Ford Leckerbissen in kleinen Häppchen

Auf der Detroit Motor Show, die am kommenden Sonntag öffnet, wird Ford eine ganze Flotte futuristischer Studien präsentieren. Einen rassigen Lincoln und einen "Mustang für vier" zeigt der Autohersteller schon mal vorab.

Das haben wir doch vor Weihnachten erst wieder gelernt: Das Schönste an einem Fest ist die Vorfreude. Das weiß auch die Autoindustrie, die meisterhaft an der PR-Salami säbelt und Scheibchen für Scheibchen kleine Informationshappen abschnippelt, um so die Spannung zu steigern und die nötige Aufmerksamkeit für neue Ideen und neue Modelle zu erzeugen.

Nach diesem Prinzip geht nun auch Ford  vor. Damit am kommenden Sonntag, dem ersten Pressetag der Detroit Motor Show, auch jeder gebannt nach Motown blickt und die Eröffnungsgala bestaunt, stimmen die Amerikaner das Publikum bereits jetzt mit den ersten Fotos zweier Studien auf ihr Heimspiel ein.

Als potenzieller Publikumsmagnet in Stellung gebracht wird vor allem das Modell Interceptor, mit dem Ford die populäre Idee vom Mustang weiterspinnt. Aus dem rassigen Coupé und dem herzerfrischenden Cabrio wurde unter der Feder von Designchef Peter Horbury eine kraftstrotzende Limousine, in der – den vier Türen sei Dank – nun die ganze Familie zum Sportprogramm antreten kann. "Wir haben für jedes Jahr neue Mustang-Nachrichten versprochen", trommeln die Amerikaner. "Und dieses Versprechen lösen wir mit dem Interceptor jetzt ein."

"Das Auto hat die Seele des Mustang. Aber es kombiniert den starken Auftritt mit der sportlichen Eleganz einer Limousine aus den sechziger Jahren", erläutert Horbury seinen mehr als fünf Meter langen Entwurf, den er als das Konzentrat all dessen sieht, was ein typisches Muscle-Car ausmacht.

Das Frontdesign ist inspiriert vom F-250 Super Chief aus dem letzten Jahr und wird geprägt von riesigen Aluminiumplanken, die wie Eisenbahnschwellen um den Kühler gebogen sind und die Scheinwerfer beinahe zu verschlucken scheinen. Die Haube liegt so straff über dem Motor, dass sich die Zylinderköpfe beinahe ins Freie drücken, und die Silhouette ist geprägt von weit in die Ecken gerückten Rädern, hell unterlegten Kiemen und einem ziemlich flachen Dach.

Dazu gibt es ein minimalistisches Interieur mit viel schwarzem Leder, Oberflächen in Titanoptik und der bewussten Reduktion auf das Wesentliche. Tacho und Drehzahlmesser liegen direkt im Blickfeld, und der Schaltknüppel springt einen förmlich an; die Steuerung für Radio und Klima dagegen bleibt dem Blick die meiste Zeit verborgen. Auch die Sicherheitsausstattung ist versteckt: Kopfstützen klappen aus dem Dach, und die Airbags im Fond entfalten sich aus den neuen Vierpunktgurten.

Ethanol für das Umweltgewissen

Ethanol für das Umweltgewissen

Ganz klassisch ist dagegen der Antrieb: Unter der wulstigen Haube röhrt der V8 des Mustang GT. Weil sein Hubraum um knapp 10 Prozent auf fünf Liter vergrößert wurde, protzt der Familiensportler mit fanatischen 400 PS, die mit dem Zusatzgewicht der zwei Türen leichtes Spiel haben sollten. Und selbst das langsam aufkeimende Umweltgewissen können die Amerikaner beruhigen. Schließlich läuft der Wagen mit Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen.

Noch ist der Ford eine Studie ohne konkrete Produktionsabsicht. Doch die Chancen stehen nicht schlecht. Das hat in den letzten Jahren die wilde Mercedes-Schwester Dodge auf umgekehrtem Weg bewiesen. Dort haben die Designer erst ihre Erfolge mit dem viertürigen Charger eingefahren und im letzten Jahr in Detroit als Antwort auf den Mustang den Entwurf für das Comeback des zweitürigen Challenger enthüllt.

Nicht ganz so nah am Hier und Heute gebaut ist das "MKR Concept" von Lincoln, mit dem die noble Ford-Tochter ihre "Premium-Kundschaft" auf das Design der Zukunft einstimmen möchte. Das viertürige Coupé mit dem nahezu voll verglasten Dach misst 4,95 Meter in der Länge, bietet Platz für vier Personen und sieht aus, als wäre es einem Roadmovie des Jahres 2020 davon gefahren.

Lincoln-Motor nach dem Downsizing-Prinzip

Zwar bleiben stilistische Säulen wie der typische Kühlergrill mit den beiden riesigen Chromflügeln und vor allem das markante Kreuz im stehenden Rechteck als Logo erhalten, doch werden die Oberflächen noch glatter, die Front erinnert nun an den Bug eines Bootes, und aus den schmalen Schlitzen funkeln Scheinwerfer mit LED-Technik, die auch am rückwärtigen Ende zum Einsatz kommt.

Auch unter der Haube weist das Konzept in die Zukunft: Dort folgt Ford dem Trend zum "Downsizing" und montiert statt eines durstigen V8 einen vergleichsweise kleinen V6-Motor, der aber dank zweier Turbolader und Direkteinspritzung auf beachtenswerte 415 PS kommt und zudem ebenfalls mit Ethanol befeuert wird.

Innen beschwört Lincoln eine "neue Ära des Luxus" herauf, weil das Konzeptfahrzeug aktuelle und kommende Wohntrends aufnehme und auch Bauteile wie die Türverkleidungen, die Sitzlehnen oder den langen Mitteltunnel hervorhebe, die sonst gerne einmal übersehen werden.

Dafür setzen die Designer nicht nur auf ungewöhnliche Materialien wie Sitzschalen aus Sojamehl, Teppiche aus Mohairwolle oder Kaschmir-Leder, sondern vor allem auf neue Lichteffekte: Während das Cockpit eisblau strahlt, leuchten etwa die Sitze oder die Türtafeln sanft von innen. Jetzt muss in Detroit nur noch jemand – zumindest mal kurz – das Licht ausmachen, damit man den Showeffekt auch sehen kann.

spiegel.de

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