Yellow Cabs Wahrzeichen in Sonnengelb

Sie sind eine Institution und gehören zu New York wie die Freiheitsstatute oder das Chrysler Building. Vor 100 Jahren fuhr das erste Yellow Cab durch die Straßen des "Big Apple". Auch heute noch bestimmen die fast 13.000 sonnengelben Taxis das Straßenbild der Metropole - auch wenn sich in den letzten Jahren einiges getan hat.

Autofahren in New York ist die Hölle. Die Straßen sind in einem miserablen Zustand, Schlaglöcher schlucken bisweilen das ganz Rad, mehr als Schritttempo ist oft nicht möglich, und spätestens vor den Tunnels und Brücken zum Festland herrscht kompletter Stillstand. Für Akzurk Ertegur ist diese Hölle der Alltag. Während andere so schnell wie möglich raus wollen aus dem Moloch, sitzt er zwölf Stunden am Tag hinter dem Steuer.

Ertegur ist "Cabbie" und fährt eines von knapp 13.000 Yellow Cabs, die so untrennbar zu New York gehören wie die Freiheitsstatue oder das Chrysler Building und mit ihrem sonnengelben Lack fast wie Sommersprossen im grauen Stadtverkehr wirken.

Die Osterwoche war für Ertegur eine Woche wie jede andere auch. Denn egal ob Tag- oder Nachtdienst – die Schicht dauert von fünf bis fünf. Dennoch sieht die Stadt ihn und seine Kollegen plötzlich mit neuen Augen voller Stolz und Dankbarkeit. Schließlich feiert New York 100 Jahre Taxi und lässt deshalb sogar das Empire State Building in Gelb erstrahlen.

Auch die gerade beendete Auto Show, einen Steinwurf vom Times Square entfernt, hatte den Taxen eine Sonderschau gewidmet und dort neben einigen umweltfreundlichen Prototypen, Oldtimern und Exoten auch die Ergebnisse eines Designwettbewerbs zur Zukunft des Yellow Cab vorgestellt.

Eine Geschäftsidee, die sich durchsetzte

Begonnen hatte das Zeitalter der motorisierten Mietdroschken in Manhatten im Sommer 1907 mit 600 Autos aus Frankreich, die von der "New York Taxicab Company" importiert und eingesetzt wurden. Für 50 Cent die Meile konnten sich damals zwar nur Besserverdiener einen "Cab-Ride" leisten, doch liefen die Geschäfte offensichtlich bald so gut, dass ein Dutzend Firmen ihr Glück mit der kurzen Fahrt versuchten.

Darunter war auch der Mietwagenunternehmer John D. Hertz, der seine Taxen als erster gelb lackieren ließ. Dass mittlerweile alle Cabs in New York das typische Yellow tragen, ist seit 1967 per Gesetz geregelt: Um dem Wildwuchs Einhalt zu gebieten und die Verwechslung mit nicht lizenzierten "Gypsy Cabs" auszuschließen, ist Gelb seitdem die einzige offizielle Taxi-Farbe in der Stadt.

Geregelt werden solche Fragen von der "New York City Taxi and Limousine Commission" (TLC), die mit Argusaugen über die Lizenzen wacht. Knapp 13.000 Medaillen hat sie dafür bislang ausgegeben, die wie ein Gütesiegel an die Autos genietet werden. Gibt es neue Lizenzen, werden die Plaketten versteigert - und erzielen dabei Preise von mehr als 300.000 Dollar.

"Keine Räucherstäbchen abbrennen"

"Keine Räucherstäbchen abbrennen"

Die TLC wacht aber nicht nur über die Lizenzen. Sie kontrolliert auch die Ausbildung der Fahrer. "Drei bis fünf Wochen drücken Neulinge die Schulbank, bevor sie ihre Prüfung ablegen", sagt Ertegur. Dabei pauken sie nicht nur den Stadtplan, sondern auch ein paar wichtige Benimmregeln. "Schließlich kann jeder Passagier seine Rechte hier im Auto nachlesen", sagt Ertegur und zeigt auf das gelbe Schild an der Trennwand. "Sie können einen Fahrer erwarten, der die Verkehrsregeln kennt und einhält", steht da zu lesen. "Der das Rauchen oder das Abbrennen von Räucherstäbchen einstellt, die Hupe nur als Warnsignal benutzt, auf Ihren Wunsch das Radio ausmacht, und der Englisch spricht." Weil 40 Prozent der Fahrer aus Indien, Pakistan oder anderen Staaten des Mittleren Ostens und mehr als 30 Prozent aus Afrika kommen, bleibt zumindest Letzteres oft nur ein frommer Wunsch.

Dicke Kuhfänger und ein noch dickerer Motor

Auch der Fuhrpark wird von der TLC reglementiert. Nachdem seit dem Zweiten Weltkrieg fast 50 Jahre lang das Checkers Cab mit seiner karierten ("checkered") Baubinde das Straßenbild prägte, ist es heute vor allem der Ford Crown Victoria, der sich durch die Schluchten der Stadt kämpft. Zwar wechseln immer mehr Betreiber auf geräumigere und behindertengerechte Vans wie den Toyota Sienna. Aber noch kommt das preiswerte Auto aus Detroit auf einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent und dient Menschen wie Ertegur zwölf Stunden am Tag als Arbeitsplatz auf Rädern.

Die meisten Taxen tragen zum Schutz vor kleinen Remplern nachgerüstete Kuhfänger, so dass die 25.000 Dollar teuren und 5,40 Meter langen Schlitten schier unverwüstlich aussehen. Doch Ertegur spricht nicht gerade liebevoll von seinem Wagen: "Wir fahren pro Jahr 100.000 Meilen und brauchen dafür mindestens einen Motor und ein Getriebe." Sparsam ist der Ford natürlich auch nicht. Obwohl er nur selten schneller als 100 km/h fährt, steckt unter seiner Haube ein V8-Motor mit 4,6 Litern Hubraum, stattlichen 240 PS und imposanten 275 Nm.

100 Jahre nach ihrer ersten Fahrt über den Broadway sind die Cabs aus New York längst nicht mehr wegzudenken. Egal ob Touristen oder Einheimische – wie selbstverständlich hebt man in den Straßen von Manhattan mehrmals am Tag den Arm und winkt sich ein Cab heran. In der Regel muss man dann selten länger als zwei Minuten auf einen "Ride" warten. Nur wenn es regnet kann es deutlich mehr Geduld erfordern – denn dann sind selbst 13.000 Taxen noch zu wenig.

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