Coupé quattlo" wird er wohl sagen, wenn er von der neusten Studie spricht, mit der Audi die nächste Phase eines ehrgeizigen Wachstumsplans einläutet. Schließlich will die VW-Tochter bis zum Jahr 2015 der erfolgreichste Premiumhersteller der Welt werden und den Absatz von heute gut 900.000 auf 1,5 Millionen Autos steigern.

Dafür müssen die Ingolstädter nicht nur die Märkte in aufstrebenden Wachstumsnationen wie China erobern, sondern sie müssen auch auf den etablierten Märkten neue Kunden gewinnen. Und dazu wiederum braucht es eine Produktpalette, die Stadler "offensiv erweitern" will.

Augenscheinlich denkt er auch an eine kleine Ausgabe des Q7, die weniger wuchtig ist als der große Audi-SUV und deshalb auch auf europäischen Straßen oder in chinesische Städte passt. Deshalb ist die Studie Cross Coupé Quattro bei einem Radstand von 2,60 Meter nicht mehr als fünf, sondern lediglich 4,38 Meter lang und überragt damit selbst den Audi A3 Sportback nur um wenige Zentimeter. Der im gleichen Geist geborene, kommende VW Tiguan ist zwei, der Konkurrent BMW X3 um gleich 20 Zentimeter länger. Wie alle neudeutsch zum Sport Utility Vehicle (SUV) gestempelten Geländewagen ragt das Showcar dafür deutlich höher auf. Exakt 18 Zentimeter reckt es sich über den Kompaktwagen A3 Sportback.

Aber nicht nur das Format des neuen Autos ist fern des Q7. Auch die Form hat mit dem Gelände-Goliath nur wenig gemein. Es gibt zwar Parallelen wie den riesigen Kühlergrill oder das Zusammenspiel von hoher Brüstung und schmalem Fensterband.

Doch wo der Q7 eher plump wirk, bleibt sein kompaktes Pendant elegant und sportlich. Dafür sorgen neben den kräftig modellierten Schultern vor allem die beinahe filigranen A- und C-Säulen, die zusammen mit der schlanken Dachreling einen schmucken Bogen formen und trotz der vier Türen die Bezeichnung Coupé rechtfertigen. Obwohl das Dach nach hinten stark abfällt, soll es an Platz nicht mangeln: Der Kofferraum schluckt 450 Liter, und was den vier Passagieren möglicherweise an Kopffreiheit fehlt, macht - zumindest bei entsprechenden Temperaturen - ein gewaltiges Faltdach wett.

LED-Scheinwerfer als Design-Merkmal

LED-Scheinwerfer als Design-Merkmal

Weil kaum eine Marke die Beleuchtung derart konsequent zum Erkennungsmerkmal gemacht hat wie Audi, darf auch die Studie wieder Leuchtzeichen geben: Vorn trägt der Geländewagen neuartige LED-Scheinwerfer, die Fahr-, Abbiege und Fernlicht in einer Komponente vereinen. Und die in der weit umgreifenden Heckklappe integrierten Rückleuchten seien "von innovativem Design geprägt", schwärmt Audi recht allgemein. Durch die rote Abdeckung schimmern ebenfalls LED-Punkte, die auf dünnen Stäben Brems-, Rück- und Blinklicht erzeugen.

Auch die Antriebstechnik weist in die Zukunft. In Fahrt gebracht wird die Studie von einem Dieselmotor aus der nächsten Generation, dessen Commonrail-System noch mehr Druck entwickelt und den Kraftstoff in kleineren Portionen und mehr Intervallen durch feinere Düsen in die Zylinder spritzt. So kitzeln die Entwickler aus vier Zylindern und zwei Litern Hubraum 204 PS und maximal 400 Nm, die den kleinen Geländegänger zum Sportler machen dürften.

Trotzdem stempelt ihn ein Verbrauch von nur 5,9 Litern auch zum Sparer. Ein vergleichbarer BMW X3 zum Beispiel braucht glatt zwei Liter mehr. Zudem macht ihn Audi mit einer neuen Abgasnachbehandlung zum Saubermann, der in der PR-Allianz mit VW und Mercedes den Namenszusatz "Bluetec" trägt. Der Grund dafür ist die Einspritzung der Harnstofflösung "Adblue", die Stickoxide im Abgas abbaut und den Wagen so kompatibel macht mit US-Grenzwerten und der künftigen Euro-6-Norm.

Durch 4600 Löchlein säuselt die Luft

Als weiteres Highlight - neben Gimmicks wie einer Handschriftenerkennung für das Navigationssystem, einer zugfreien Klimaanlage mit 4600 Ausströmern oder einem Monitor, der zwei Betrachtern gleichzeitig unterschiedliche Bilder zeigt - feiern die Entwickler das System "Audi drive select".

Es vernetzt Motorsteuerung, Servolenkung, Doppelkupplungsgetriebe sowie das variable Magnetic-Ride-Fahrwerk und wechselt auf Knopfdruck zwischen drei Charakteren. Dabei hat Audi erstmals auch einen Sparmodus vorgesehen, der mit der automatischen Abstandskontrolle und dem Navigationssystem verknüpft ist und etwa vor Kurven sanft abbremst. Wer zudem vorausschauend fährt, spart auf diese Weise bis zu 20 Prozent Treibstoff, verspricht Audi.

Während normalerweise mehrere Autos gebraucht werden, um "wechselnden Ansprüchen an Komfort, Agilität und Fahrdynamik Rechnung zu tragen", genüge mit diesem System ein einziger Wagen. Das klingt verlockend, dürfte Audi-Chef Stadler aber bei seinen Expansionsplänen gar nicht so lieb sein. Schließlich könnte er denselben Kunden statt eines solchen Alleskönners sonst vielleicht gleich drei unterschiedliche Autos verkaufen.

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