Genfer Zukunftsvision Die neue Leichtigkeit

Der Wagen könnte aus einem Sience-Fiction-Film stammen, doch der "Rinspeed Exasis" ist real auf dem Genfer Autosalon zu sehen. Die durchsichtige Karosse ist zwar nur eine Studie, aber sie zeigt den Autobauern, was möglich ist: attraktives Design und sparsamer Verbrauch.

Genf - Wenn Batman auf dem Ökotrip wäre, würde er sein Batmobil bestimmt ohne Bedauern gegen dieses Prachtstück eintauschen: "Rinspeed Exasis". Der durchsichtige und fast völlig aus Kunststoff gefertigte Flitzer scheint direkt aus einem Science-Fiction-Film zu stammen.

Was ihn neben dem spektakulären Design so besonders macht: Verbrauchswerte, die ebenfalls aus der Welt von morgen stammen. Das deutsch-schweizerische Gemeinschaftswerk ist eine der auffälligsten Weltpremieren auf dem Genfer Autosalon. Der zigarrenförmige Zweisitzer, den der Schweizer Auto-Vordenker Frank Rinderknecht zusammen mit den Autoexperten des Bayer-Konzerns entwickelt hat, ist das erste transparente Auto der Welt.

"Es ist sichtbar gemachte Ökologie" erklärt Bayer-Sprecher Gerd Dreßen am Mittwoch in Genf. Das mit Bioethanol betriebene Konzeptauto hat laut Dreßen einen CO2-Ausstoß von gerade einmal 20 Gramm pro Kilometer. Zwar wird der von einem 150 PS starken Zweizylinder-Motor angetriebene "Exasis", der es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 210 Stundenkilometer und einen Verbrauch von 5,5 Liter pro 100 Kilometer bringt, in dieser Form nie auf eine normale Straße kommen. Das ist aber auch nicht Sinn des Projekts. "Wir geben der Autoindustrie Denkanstöße für die Fahrzeuge von morgen", erläutert Dreßen die Idee hinter dem "Exasis".

Trumpfkarte ist vor allem die Gewichtsreduktion. "Wenn wir über Öko reden, müssen wir übers Abspecken reden", sagt Dreßen und verweist darauf, dass das Schweizer Bundesamt für Energie den Konzeptwagen als Probanden für eine Studie zum Thema "Leichtbau und Ökologie" ausgewählt hat. Der "Exasis" soll zwar "öko, aber keine fahrbare Verzichterklärung sein" und zeigen, dass sparsame und klimafreundliche Fahrzeuge nicht unbedingt "klein und hässlich sein müssen", betont der Bayer-Sprecher.

Ein Quantensprung

Verantwortlich für das geringe Fahrzeuggewicht von nur 750 Kilogramm ist der Kunststoff Makrolon, den der Chemiekonzern schon vor Jahrzehnten entwickelt hat. Das Polykarbonat ist ein richtiger Tausendsassa und steckt beispielsweise in CDs, DVDs - und dank ständiger Weiterentwicklung neuerdings eben auch im Auto. Schon jetzt wird das Leichtbaumaterial, das besser als Glas formbar ist, im Fahrzeugbau angewendet, beispielsweise in transparenten Dächern bei Smart und Mercedes, wie Dreßen berichtet.

Das Abspecken im Fahrzeugbau wird in Zukunft immer wichtiger, ist auch der Branchenexperte Willi Diez überzeugt. "Gerade beim Thema Verbrauch wird die Verwendung leichter Baumaterialien einen Quantensprung bringen", sagt der Professor vom Institut für Automobilwirtschaft Geislingen, als er den durchsichtigen Konzeptwagen auf dem Messestand in Augenschein nimmt. Solche innovativen Beiträge wie der "Exasis" seien wichtig, weil sie der Autoindustrie zeigten, was alles möglich ist.

Als nächste denkbare Einsatzgebiete gewichtssparender Kunststoffteile in der Massenproduktion sieht Diez Scheiben und Karosserieteile. Für den Schweizer Autoveredler Rinderknecht ist die Arbeit am "Exasis" trotz seiner jahrelangen Erfahrung mit spektakulären Konzeptwagen etwas ganz Besonderes gewesen. "Es war sehr spannend zu sehen, was aus unserer Vision wird", sagt er. "Die große Überraschung war dann, die Transparenz in der Realität zu sehen. Die Erwartungen wurden übertroffen."

Michael Bauer, ap

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