Renault Studie Nepta Große, offene Flunder

Renault kämpft um die Lufthoheit im eigenen Land. Warum sollen Millionäre zwischen Nizza und Cannes im Rolls-Royce Corniche oder dem Bentley Azure über die Küstenstraßen schweben? Luxus können wir auch bieten, sagen die Franzosen und rollen zum Pariser Salon ein flaches Cabriolet ins Rampenlicht.

Paris - Cabrios liegen im Trend. Doch nicht alles, was unter der Sonne des Sommers die Hüllen fallen lässt, ist klein, praktisch und durch ein faltbares Hardtop per Knopfdruck auch wieder vor Wind und Wetter geschützt. Wer es sich leisten kann, mehrere Autos in der Garage zu haben oder wer nur in Regionen unterwegs ist, in denen Regen als Fremdwort gilt, dem bieten große offene Limousinen den ultimativen Luxus, den man sonst nur von einer Segelyacht gewohnt ist. Außer einem Schiebedach ist alles vorhanden.

Das war bislang vor allem eine Domäne der britischen Nobelmarken Rolls-Royce und Bentley. Doch weil Renault die Engländer an der Cote d’Azur nun offenbar leid ist, bringt sich der Createur d’Automobiles mit der eigenen Interpretation eines Luxuscabriolets ins Gespräch.

Die Linien fließen

Dabei schwelgen die Franzosen freilich in blumigen Worten, wenn sie ihre Vision eines viersitzigen Gran-Tourisme-Fahrzeugs beschreiben. Die Karosserielinien der Studie Nepta seien fließend und dennoch markant. Die tief kauernde Silhouette der 1,33 Meter flachen und exakt fünf Meter langen Flunder sei der Ausdruck von Dynamik und Bewegung, und das freundliche, geräumige und komfortable Interieur strahle puren Luxus aus.

Auf große Schnörkel hat das Team um Designchef Patrick Le Quement diesmal allerdings wohlweislich verzichtet: Statt verspielter Details gibt es glatte Oberflächen aus einem Guss, die weder von giftig dreinblickenden LED-Scheinwerfern noch von gierigen Kiemen unterbrochen werden.

Als gäbe es andernorts keine Single-Frame-, Wappen- oder Plaketten-Kühlergrills, beschränken sich die Franzosen an der Nasenspitze des Nepta auf schlichte Schlitze über dem Stoßfänger und ihre Raute, die mit einem kleinen Chromband über die Haube verlängert wird. Die einzige Extravaganz sind die Außenspiegel, die wie reife Früchte an zwei dünnen Ästen neben der Frontscheibe aus dem Wagen hängen.

Cabrio-Yacht mit Segeltuch

Schlicht und würdevoll - das ist der Eindruck, den man vom fahrenden Auto gewinnt. Rollt die Studie dagegen im Yachthafen oder ersatzweise auf dem Messestand aus, wird der imposante Luxusliner zum Showstar. Denn statt konventioneller Türen gibt es zwei gewaltige Flügel, die auf Knopfdruck aufschwingen und dabei mit einer Länge von beinahe vier Metern den bequemen Zustieg zu den vier Einzelsitzen ermöglichen.

Dort reist man auf hellem Leder, das wie Segeltuch drapiert ist, blickt vorn auf ein transparentes Cockpit mit viel Aluminiumzierrat und im Fond auf zwei große Bildschirme in den Rücklehnen der Vordersitze. Auch über dem Motorraum sitzt eine riesige Flügeltür, und nicht wie sonst eine schnöde Haube.

Während das Auto außen wie innen sehr viel spektakulärer wirkt als zum Beispiel ein offener 6er BMW im ähnlichen Format, ist die Technik unter der leidenschaftlich geschneiderten Hülle gewöhnlich. Für den nötigen Fahrtwind sorgt ein Benzindirekteinspritzer des Allianzpartners Nissan, den die Ingenieure mit zwei Turboladern bestückt haben. Derart unter Druck gesetzt, kommt der 3,5 Liter große V6 auf 420 PS und 560 Nm Drehmoment, das er über eine siebenstufige Automatik dosiert an die 23 Zoll großen Hinterräder abgibt.

Wenn damit je einmal ein Besserverdiener über die Küstenstraße kreuzen würde, müsste er sich vor nichts und niemandem verstecken. Im Gegenteil: Mit einem Sprintwert von 4,9 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde wäre er schneller in Monaco als jeder Steuerfahnder. Und auch wenn es in dieser Liga nun wirklich nicht ums Geld gehen sollte, kann er sich dabei sogar über einen vernünftigen Verbrauch von durchschnittlich 9,4 Litern freuen. Schließlich wollen die Millionen ja gemehrt und nicht verzapft werden.

manager-magazin.de

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.