BMW X3 Luxus für die Landpartie

Mit dem BMW X3 fahren die Bayern derzeit der Konkurrenz voraus. Damit das so bleibt, hat der Konzern nach nur drei Jahren das Modell überarbeitet. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Es war wie im alten Rom: Er kam, sah und siegte. Als BMW vor etwas mehr als drei Jahren den X3 an den Start brachte, war dieser allein auf weiter Flur. Große Geländewagen im vornehmen Zwirn gab es reichlich, und preiswerte Japaner ritten auch längst auf der SUV-Welle.

Doch als kompakter Geländegänger für Besserverdiener hat der Bayer eine Nische gefunden, in der er noch immer alleine dasteht und deshalb besonders erfolgreich ist: Mit gut 23.000 Zulassungen im vergangenen Jahr belegt er in Deutschland Platz eins dieses Segments; die nächstplatzierten Modelle Toyota RAV-4 und Hyundai Tucson sprechen eine ganz andere Zielgruppe an.

Doch auch die BMW-Strategen wissen, dass sie den Kuchen nicht mehr lange alleine auf dem Teller haben werden. Aus allen Ecken naht die Konkurrenz, um dem Bayern die Führungsposition streitig zu machen. Kein Wunder also, dass sich BMW darauf einstellt und im Herbst den X3 von Grund auf überarbeitet vorstellte. Nun gab es die ersten Fahrgelegenheiten mit dem runderneuerten Modell.

Zunächst fällt der Feinschliff am Design auf, an dem vor allem die billigen Stoßfänger ausgetauscht sowie BMW-Niere und Scheinwerfer nachgezogen wurden. Dazu erhielt der Wagen LED-Stäben in den neuen Rückleuchten und sieht nun auch bei Dunkelheit etwas fescher aus.

Entscheidender allerdings ist der komplett umgekrempelte Innenraum, der nun jenes "Premium-Ambiente" bietet, das man bei den fast schon sündigen Preisen auch erwarten darf. Wer mindestens 34.600 Euro für ein Auto ausgibt, das es so ähnlich bei japanischen Herstellern rund 15 und bei koreanischen Marken etwa 30 Prozent günstiger gibt, möchte sich nicht inmitten billigen Plastiks und fadenscheiniger Stoffe wiederfinden. Nun also ist alles fein renoviert im Interieur. Die Sitze sind stramm und geben genügend Seitenhalt, das - natürlich - aufpreispflichtige Leder schmeichelt Hand und Po, an allen Ecken und Enden funkelt poliertes Metall, und das Lenkrad liegt jetzt besser in der Hand als bei manchem Sportwagen.

Neuer Dieselmotor mit Registeraufladung

Neuer Dieselmotor mit Registeraufladung

Das passt zum X3. Zumindest, wenn man sich für das neue Top-Modell entscheidet, das – für BMW bislang eher ungewöhnlich – nicht von einem Benziner, sondern von einem 286 PS starken Dieselmotor angetrieben wird. Schließlich kann es der X3 trotz seines wenig windschnittigen Formats tatsächlich mit mancher Testosteron-Flunder aufnehmen, seitdem die Techniker den Selbstzünder mit einer sogenannten Stufenaufladung bestückt haben. Weil nun ein kleiner, aber deshalb besonders flinker Turbo beim Anfahren Druck macht und erst mit steigendem Leistungsbedarf ein zweiter Lader zugeschaltet wird, kann man das berüchtigte Turboloch vollends vergessen.

Während für Außenstehende der Diesel beim Kaltstart noch immer gut vernehmlich rasselt, ist drinnen nur das süße Singen der Turbos zu hören. Und dann schiebt der Sechszylinder ungestüm voran. Als hätte der Sherpa den Rucksack abgelegt, stürmt der X3 los, denn schon kurz jenseits des Leerlaufs liegt das maximale Drehmoment von 580 Nm an.

Auf der Straße meint man förmlich zu spüren, wie der Allradantrieb arbeiten muss, um die Kraft auf den Asphalt zu bringen. Und abseits befestigten Untergrunds zieht der X3 stets immer eine Schleppe aus Staub oder Schnee hinter sich her. Den subjektiven Eindruck bestätigt BMW mit Messdaten, die viele 3er-Fahrer neidisch werden lassen: Nur 6,6 Sekunden vergehen bis Tempo 100, und sein Ende findet der Vortrieb erst bei 240 km/h.

Ein Superlativ im Segment der sportlichen SUVs

Kein Wunder, dass die Bayern damit nicht nur das mit Abstand stärkste Auto in diesem Segment stellen, sondern zurecht auch vom "sportlichsten Sechszylinder-Diesel, der bislang für ein Serienfahrzeug angeboten wurde" sprechen. Weil die Drehmomentkurve allerdings eher der Zugspitze als dem Tafelberg gleicht und das Maximum nur 500 Touren währt, braucht es flotte Gangwechsel, für die BMW grundsätzlich die neue Automatik mit sechs Stufen einsetzt. Sie schaltet so sauber und schnell, dass man kaum eine Unterbrechung der Zugkraft spürt und nur selten Hand an die Steptronic legen will, um manuell den Gang zu wechseln.

Doch das Vergnügen hat einen stolzen Preis. Schon bei der Bitte um die Überweisung von 52.000 Euro wird sich mancher Kunde fragen, ob man dafür nicht doch besser einen X5 oder einen 7er genommen hätte. Und damit ist die Zeit des Zweifelns noch nicht vorbei. Dann auch an der Tankstelle benimmt sich der X3 wie ein Sportwagen.

Zwar steht im Datenblatt ein Durchschnittsverbrauch von 8,7 Litern, doch wer den Dingen seinen Lauf lässt, fährt stets im zweistelligen Bereich und darf sich auch über 13 Liter nicht wundern. Dafür kommt der X3 auf einer Passstraße schneller zum Gipfel als eine Bergziege. Wem das zuviel ist, so würde BMW wohl argumentieren, der soll einen kleineren Motor kaufen - oder einfach zu Fuß den Gipfel stürmen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.