Eco-Tuning Aufgemotzte Spritsparer

Stärker, tiefer, breiter - das Motto der Tuningszene scheint vor dem Hintergrund der Diskussion um den Klimawandel und die Rolle der Autofahrer nicht mehr zeitgemäß. Schließlich redet alle Welt davon, wie sich Spritverbrauch und CO2-Emissionen verringern lassen. Die Tuningspezialisten haben dennoch eine Antwort gefunden.

Hiltmannsdorf/Kempten - Aufmotzen und dabei an die Umwelt denken, so lautet wohl das Motto der Tuningszene derzeit. "Existenzsorgen wegen der Klimaschutzdebatte machen sich die Tuning-Unternehmen nicht", sagt Hans-Jörg Köninger, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Automobil-Tuner (VDAT). Das sei kein Thema - im Gegenteil.

Köninger verweist auf Technologien, die mehrere Firmen derzeit entwickeln, mit denen sich die Effizienz der Serienmotoren steigern lässt. "Das Bestreben ist dabei, bei mehr Leistung weniger Sprit zu verbrauchen", erklärt er. Bei solchem "Öko"- oder "Eco-Tuning" verbesserten sich die Abgaswerte sogar.

Der VW- und Audi-Tuner Abt aus Kempten etwa nennt die Technologie "intelligent Sport". Sie ermöglicht für die zwei Liter großen TFSI-Aggregate des VW-Konzerns mit werksseitig 147 kW/200 PS eine Leistungssteigerung auf 176 kW/240 PS. Gleichzeitig verringert sich laut Abt der Spritverbrauch im Vergleich zu den Serienmodellen um bis zu vier Liter auf 100 Kilometer - gemessen bei schneller Autobahnfahrt. Im EU-Normzyklus soll der Verbrauch um einen Liter günstiger sein. Auch der CO2-Ausstoß sinke um bis zu 22 Gramm pro Kilometer (g/km).

"Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir nicht nur "tiefer, schneller, breiter" können, sondern auch intelligenter", erklärt Abt-Technikchef Andreas Zeilbeck. "Wir haben daher zwei Konzepte dargestellt: den Sparkünstler und das Sportgerät." Erreicht werden diese Werte durch Änderungen an der Motorsteuerung und am Seriengetriebe. Kosten einer "iS"-Komplettumrüstung: ab 3422 Euro.

Auch das Unternehmen SKN Tuning hat seit einiger Zeit ein "Eco-Tuning" im Programm. Dabei wird der Motor durch Änderungen am Steuerchip nicht auf größtmögliche Leistung, sondern möglichst geringen Verbrauch getrimmt. Wegen der Klimadebatte und steigender Spritpreise gebe es eine zunehmende Nachfrage, sagt Michael Schiffer von SKN: "Die Kunden sind nicht nur umweltbewusster geworden, sondern wollen auch ihr Portemonnaie schonen."

SKN hat das "Eco-Tuning" jetzt zum "Eco-Tuning 75" weiterentwickelt. Dabei läuft der Motor laut Schiffer bis zu einer Gaspedalstellung von 75 Prozent im Sparmodus. Wird das Gaspedal voll durchgetreten, greife dagegen das nur auf Leistungsmaximierung ausgelegte "Power-Tuning". "Umgerüstete Fahrzeuge erreichen eine Spriteinsparung von sieben bis zwölf Prozent", sagt Schiffer. Umstellen ließen sich sowohl Benziner als auch Diesel. Erhältlich sei das Programm je nach Fahrzeug und Motor zu Preisen ab 250 Euro.

Leistungstuning mit Ethanol

Leistungstuning mit Ethanol

Doch Effizienztechnologien sind nur ein erster Schritt. Längst sind die Entwickler weiter. "Die Unternehmen entwickeln Lösungen, die mit nachwachsenden Rohstoffen arbeiten", sagt VDAT-Geschäftsführer Köninger. Ein Ansatz seien "Flex-Fuel"-Technologien zum Nachrüsten für den Betrieb getunter Motoren mit Ethanol. Ethanol wird aus Biomasse gewonnen und ist laut Köninger bei der Verbrennung CO2-neutral. "Das wird einer der Treibstoffe der Zukunft." Auch die Hersteller bieten zunehmend entsprechende Serienmodelle an. "Niemand denkt aber bislang an die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge. Das ist die nächste Generation des Leistungs-Tunings", sagt Köninger.

Auch das Lastenheft für zukünftige Technologien in der Entwicklungsabteilung bei Abt enthält Lösungen, die mit alternativen Kraftstoffen arbeiten. So werde es als nächstes die "iS"-Technologie mit Flüssiggas geben, sagt Technikchef Andreas Zeilbeck. Auch Erdgas sei eine mögliche Variante. Fertig entwickelt sei zudem ein Programm für die Umrüstung von Motoren auf Ethanol E85. "Der Kunde könnte es bereits bekommen", sagt Zeilbeck. Ein Problem sei jedoch noch, dass es in Deutschland nicht genügend E85-Tankstellen gibt.

Langfristig denkt Zeilbeck an Tuning-Programme, die verschiedene Kraftstoffe kombinieren, etwa Normal-, Superbenzin, E85 und Flüssiggas - "nach dem Motto: schütt' rein, was Du willst." Der Entwickler hält es für unverzichtbar, dass sich Tuner um solche Themen kümmern: "Wir müssen uns für die Zukunft aufstellen."

Aktuelle Umfragen der Meinungsforscher geben ihm Recht: So würden mehr als die Hälfte der Autofahrer in Deutschland als Beitrag zum Klimaschutz auf ein sparsameres Auto umsteigen. Beim Autokauf spielt also ein geringer Verbrauch künftig ebenso eine Rolle wie die PS-Zahl.

Selbst wenn die Autohersteller in Zukunft ab Werk sparsamere Motoren einbauen sollten, hält Michael Schiffer von SKN das Eco-Tuning für eine Nische mit Perspektive: "Das heißt ja nicht, dass die Hersteller damit alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft haben."

Felix Rehwald, dpa

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