Roadrazer Rasender Fisch

Bisher spielt Dänemark für Automobil-Enthusiasten eigentlich keine Rolle. Ganz Dänemark? Nein, in Silkeborg bei Arhus entsteht derzeit ein rassiger Sportwagen mit atemberaubenden technischen Daten: der Roadrazer.

Silkeborg - Im Jahr 1973, berichtet Mikkel Steen Pedersen, habe er gemeinsam mit seinem älteren Bruder und seinem Vater ein Go-Kart gebaut. Seither seien ihm sowohl dieses Gefährt, als auch das Fahrgefühl nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Und nun ist es wieder da, das Kribbeln von damals, denn Mikkel Steen Pedersen hat gemeinsam mit seiner Ehefrau Lone Stubdrup vor fünf Jahren eine eigene Firma gegründet und seither am Roadrazer gearbeitet. Der 40-Jährige kümmerte sich um die Technik, seine Frau entwarf das außergewöhnliche Design. Jetzt ist das Projekt ausgereift und fahrbereit: Ein extremes Auto, das wie ein Rennwagen aussieht und sich offenbar auch genau so fährt.

Die technischen Daten des Roadrazer sind atemberaubend. Im Heck sitzt ein 1300-Kubik-Vierzylinder-Motor, der ursprünglich aus der Suzuki Hayabusa stammt und für den Einsatz im Roadrazer auf Trockensumpfschmierung umgebaut wurde. Rund 180 PS leistet die Maschine, die ihre Kraft über ein sequenzielles Sechsganggetriebe an die Hinterräder leitet. In drei Sekunden schießt das Auto aus dem Stand auf Tempo 100.

Und das Tolle an diesem Renner ist noch nicht einmal diese Beschleunigung oder die Höchstgeschwindigkeit, sondern das exeptionelle Trockengewicht von lediglich 300 Kilogramm. Damit wiegt der komplett aus Kohlefaser und Aluminium gefertigte Roadrazer nicht sehr viel mehr als das Suzuki-Bigbike, verfügt aber über eine erheblich bessere Aerodynamik und einen sehr viel tieferen Schwerpunkt. Wohl kein anderes Auto ist so dicht an einem Formel-1-Rennwagen wie der Roadrazer.

In England für den Straßenverkehr zugelassen

Das Außergewöhnliche ist zugleich das Problem des Wagens: Bislang ist der offene Zweisitzer nur in England für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. In allen anderen europäischen Ländern sind die Behörden bislang noch kritisch. "In Deutschland", sagt Lone Stubdrup, "sind wir deshalb mit dem TÜV in Hannover in Kontakt." Ungeachtet solcher noch offenen Fragen sind der Roadrazer und die Firma startklar.

Derzeit können Interessierte bei Testfahrten mit dem bislang einzigen Prototypen feststellen, ob der Roadrazer zu ihren Vorstellungen vom Autofahren passt. Auf einem alten Flugplatz bei Billund kann der ultraleichte Wagen erprobt werden, bei dem der Fahrer nur siebeneinhalb Zentimeter über der Straße sitzt. Wer nach diesem Erlebnis einen Kaufvertrag unterschreibt, erhält fünf Monate später sein Exemplar mit dem auf Maß gearbeiteten Fahrersitz. Etwa zehn bis zwanzig Fahrzeuge pro Jahr, so die Schätzung der Roadrazer-Inhaber, könnten gebaut und verkauft werden.

Wer mag, bekommt den Roadrazer auch als Bausatz

Während Mikkel Steen Pedersen schon von Kindesbeinen an Autos oder zumindest autoähnliche Fahrzeuge baute und später auch mit zwei Solar-Mobilen an der Word Solar Challenge teilnahm, war der Roadrazer für Lone Stubdrup das erste Auto, das sie designte. Zuvor hatte sie für einen Rüstungsbetrieb in Arhus Rettungssysteme für Flugzeuge und U-Boote entworfen, danach für die dänische Firma Pressalit unter anderem die Badezimmer-Serie Raja gestaltet, die mit dem Red-Dot-Design-Award ausgezeichnet wurde.

Nun also ist es ein Auto geworden, das mit seiner Finne über dem Heckmotor an einen Fisch erinnert, mit seiner spitz zulaufenden Frontpartie an einen Raubvogel, mit den filigranen Radaufhängungen an Flamingos und mit dem Sechstpunkt-Sicherheitsgurt an der Sitzschale an ein Spinnennetz. Zum besseren Einstieg lässt sich das Lenkrad, auf dem sämtliche Kontrollknöpfe positioniert sind, abnehmen. Das soll nicht nur auf die Formel 1 hinweisen, sondern ist zugleich ein wirksamer Diebstahlschutz. Die Preise für den Roadrazer sind übrigens auch schon kalkuliert. Für 53.000 Euro netto wird das fertige Auto geliefert, ab etwa 30.000 Euro netto erhalten begabte Schrauber den Hightech-Bausatz.

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