Citroën und Peugeot in Paris Leidenschaft und Vernunft

Was bringen die Automodelle der Zukunft - Spaß oder Sparsamkeit? Beides, erklärt der PSA-Konzern. Das Ergebnis zweier Studien von Citroën und Peugeot: Autos fahren künftig verbrauchsarm und sauber, ohne dadurch die Fahrfreude einzuschränken.

Paris - Eigentlich wirkt Claude Satinet wie ein nüchterner Mensch, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Doch kurz vor dem Pariser Autosalon (30. September bis 15. Oktober) hat der Markenvorstand von Citroën jetzt den Rechenschieber beiseite gelegt, den Blick von den Bilanzen abgewandt und die Augen zum Träumen geschlossen.

Was er dabei sieht, behält er allerdings nicht für sich. Sondern zeigte es jetzt in Paris 400 Journalisten, denen er die Studie C-Métisse vorstellte. Dieses Auto ist für Satinet eine "Symbiose aus Leidenschaft und Vernunft" und macht deutlich, dass sich Sparsamkeit und Spaß nicht ausschließen.

Auf den ersten Blick ist das Coupé, das vermeintliche Gegensätze vereint und deshalb den Namen "Halbblut" trägt, ein leidenschaftlicher Sportwagen. Nur 1,24 Meter hoch aber dafür exakt zwei Meter breit und 4,74 Meter lang, fängt die Flunder den Blick des Betrachters mit einer ausgesprochen markanten Front, die als einziges vertrautes Element den Doppelwinkel trägt. Links und rechts davon schlagen die zackigen Scheinwerfer ins rote Blech, während weiter außen große Nüstern den Duft der Straße einsaugen.

Flügeltüren, die von Sensoren gesteuert werden

In der Seitenansicht besticht das Coupé mit einer endlos langen Haube und einem kurzen, sehr weit nach hinten versetzten Passagierabteil, aus dem von Sensoren gesteuert auf jeder Seite zwei gegenläufige Flügeltüren herausschwingen. Und hinten wächst aus den riesigen Radkästen ein beinahe kugelrunder Abschluss.

Dazu gibt es einen mit weißem Leder ausgeschlagenen Innenraum mit vier Sitzschalen, die an einen Raumkreuzer aus dem Krieg der Sterne erinnern. Diesem Vorbild folgt auch das Cockpit mit einem abgeflachten Lenkrad, das um eine feststehende Nabe kreist, mit Armaturen, die in zwei tiefen Tuben liegen, und mit Schaltern, die wie bei einem Flugzeug unter der Decke positioniert sind.

Potenter Diesel-Elektro-Antrieb

Potenter Diesel-Elektro-Antrieb

Soweit zum Thema Leidenschaft. Auf den zweiten Blick ist der C-Métisse aber auch ein ausgesprochen vernünftiges Auto, sagt Citroën-Chef Satinet und gerät bei der Antriebstechnik ebenso ins Schwärmen wie beim Design. Schließlich steckt unter der Kohlefaser-Karosserie nun schon der zweite Diesel-Hybrid von Citroën.

Doch anders als im C4 kombinieren die Franzosen diesmal keinen Vierzylinder mit einem Elektromotor, sondern legen in jeder Hinsicht nach. Vorn arbeitet nun der 208 PS starke und natürlich von einem Rußpartikelfilter gereinigte V6 aus der Kooperation mit Jaguar, und hinten stecken in den Radnaben gleich zwei Elektromotoren. Die haben zwar nur jeweils 20 PS, wirken aber mit zusammen 800 Newtonmeter wie ein Turbo, der die Studie gewaltig voranschiebt.

Nur 6,2 Sekunden sollen vergehen, bis die Tachonadel bei 100 Sachen steht. Und dass der C-Métisse auch mit 250 km/h in die Zukunft jagen kann, glaubt man dem Showcar ungeprüft. Ein ausgeklügeltes Energiemanagement und die Rückgewinnung der Bremskraft drücken den Verbrauch dabei auf einen Normwert von 6,5 Litern. Außerdem ermöglicht diese Technik zumindest auf kurzen Etappen den reinen Elektrobetrieb.

"Davon können wir nur träumen"

Dumm nur, dass der Wagen ein Einzelstück bleiben wird. "Denn davon können wir vorerst nur träumen", gesteht Satinet ein und wendet sich stattdessen solch profanen Fahrzeugen wie dem C4 Picasso zu, der noch in diesem Herbst die Lücke zwischen den kompakten und den großen Vans schließen soll.

Aber Monsieur Satinet ist mit seinen Träumen nicht alleine. Auch seine Kollegen bei Peugeot richten für die "Mondiale" in Paris den Blick in die Zukunft. Dabei schürt die Löwen-Marke nicht nur die Hoffnung auf einen Sieg in LeMans, der sie mit der Präsentation des V12-Dieselmotors für das Rennen in der lustvollen Sportlimousine 908 RC einen leidenschaftlichen Ausdruck verleihen.

Peugeot träumt von der Brennstoffzellen-Zukunft

Sondern mit dem 207 Epure legt sich Peugeot auch ein grünes Mäntelchen um, das freilich einen sexy Schnitt hat. Vordergründig ist die in unschuldigem Weiß lackierte Studie mit dem bezeichnenden Namen "Das Reine" ein sehr konkreter Vorbote des kommenden Hardtop-Cabrios, das die Modellpalette des neuen 207 wohl schon zum nächsten Sommer erweitern soll.

Doch "rein" ist der Wagen nicht wegen seines sauberen Lacks, dessen Weiß auch das Innenleben bestimmt. Sondern rein ist er vor allem, weil unter der Karosserie eine Brennstoffzelle steckt. Sie wandelt den Sauerstoff der Umgebung und den Wasserstoff aus den Spezialtanks hinter der Rückbank in den Strom für einen Elektromotor um.

Obwohl die Tanks im Kofferraum so eng zusammenrücken mussten, dass sich das Dach noch öffnen und im Heck ablegen lässt, reicht ihr Volumen für 350 Kilometer bei immerhin 130 km/h. "Da dieser 207 der Zukunft nur Wasser ausstößt und so zur Reinhaltung der Luft beiträgt, ist er optimal aufgestellt für den Einsatz in der Stadt und im stadtnahen Bereich", schwärmen die Franzosen. Noch allerdings ist dies eine Vision.

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