AMI Leipzig Blick nach Osten

Es gibt größere und bedeutendere Pkw-Messen als die AMI in Leipzig. Doch Messechef Wolfgang Marzin hat für die PS-Schau eine Nische gefunden. Ab Samstag stehen die Hallen den Besuchern offen.

Leipzig - Offenbar hat die "Automobil International" (AMI) in Leipzig ihre Nische auf dem Markt der Messen gefunden. Da das Timing der Ausstellung eher ungünstig ist - wenige Monate nach der Detroit Motor Show und nur ein paar Wochen nach dem Genfer Automobilsalon, den beiden größten und wichtigsten Veranstaltungen des Autofrühjahres - setzten die Sachsen auf ihre vorgeschobene Lage Richtung Osten.

Und siehe da: Es funktioniert. Die AMI (14. bis 22. April) hat sich als vollständige Novitätenschau des Automobilsektors etabliert in einer Region, die sonst eher abseits des PS-Rummels liegt.

Die Zahlen zeigen das deutlich: Zur 17. Auflage der Messe haben sich 470 Aussteller aus 21 Ländern angemeldet. Mehr Messefläche als noch im Vorjahr haben zum Beispiel die Firmen Audi, BMW, Citroën, Daihatsu, Honda, Kia, Lexus und Skoda angemietet. Rund 300.000 Besucher werden erwartet – nach dem bisherigen Rekordwert von 290.000 im vergangenen Jahr.

Vor allem aus den Nachbarländern Polen und Tschechien, so das Kalkül der Messemacher, sollen die Autofans herbeiströmen. Dort wird für die AMI massiv geworben, und allmählich zeigt die Reklame auch Wirkung. 2006 etwa wurden etwa 18.000 Besucher aus Polen und Tschechien in Leipzig gezählt.

Goldgräberstimmung auf vielen Ost-Märkten

In diese Richtung, nach Osten und Südosten, geht auch der Blick vieler Hersteller, die in Leipzig ihr Angebot präsentieren. Gut drei Millionen Neuwagen wurden im vergangenen Jahr in Mittel- und Osteuropa verkauft. Allein auf dem russischen Markt erwarten Experten nach knapp 1,7 Millionen Neuwagen im vergangenen Jahr eine Steigerung auf zirka 1,9 Millionen in diesem Jahr.

Exzellente Geschäfte machen die Autofirmen auch in Rumänien, Polen, Ungarn, Tschechien und der Ukraine, wo sich das Volumen der Neuwagenverkäufe in den vergangenen fünf Jahren versechsfachte.

Bestseller in der Region sind bislang der in Rumänien mit Renault-Technik gefertigte Dacia Logan sowie die Skoda-Modelle Fabia und Octavia aus dem VW-Konzern. Aber auch Fahrzeuge der GM-Marken Opel und Daewoo sowie der Renault Clio erfreuen sich großer Beliebtheit. Und, anders als in Westeuropa, gilt in Mittel- und Osteuropa noch immer das Stufenheck als Maß aller Autodinge.

Zwei Weltpremieren und Autos zum Probefahren

Zwei Weltpremieren und Autos zum Probefahren

Bei der AMI feiert daher der Fiat Linea, ein in der Türkei gebauter Fiat Punto mit Extrakofferraum, Europapremiere. Opel wird im kommenden Jahr eine Stufenheckversion des Kompaktmodells Astra in den Märkten der Region einführen und es gibt Gerüchte, dass auch Toyota über eine Stufenheckvariante des Kleinwagens Yaris nachdenkt.

Neben dem neuen Fiat Linea werden in Leipzig erstmals auch der Ford Focus CNG mit Erdgasantrieb und der Ssangyong Kyron Cyber als Premieren gezeigt. Ansonsten aber dominiert in den Messehallen im Norden der Stadt die bereits bekannte Frühjahrskollektion der Branche.

Beachtenswert ist auf der AMI allerdings das pralle Programm, das sich aus dem Verständnis als "Auto-Erlebnismesse" herleitet. So bieten 21 Hersteller Probefahrten in mehr als 100 frischen Modellen an, es gibt einen Offroad-Parcours, eine Slalompiste, ein Aktionszentrum Verkehrssicherheit mit Überschlagsimulator und Ähnlichem sowie diverse Sonderausstellungen.

Und wer aufmerksam über die Messe bummelt, wird auch ein paar Raritäten entdecken, die sonst noch auf keiner größeren Automesse zu sehen waren.

Zum Beispiel den Leopard-Roadster der gleichnamigen schwedisch-polnischen Firma, die einen V8-Motor aus der Corvette in eine Karosserie steckt, die optische Ähnlichkeiten mit den britischen Morgan-Modellen aufweist.

Die tschechische Marke Kaipan wiederum zeigt einen Roadster, der sich den Lotus Seven zum Vorbild genommen hat und von Ford- oder VW-Motoren angetrieben wird. Für Autofans wird so das "go east" zur Entdeckungsreise.

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