Mercedes C-Klasse Eleganz und Avantgarde

Eigentlich sollte das Beste zum Schluss kommen, doch bei Mercedes wird der Hauptgang in diesem Jahr zuerst serviert. Donnerstagabend enthüllte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche vor vollem Haus in Stuttgart die neue Mercedes C-Klasse.

Stuttgart - Das war mal wieder ein Einstand nach Maß: Mercedes lädt zur Weltpremiere der neuen C-Klasse, und mehr als 550 Journalisten aus aller Welt eilen durch den Orkan nach Stuttgart, um in der fein herausgeputzten Niederlassung eine kleine Sternstunde mitzuerleben. Es geht immerhin um die absatzstärkste Baureihe der Marke, seit der 190er vor genau 25 Jahren den Weg in die vermeintlichen Niederungen der großen Stückzahlen wies. Drei Generationen und sechs Millionen Autos nach dem Debüt dieses Baby-Benz treten die Schwaben nun erneut an, um nach den Worten von Vorstandschef Dieter Zetsche "die Messlatte im Segment der kompakten Premium-Automobile ein Stück höher zu legen".

Doch hat Mercedes ein Problem. Denn in keinem anderen Segement seien die Kunden und ihre Ansprüche so unterschiedlich, klagt Vertriebsvorstand Klaus Meier, der mit dem Auto die 35-jährige Investmentbankerin ebenso erreichen muss wie ihren jung gebliebenen Vater im Ruhestand. "Nun wissen Sie aus eigener Erfahrung, dass Meinungen und Geschmack bei Vätern und Töchtern oft weit auseinander liegen", sagt der Stratege und kündigt als Lösung eine "neue Vielfalt" an. Dieses Leitmotiv erkennt man schon am Design der in jeder Dimension leicht gewachsenen Limousine.

Denn zum ersten Mal rückt Mercedes die Ausstattungslinien optisch so weit auseinander, dass selbst der Laie den Unterschied erkennt. "Die eher traditionellen Modelle Elegance und Classic tragen den Stern wie bisher auf der Motorhaube", beruhigt Zetsche sein Publikum, über dem später die C-Klassen auf eigens errichteten Hochstraßen anrollen. Bei den Avantgarde-Versionen dagegen prangt der Stern mitten im Kühlergrill, wie er es bislang nur bei Coupés und Roadstern vorkam. "Wir haben sozusagen zwei Maßanzüge geschneidert, die dem jeweils gewünschten persönlichen Stil entsprechen", begründet Meier den Schritt, der manchem Traditionalisten einer kleinen Kulturrevolution gleich kommen wird.

Mit dem Design alleine ist es aber nicht getan. Auch die Technik muss den Spagat schaffen. Deshalb macht Mercedes, anders als manche Wettbewerber, Schluss mit dem allgemeinen Drang zu immer mehr Sportlichkeit. Zwar soll die Limousine kein Altherrenauto werden, doch lässt Zetsche keinen Zweifel: "Komfort war immer eine besondere Stärke der C-Klasse - und das wird auch so bleiben."

Parallelen zur S-Klasse

Allerdings sei die Limousine nicht eindimensional ausgerichtet, sagt er offenbar mit Blick auf manches Konkurrenz-Produkt. "Stattdessen bietet die neue C-Klasse eine Synthese aus Komfort und Agilität, und damit ein Höchstmaß an Fahrkultur", verspricht Mister Mercedes. Möglich macht's ein neues Fahrwerk mit variablen Dämpfern. Sie geben sich bei gemächlichem Trott sanft und weich, schalten aber bei verschärfter Gangart auf maximale Dämpfkraft um.

"Auch bei der Motorenpalette setzten wir auf die neue Vielfalt", sagt Meier. Zwar wird es zur Markteinführung Ende März zunächst nur drei Benzinmotoren und einen Diesel geben. Doch bis das Jahr zu Ende ist, kann die Kundschaft zwischen fünf Otto-Motoren und drei Selbstzündern mit 136 bis 272 PS entscheiden und sich zudem auf einen V8-Antrieb im AMG-Modell freuen. Die allermeisten Motoren wurden gründlich überarbeitet und haben bei der Leistung um bis zu 13, beim Drehmoment um gar 18 Prozent zugelegt, während die Verbrauchswerte gehalten oder gesenkt wurden.

Mehr Ausstattung, mehr Sicherheit, mehr Aufwand

Schicker soll der Neue natürlich auch sein, also zeigt das Cockpit nun deutliche Parallelen zur S-Klasse: Auf dem Mitteltunnel prangt jetzt ebenfalls ein Controller-Knopf, und hinter einem dezenten Deckel neben den Instrumenten flimmert nun ein großer Monitor, über den alle wichtigen Bordfunktionen geregelt werden. Dazu gibt es aufgrund einiger Zentimeter mehr Radstand, Breite und Länge etwas mehr Freiheit für Schultern und Knie sowie ein Sicherheitspaket, mit dem Mercedes neue Maßstäbe setzten will.

So bekommt die C-Klasse zu Front-, Seiten- und Vorhangairbags nun auch einen Prallsack unter der Lenksäule sowie aktive Kopfstützen und intelligente Gurte auf allen Außenplätzen. Und als Option führen die Schwaben das intelligente Lichtsystem und einige Sicherheitsbausteine aus der E-Klasse ein. Obwohl an der neuen C-Klasse mehr drin und dran ist, hat Mercedes nur dezent an der Preisschraube gedreht. Zumindest das Einstiegsmodell solle auf dem Niveau des Vorgängers liegen und trotz der höheren Steuer nicht mehr als 30.000 Euro kosten, verspricht Meier.

Elegance und Avantgarde - dieses C-Klasse-Motto war auch das Leitmotiv im Programm der New Yorker Tanzformation "Nomix", die Mercedes für das Event einfliegen ließ. Und es stand als Überschrift über dem kulinarische Rahmenprogramm der Veranstaltung, zu dem Zetsche die Gäste ins Obergeschoss der Niederlassung bat, wo es die Auswahl zwischen zwei Restaurants gab. Die Chefköche hatten denselben Auftrag erhalten wie die Entwickler der C-Klasse: mit den gleichen Zutaten zwei unterschiedliche Menüs aufzutischen.

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